Beim 76. Deutschen Genealogentag wird Familiengeschichte digital und analog erforscht
Wer wissen will, woher die eigene Familie kommt, landet früher oder später bei alten Kirchenbüchern, vergilbten Karteikarten und der Frage: Wer war eigentlich dieser unbekannte Zweig aus dem Nachbarort? Beim 76. Deutschen Genealogentag an der Universität Göttingen helfen Vereine, Archive und digitale Anbieter bei genau solchen Recherchen. Heute, am 26. September 2026, läuft das Treffen noch bis zum Sonntag.
Gastgeberin ist die Genealogisch-Heraldische Gesellschaft Göttingen (GHGG), die zugleich ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Veranstaltungsort ist das Foyer des Zentralen Hörsaalgebäudes (ZHG) der Georg-August-Universität Göttingen, Platz der Göttinger Sieben 5. Rundherum liegen unter anderem Oeconomicum, Theologicum, Juridicum, die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, das Hörsaalgebäude und die Zentral-Mensa.
Vom Handzettel bis zur Datenbank
An zahlreichen Ständen geht es um die Suche nach Vorfahren, unbekannten Familienzweigen und den richtigen Einstieg in die Ahnenforschung. Für die bisher 50 angemeldeten Aussteller steht Platz im Foyer bereit; der Besuch ihrer Stände ist kostenlos. Mit dabei sind unter anderem Archion, FamilySearch, Genealogica sowie die Programmanbieter Ahnenblatt, Familienbuch, Grampshub und Heredis. Auch der Verein für Computergenealogie, kurz CompGen, ist vertreten.
Das Internet ist längst ein wichtiges Hilfsmittel der genealogischen Forschung. CompGen bezeichnet sich als Deutschlands größten Verein für Computergenealogie und als überregionalen Dachverband. Der Verein stellt kostenlos nutzbare Datenbanken mit mehr als 50 Millionen Personendatensätzen bereit. Dazu gehören etwa GedBas mit rund 30,4 Millionen GEDCOM-Daten, die Online-Ortsfamilienbücher mit etwa 21,1 Millionen Einträgen, die CompGen-Verlustlisten mit rund 8,55 Millionen durchsuchbaren Verlustlisten des Ersten Weltkriegs, das Grabstein-Projekt mit etwa 6,7 Millionen Grabsteindaten und 4,3 Millionen Fotos von mehr als 9.999 Friedhöfen sowie Familienanzeigen in Tageszeitungen mit rund 4,49 Millionen Tauf-, Hochzeits- und Todesanzeigen und historische Adressbücher mit etwa 4,4 Millionen Datensätzen.
Archion bietet kostenpflichtigen digitalen Zugang zu historischen Kirchenbüchern. In der Datenbank sind rund 2,5 Millionen digitalisierte Seiten evangelischer Kirchenbücher verzeichnet. Die Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck unterstützt derweil die genealogische und heraldische Erforschung von Familien aus Kurhessen und Waldeck.
Etwas weniger Klick, etwas mehr Papier: Die Bibliothek der GHGG berät und gewährt Einblick in Ahnentafeln, Familienchroniken und Handkarteien aus der Region. Gerade dort merkt man, dass Familienforschung nicht nur aus Suchmasken besteht. Manchmal führt ein handschriftlicher Vermerk weiter als zehn Trefferlisten.
Vorträge, Workshops und ein Abend mit Münchhausen
Von Freitag bis Sonntag laufen parallel Vorträge und Workshops mit insgesamt 30 Referenten. Sie finden in den angrenzenden Hörsälen 07, 08 und 09 statt. Für die Teilnahme wird eine Gebühr von 15 Euro erhoben; Anmeldeschluss ist der 1. September 2026 gewesen.
Am Samstag, 26. September 2026, beginnt um 19 Uhr der „Göttinger Abend“ mit einem Buffet auf der Empore des Foyers. Das anschließende Unterhaltungsprogramm findet in einem Hörsaal statt. Das Göttinger Theaterduo „Die Stillen Hunde“ gestaltet gemeinsam mit weiteren Gästen eine „Plauderey“ zu Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen. Für den Abend war eine gesonderte Anmeldung bis zum 1. September 2026 erforderlich, der Kostenbeitrag beträgt 50 Euro.
Am Sonntagvormittag endet die Veranstaltung mit der Jahreshauptversammlung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Genealogischer Verbände (DAGV), Ehrungen und der Staffelübergabe an den Ausrichter des 77. Deutschen Genealogentags 2027 in Oldenburg.
Der Deutsche Genealogentag wird am Sonntag, 27. September, ab 9 Uhr fortgesetzt. Die Aktionen im Foyer des Zentralen Hörsaalgebäudes am Platz der Göttinger Sieben dauern bis 13 Uhr.
