Bakterielle Infektion vermutlich Todesursache des Buckelwals im Greifswalder Bodden
Im Greifswalder Bodden ist ein etwa zehn Meter langer männlicher Buckelwal verendet. Laboranalysen zufolge starb das Tier mutmaßlich an einer bakteriellen Infektion. Das Deutsche Meeresmuseum wies Streptococcus phocae und Bacteroides fragilis nach. Beide Bakterien kommen bei Walen und anderen Meeressäugern vor, können bei einem geschwächten Immunsystem aber lebensbedrohliche Erkrankungen auslösen.
Der Wal war Mitte August 2026 zwischen Rügen und dem Festland auf dem Rücken treibend entdeckt worden. Nach Einschätzung des Meeresmuseums handelte es sich vermutlich um dasselbe Tier, das zuvor vor Schleswig-Holstein, im Wismarer Hafen und vor der polnischen Küste gesichtet worden war. Die Nachricht wurde am 1. Oktober 2026 ausgestrahlt – heute also, am 1.10.2026, auch ein Gesprächsthema an der Uni Greifswald.
Abszesse entlang der Wirbelsäule
Bei der Sektion fanden die Experten an vier Körperstellen teils große Abszesse, besonders entlang der Wirbelsäule. Einige Wirbel waren porös. Die Entzündungen beeinträchtigten den Wal nach Einschätzung der Fachleute wahrscheinlich stark beim Schwimmen. Großflächig hatte sich Haut vom Körper gelöst, außerdem war das Tier in schlechtem Ernährungszustand.
Abszesse können eine Sepsis auslösen. Ob das hier tatsächlich der Fall war, ließ sich allerdings nicht zweifelsfrei bestätigen, weil das Blut durch Verwesungsbakterien verunreinigt war. Der Befund bleibt damit vorsichtig formuliert: mutmaßlich bakterielle Infektion, mögliche Blutvergiftung – aber kein sicherer Nachweis.
Die Ostsee ist für Buckelwale ohnehin kein normaler Lebensraum. Ihr niedriger Salzgehalt und das unzureichende Nahrungsangebot machen das Binnenmeer für die großen Wanderer schwierig. Schon im Frühjahr hatte der als krank geltende Buckelwal „Timmy“ für Aufsehen gesorgt. Ende März strandete er vor Poel; eine private Initiative brachte ihn in die Nordsee und setzte ihn dort aus. Später wurde er tot vor der dänischen Insel Anholt entdeckt. Der Fund im Greifswalder Bodden war damit der zweite Buckelwal, der 2026 vor der deutschen Ostseeküste Aufmerksamkeit erregte.
Ein seltener Gast mit großen Flossen
Der Buckelwal, wissenschaftlich Megaptera novaeangliae, gehört zu den Furchenwalen. Er hält sich häufig in Küstennähe auf, ist für seinen Gesang und akrobatische Sprünge bekannt und wird meist etwa 12 bis 15 Meter lang. Einzelne Tiere erreichen rund 18 Meter und wiegen etwa 25 bis 30 Tonnen. Sein Körper ist kräftig gebaut, die Brustflossen sind gewaltig und können fast ein Drittel der Körperlänge erreichen.
Oberseits sind Buckelwale meist schwarz, die Unterseite reicht je nach Population und Individuum von Weiß bis Schwarz. Weiße Flecken können Narben, Seepocken oder Kieselalgenbewuchs sein. Der flache Kopf trägt typische Hautverdickungen, sogenannte Tuberkel, mit ein bis zwei Borsten. Dazu kommen 14 bis 20 Kehlfurchen und 270 bis 400 Barten pro Maulhälfte beziehungsweise in Reihen; sie können 0,8 bis 1,0 Meter lang werden. Die Rückenfinne ist klein und unterschiedlich geformt, die große Schwanzflosse tief eingekerbt und an der Hinterkante rau.
Der Name passt zum Verhalten: Beim Abtauchen bildet der Körper einen Buckel, häufig hebt das Tier dabei die Schwanzflosse vollständig aus dem Wasser. Der einstrahlige Blas ist oft buschig. Buckelwale können komplett aus dem Wasser springen und mit Brust- oder Schwanzflossen auf die Oberfläche schlagen – aus der Entfernung wirkt das fast übermütig, bis man sich die Masse dahinter vor Augen führt.
Die Art ist in allen Ozeanen verbreitet. Im Sommer frisst sie in polaren Nahrungsgebieten, im Winter zieht sie in tropische und subtropische Fortpflanzungsgebiete. Die Wanderungen verlaufen meist küstennah, durch Buchten und Flussmündungen, und umfassen je nach Population Tausende Kilometer. Einzelpopulationen überschreiten den Äquator grundsätzlich nicht dauerhaft; im Atlantik und Pazifik gibt es nördliche und südliche Populationen. Die Population im Indischen Ozean wandert teilweise nicht nach Norden, bleibt ganzjährig in tropischen Nahrungsgebieten oder zieht ins Südpolarmeer.
