TRANSFER: Europäisches Forschungsprojekt der Universität Freiburg untersucht Bildungsungleichheiten europaweit
An der Uni Freiburg geht heute ein europäisches Forschungsprojekt gegen Bildungsungleichheiten an den Start. Die Universität Freiburg koordiniert TRANSFER, ein auf drei Jahre angelegtes Vorhaben mit 13 Partnerinstitutionen aus acht europäischen Ländern. Finanziert wird es im Rahmen von Horizon Europe mit rund 3,5 Millionen Euro von der EU.
Bildungserfolg hängt in Europa noch immer stark von der sozialen Herkunft und weiteren gesellschaftlichen Faktoren ab. Zwar gibt es zahlreiche Programme und politische Maßnahmen, doch ihre Wirksamkeit wird laut Projektbeschreibung oft nur unzureichend überprüft. TRANSFER will deshalb genauer hinschauen: Wie entstehen Maßnahmen, wie werden sie umgesetzt, und welche beabsichtigten oder unbeabsichtigten Folgen haben sie?
Vergleichen, prüfen, voneinander lernen
Untersucht werden Bildungsprogramme und politische Maßnahmen in Deutschland, Finnland, Irland, Litauen, Norwegen, der Schweiz, Spanien und Ungarn. Eine gemeinsame Methodik soll länderübergreifende Vergleiche ermöglichen. Dabei nutzt das Projekt eine Mixed-Methods-Evaluationsstrategie – also qualitative Interviewstudien ebenso wie quantitative Daten.
Im Mittelpunkt stehen Ungleichheiten aufgrund sozialer Herkunft, Migration, Geschlecht und Behinderungen. Nationale Maßnahmen und Programme zu ihrer Verringerung werden empirisch evaluiert. Die Perspektiven kommen dabei aus vier Richtungen: von Praktikerinnen, Wissenschaftlerinnen, politischen Entscheidungsträgerinnen sowie den Zielgruppen der Maßnahmen.
Projektkoordinator ist Andreas Hadjar, Professor für Soziologie, Sozialpolitik und Sozialforschung an der Universität Freiburg. Beim Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung, kurz DIPF, leitet Dr. Jan Scharf ein Arbeitspaket zu Methoden und Gelingensbedingungen evidenzbasierter Politikberatung im Bildungsbereich. Das DIPF arbeitet dabei eng mit dem Institut für Innovation und Technik (iit) zusammen.
Vom Forschungsstand bis zum Schulalltag
In der ersten Projektphase wird der internationale Forschungsstand zu methodischen Ansätzen evidenzbasierter Politikberatung systematisch aufgearbeitet. Außerdem entsteht ein Überblick über Institutionen und Vorgehensweisen der Bildungsberatung; anschließend werden diese Ansätze im europäischen Vergleich untersucht. Die empirischen Ergebnisse sollen später in einer übergreifenden Synthese zusammengeführt und diskutiert werden.
TRANSFER will nicht bloß Daten sammeln und sie dann irgendwo ablegen. Forschungsergebnisse sollen gemeinsam mit relevanten Akteursgruppen erarbeitet und reflektiert werden – mit Blick auf ihre Relevanz, Nutzbarkeit und Nachhaltigkeit. Vorgesehen ist ein kontinuierlicher Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis. Einbezogen werden die Erfahrungen von Entscheidungsträgern, Bildungsfachpersonen und Lernenden.
Das Projekt untersucht deshalb auch, wie wissenschaftliche Erkenntnisse besser in politische Entscheidungen und in den Bildungsalltag einfliessen können. Zu den Zielen gehören ein systematischer Überblick über evidenzbasierte Politikberatung im europäischen Bildungsbereich, die partizipative Untersuchung von Maßnahmen gegen Bildungsungleichheiten und der internationale Vergleich dieser Ansätze.
Leitlinien, Plattform und ein Simulationsinstrument
Als Ergebnisse sind methodische Leitlinien und politische Handlungsempfehlungen geplant. Hinzu kommen eine interaktive Wissensplattform und ein KI-gestütztes Simulationsinstrument. Die Resultate richten sich an politische Entscheidungsträgerinnen, Praktiker*innen, Lernende und ihre Eltern sowie an die breitere Öffentlichkeit.
Die Universität Freiburg leitet das Konsortium, das Forschungsteams aus allen acht beteiligten Ländern verbindet. Das übergeordnete Ziel: inklusivere, gerechtere und zukunftsorientierte Bildungsprozesse in Europa zu fördern. Ob die neuen Instrumente im politischen Alltag tatsächlich landen, wird sich wohl nicht am Schreibtisch entscheiden, sondern dort, wo Bildungsmaßnahmen auf volle Klassen, knappe Zeit und sehr unterschiedliche Lebensgeschichten treffen.