Eine digitale Weltkarte der Familiengeschichte
Wie groß das Angebot inzwischen ist, zeigt ein Blick auf genealogische Datenbanken weltweit. Ancestry.com kommt auf etwa 60 Milliarden Datensätze (2024), darunter GEDCOM-Dateien, digitalisierte genealogische Originaldokumente und eine DNA-Datenbank; das Angebot sitzt in den USA und ist teilweise kostenpflichtig. MyHeritage verzeichnet rund 33,7 Milliarden Datensätze (2025), ebenfalls mit GEDCOM-Dateien, digitalisierten Originaldokumenten und DNA-Datenbank weltweit; das Unternehmen sitzt in Israel und verlangt teilweise Gebühren.
FamilySearch bietet etwa 20,5 Milliarden Datensätze (2024), basiert auf weltweit mikroverfilmten Kirchenbüchern, verfügt über einen großen gemeinsamen Stammbaum und ist kostenfrei. Geneanet kommt auf ungefähr 9 Milliarden Datensätze (2025), gehört zu Ancestry.com und bietet GEDCOM-Dateien sowie digitalisierte Originaldokumente weltweit, teilweise kostenpflichtig. FindMyPast verzeichnet etwa 3,62 Milliarden genealogische Daten und Originaldokumente weltweit (2025), teilweise kostenpflichtig, mit Sitz im Vereinigten Königreich.
Zu den größeren Spezialangeboten gehören Fold3 mit rund 640 Millionen Datensätzen (2025), darunter Volkszählungen, Melderegister und historische Zeitungsartikel; die Plattform hieß früher „Footnote“, gehört zu Ancestry.com, ist teilweise kostenpflichtig und sitzt in den USA. Free BMD enthält etwa 399 Millionen Geburts-, Heirats- und Sterbeeinträge aus England und Wales ab 1837, ist kostenfrei und kommt aus dem Vereinigten Königreich. OpenArchives bietet rund 353 Millionen Datensätze öffentlicher Archive (2025), teilweise kostenpflichtig, in den Niederlanden.
Find a Grave führt etwa 250 Millionen Bilder und Daten von Grabsteinen weltweit (2025), gehört zu Ancestry.com und ist kostenfrei. Filae kommt ebenfalls auf rund 250 Millionen digitalisierte genealogische Originaldokumente aus Frankreich, gehört zu MyHeritage und ist teilweise kostenpflichtig. WieWasWie bietet ungefähr 235 Millionen historische Dokumente (2023), teilweise kostenpflichtig, in den Niederlanden. Portale Antenati verzeichnet etwa 147 Millionen digitalisierte genealogische Originaldokumente aus Italien (2025) und ist kostenfrei.
Geni.com weist rund 133 Millionen Einträge (2019) auf, darunter einen großen gemeinsamen Stammbaum; das Angebot gehört zu MyHeritage und ist überwiegend kostenpflichtig. Family Tree Seeker umfasst etwa 80,4 Millionen Indizes genealogischer Personendaten auf privaten Homepages weltweit (2025) und sitzt in den Niederlanden. Geneteka bietet ungefähr 58,4 Millionen digitalisierte genealogische Originaldokumente (2025), kostenfrei, in Polen. Genealogie Online enthält rund 55,5 Millionen Stammbäume, Totenzettel und weitere Daten; die Grundfunktion ist kostenlos, ein Abonnement kostenpflichtig, der Dienst kommt aus den Niederlanden.
BillionGraves verzeichnet etwa 52,7 Millionen Bilder und Daten von Grabsteinen weltweit (2024), ist kostenfrei und sitzt in den USA. WikiTree umfasst rund 44,9 Millionen Einträge (2025), arbeitet mit einem gemeinsamen Stammbaum und legt den Schwerpunkt auf Datenqualität; die Nutzung ist kostenfrei, für Mitarbeit ist eine Registrierung erforderlich. JewishGen bietet etwa 40,3 Millionen genealogische Dokumente jüdischer Gemeinden weltweit (2024), teilweise kostenpflichtig, in den USA.
Weitere Anlaufstellen reichen von nationalen Archiven bis zu regionalen Sammlungen: Das Nationale Archiv Norwegen bietet etwa 28 Millionen Suchmöglichkeiten in digitalisierten Archiven (2017). Culture.fr kommt auf rund 25 Millionen Datensätze in digitalisierten französischen Archiven. GenTeam verzeichnet etwa 21,2 Millionen Datensätze (2021) für Genealogie, Heimatforschung und Geschichte, unter anderem zu Österreich, Bayern, der Slowakei, Slowenien und Tschechien; die Registrierung ist kostenlos, ebenso die Nutzung. Familia Austria bietet etwa 21 Millionen Datensätze (2026) in elf Datenbanken zur Genealogie und Geschichte der früheren Habsburgermonarchie beziehungsweise Österreich-Ungarns; eine Vorschau ist kostenfrei, beteiligt sind mehrere mittel- und osteuropäische Länder.
Der Ryerson Index ermöglicht mit rund 9,58 Millionen Einträgen (2025) die Suche in 225 australischen Tageszeitungen. GedComp enthält etwa 6,5 Millionen GED