In der westlichen Ostsee sind die Tiere selten, aber nicht völlig unbekannt: Zwei Buckelwale wurden im Sommer 2014 in der Flensburger Förde beobachtet, ein Tier im Juli 2016 im Greifswalder Bodden. Im Juni 2018 lag ein toter Buckelwal vor Graal-Müritz, 2025 gab es eine Sichtung vor Rügen. „Timmy“ wurde im März und April 2026 in der Lübecker und Wismarer Bucht gerettet und in die Nordsee gebracht; dänische Behörden bestätigten seinen Tod am 16. Mai 2026. Seit 2021 wurden außerdem vermehrt einzelne Buckelwale im Mittelmeer beobachtet.
Krill, Luftblasen und ein Lied mit 622 Lauten
Auf dem Speiseplan stehen hauptsächlich Krill, in kleineren Mengen auch Fische – besonders in nördlichen Gebieten. Nahrung nehmen Buckelwale ausschließlich in den Sommerquartieren auf; im Winter zehren sie von ihren Fettreserven. Meist suchen sie bis in etwa 50 Meter Tiefe. Als „Schluckfiltrierer“ brauchen sie dichte Beuteschwärme.
Bei der Luftblasen-Netz-Technik umkreisen mehrere Tiere Fisch- oder Krillschwärme und erzeugen aufsteigende Luftblasen. Die Blasenwände können drei bis 30 Meter Durchmesser erreichen und werden durch Laute koordiniert. Nach einem Signal schwimmen die Wale mit geöffnetem Maul durch das konzentrierte Beutenetz nach oben. Ihre Wanderungsgeschwindigkeit liegt meist zwischen 1,5 und 11 km/h, durchschnittlich bei 2 bis 5 km/h; Spitzengeschwindigkeiten bis etwa 27 km/h wurden gemessen.
Die Tiere leben überwiegend einzeln oder zeitweise in kleinen Gruppen von zwei bis neun Walen. In Nahrungs- und Fortpflanzungsgebieten kommen auch größere Ansammlungen vor, in manchen Nahrungsgebieten treffen sich jährlich stabile Gruppen zum gemeinsamen Jagen. Männchen zeigen während der Fortpflanzungszeit aggressives Verhalten, drohen, rammen und drängen Rivalen ab. Die Verletzungen hinterlassen meist oberflächliche Narben. Die Paarung ist polygam.
Der Gesang gehört zu den vielfältigsten Tierlauten. Hauptsächlich Männchen erzeugen ihn unter Wasser. Eine 2007 veröffentlichte Studie registrierte 622 verschiedene Laute. Die wiederholten, individuell unterschiedlichen Strophen verändern sich im Laufe der Jahre, mit bis zu 190 Dezibel zählen sie zu den lautesten Rufen im Tierreich. Fährt ein Schiff vorbei, reduzieren oder beenden Buckelwale ihren Gesang laut einer Untersuchung von 2018; etwa eine halbe Stunde später nehmen sie ihn meist wieder auf.
Jungtiere, Verwandtschaft und die lange Jagdgeschichte
Die Fortpflanzung findet in tropischen Winterquartieren statt. Die Tragzeit dauert etwa zwölf Monate, Neugeborene sind ungefähr vier Meter lang. Kälber bleiben mindestens ein Jahr bei der Mutter, werden sechs bis zehn Monate gesäugt und erreichen in dieser Zeit 7,5 bis 9 Meter. Weibchen können etwa alle drei Jahre ein Junges gebären. Geschlechtsreif werden Buckelwale ungefähr mit fünf Jahren und einer Körperlänge von etwa zwölf Metern, ihre endgültige Größe erreichen sie nach rund 15 Jahren. Das bisher älteste gefundene Tier war 48 Jahre alt; bestimmt wurde das Alter anhand von Wachstumsringen der Ohrkapsel.
Vor Schwertwalen sind Buckelwale nicht immer nur auf der Flucht. Besonders Kühe mit Kälbern werden angegriffen, zugleich beobachteten Forschende mehrfach, wie Buckelwale Schwertwale bei der Jagd auf Robben, Seelöwen und andere Wale störten. In einem Fall versuchten zwei Buckelwale, ein von Schwertwalen angegriffenes Grauwalkalb zu retten, in einem anderen schützte ein Buckelwal eine Robbe. Eine Meeresbiologin berichtete außerdem, ein Buckelwal habe sie vor einem Tigerhai geschützt.
Megaptera bedeutet auf Griechisch „großer Flügel“ und verweist auf die langen Brustflossen. Das Ar
