Am Donnerstag, 1. Oktober 2026, hält Regina Frey ihre Antrittsvorlesung an der Universität Freiburg in der Schweiz. Beginn ist um 17:15 Uhr. Der Titel klingt nach Weinberg und Kirchenbank zugleich: „Neuer Wein in alten Schläuchen? Pastoraltheologische Skizzen zur Glaubensvermittlung zwischen Säkularisierung und Professionalisierung.“

Seit dem 1. Februar 2025 ist Frey Professorin für Pastoraltheologie, Religionspädagogik und Homiletik in Freiburg. Die 38-Jährige studierte Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Ihr Fach sitzt mitten im kirchlichen Alltag: Es geht um Seelsorge und die Begleitung von Menschen, um die Verkündigung des Glaubens, um Gemeindestrukturen und Glaubensweitergabe.

Zwischen Gemeinde, Predigt und schmerzhaften Fragen

Pastoraltheologie untersucht wissenschaftlich, wie der Glaube im Leben und in der Gesellschaft wirksam wird. Gerade angesichts von Machtmissbrauch sowie schrumpfenden oder nicht mehr funktionierenden Gemeinden sieht Frey einen Bedarf an positiven Perspektiven und konkreten Handlungshinweisen. Kritik soll dabei nicht bloß abrechnen, sondern Verbesserungen ermöglichen.

Ihr Interesse an dem Fach entstand schon während des Studiums. Zuvor war Frey bei den Pfadfinderinnen und als Ministrantin aktiv gewesen. Die praktischen Erfahrungen aus Gemeindearbeit und Glaubensbegleitung wollte sie theoretisch reflektieren. Bereits im zweiten oder dritten Semester besuchte sie alle Veranstaltungen am Lehrstuhl für Pastoraltheologie.

Eigentlich wollte sie zunächst als Pastoralreferentin in der Gemeindearbeit tätig sein. Zusätzlich absolvierte sie eine Journalistenausbildung und arbeitete für kirchliche Medien. Später entschied sie sich für eine Promotion in Pastoraltheologie – weil ihr Forschung, Diskussion und Lehre Freude machten.

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In ihrer Lehre will Frey unter anderem Gemeindepastoral, Kasualien wie Taufe, Firmung, Erstkommunion, Hochzeit und Beerdigung sowie Homiletik behandeln, also Verkündigung und Predigt. Den Studierenden möchte sie einen Überblick über die verschiedenen kirchlichen Handlungsfelder geben. Eigene inhaltliche Schwerpunkte will sie im Lauf ihrer weiteren Laufbahn entwickeln.

Wohlwollend, aber kritisch: So beschreibt Frey ihre Haltung gegenüber kirchlichem Handeln. Auch schmerzhafte Themen soll Pastoraltheologie untersuchen, ohne dabei etwas zu zerstören. Mitarbeitende und Gemeinden könnten so Orientierung für schwierige Situationen gewinnen.

Als Beispiel nennt Frey schrumpfende Gemeinden, in denen weniger junge Menschen aktiv sind. Wenn Gemeinde als Heimat verloren geht, kann das weh tun. Eine schnelle Lösung, sauber auf ein Blatt Papier geschrieben, reicht dann nicht. Seelsorgende könnten den Schmerz zunächst anerkennen und die Unsicherheit gemeinsam mit den Gemeinden aushalten.

Was Predigten auslösen – und was Krisen lehren

In ihrer Forschung interessiert Frey, wie Hörerinnen und Hörer auf Predigten reagieren. Für den katholischen Bereich im deutschsprachigen Raum gebe es dazu derzeit keine aktuellen Untersuchungen. Ihre Habilitationsarbeit widmet sich unterdessen der Frage, wie einzelne Seelsorgende auf die Covid-19-Pandemie reagiert haben und woran sie sich in Krisensituationen orientieren. Krisenbewältigung und Gemeindeentwicklung sind weitere mögliche Forschungsthemen.

Frey ist geweihte Jungfrau im Bistum Fulda. Diese Lebensform ermöglicht ihr nach eigener Aussage, ihren Tagesablauf flexibel zu gestalten und spontan verfügbar zu sein. Völlige Ungebundenheit meint sie damit nicht, sondern eine bewusste Zugehörigkeit zu Gott. Bei der Jungfrauenweihe erhielt sie einen Ehering als Zeichen ihrer Zugehörigkeit zu Christus. Zugleich verpflichtete sie sich, täglich an der Eucharistiefeier teilzunehmen und im Stundengebet für die Kirche und die Gläubigen zu beten.

Pastoraltheologie im Austausch

Auch außerhalb Freiburgs wird derzeit über neue Formen theologischen Arbeitens diskutiert. In Münster ist am 22. September 2026 die Fachtagung „Radikale Kontingenz. Theologie vor der Herausforderung Michel Foucaults“ angesetzt. Führende Expert:innen wollen dort der Frage nachgehen, wie zeitgenössische Theologie mit Michel Foucaults Konzept radikaler Kontingenz umgehen kann. Informationen und Anmeldung werden auf der Veranstaltungsseite angeboten.

Ebenfalls am 22. September 2026 findet der Workshop „Political Theology and Political Theatre“ statt. Weitere Informationen werden über einen Instagram-Link bereitgestellt.

Ein weiterer Termin führt an die Katholisch-Theologische Fakultät Münster: Am 19. und 20. August 2026 ist dort der zweitägige Workshop „DenkFormKompetenz“ vorgesehen. Die entsprechende Ankündigung stammt vom 12. Mai 2026. Die theologische Werkstatt sucht nach neuen und innovativen Formen theologischen Arbeitens jenseits von gesprochenem Wort und Text. Zur Vorbereitungsgruppe gehören Theolog:innen, Lehrende und Studierende aus Münster, Köln und Koblenz; beteiligt sind die Fachbereiche Pastoraltheologie, Religionsdidaktik und Ökumenische Theologie.

Für den 13. bis 15. September 2027 ist außerdem der Kongress der Arbeitsgemeinschaft für Pastoraltheologie in Leitershofen bei Augsburg geplant. Das Thema lautet „Populismus und Religion“. Im Mittelpunkt stehen Populismus als Macht- und Gefühlsformation und seine Bedeutung für demokratische Aushandlungsprozesse. Daneben geht es um Macht, Zugehörigkeit, gesellschaftliche Orientierung und Bindung.

Die Arbeitsgemeinschaft verbindet theologische Wissenschaftler:innen mit pastoralen Praktiker:innen und stellt Informationen zu ihrem Profil, zu Mitgliedern sowie zu Büchern und anderen Veröffentlichungen bereit. Ihr wissenschaftliches Publikationsorgan ist die Zeitschrift für Pastoraltheologie, die aktuelle und grundlegende Themen des Fachs behandelt.

In Freiburg wird es am 1. Oktober zunächst um die Frage gehen, wie Glaubensvermittlung zwischen Säkularisierung und Professionalisierung aussehen kann. Ein großer Titel für einen Abend, an dem es vermutlich auch um ganz kleine Dinge gehen wird: um eine Predigt, die hängen bleibt, um eine Gemeinde, die sich verändert, und um Menschen, die trotzdem wiederkommen.