Uni Halle, 17. Oktober 2026. Wer heute noch eine alte Publisher-Datei auf dem Rechner findet, schaut womöglich erst einmal ratlos auf die Endung .pub. Microsoft hat das Programm nach rund 35 Jahren eingestellt. Seit 1991 gehörte Publisher zum Office-Portfolio; im Februar 2024 kündigte Microsoft das Ende an, am 1. Oktober 2026 verschwand es für Microsoft-365-Abonnenten aus dem Paket.

Die Dateien selbst werden nicht gelöscht. Öffnen oder bearbeiten lassen sie sich in Publisher aber nicht mehr. Für Publisher 2021 und Office LTSC 2021 endete der Support am 13. Oktober. Bereits installierte Kaufversionen bleiben zwar nutzbar, Sicherheitsupdates gibt es dafür nicht mehr. Microsoft empfiehlt, vorhandene Dateien in PDF oder DOCX umzuwandeln. Word und PowerPoint können .pub-Dateien allerdings nicht direkt öffnen.

LibreOffice hält die Dateien offen

Eine brauchbare Ausweichroute führt über LibreOffice Draw. Die Zeichenanwendung kann Publisher-Dateien ohne installiertes Microsoft Publisher importieren, anzeigen und bearbeiten. Anschließend lassen sich die Dokumente in das standardisierte OpenDocument-Format ODF, als PDF oder als DOCX exportieren. Unterstützt ist offiziell der Import von Publisher-Versionen 98 bis 2010.

Möglich macht das die Bibliothek libmspub. Sie verarbeitet das proprietäre Publisher-Format auf Grundlage von Reverse Engineering. Zurück in das ursprüngliche .pub-Format exportieren kann LibreOffice nicht. Bei Dateien aus neueren Publisher-Versionen sowie bei komplizierten Seiten können Schriften, Textfluss, Grafiken und andere Elemente verrutschen. Ein prüfender Blick nach der Umwandlung ist also Pflicht, gerade wenn ein Flyer nicht plötzlich drei Millimeter zu breit sein soll.

The Document Foundation hält PDF und DOCX für die Weiterverwendung bearbeitbarer Layouts nur bedingt geeignet und empfiehlt ODF. PDFs sind nicht ohne Weiteres editierbar; beim Export nach DOCX kann bei komplexen Layouts Formatierung verloren gehen. Für kleinere Publikationen wie Newsletter wird LibreOffice Draw empfohlen, als vollständiger Ersatz für spezialisierte Desktop-Publishing-Software gilt es wegen solcher Abweichungen aber nicht.

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Welche Alternativen bleiben?

Microsoft verweist für Kalender, Etiketten, Grußkarten und Flyer auf Word, PowerPoint oder Microsoft Designer. Genannt werden außerdem Affinity by Canva, Adobe InDesign und spezielle Offline-Betrachter. Für anspruchsvollere Publikationen empfiehlt die Document Foundation das Open-Source-Programm Scribus. Auch Scribus nutzt libmspub, speichert seine Dokumente jedoch im nicht standardisierten SLA-Format.

Beim Wechsel kann Handarbeit nötig werden, vor allem bei komplexen Grafiken und Layouts. Organisationen mit großen Publisher-Beständen sollten deshalb wichtige Dateien sichten, konvertieren und die Darstellung anschließend testen. Die Loughborough University will Publisher am 30. Oktober 2026 von Universitätsgeräten und aus Laboren entfernen. Für manche Dateien dürfte der Abschied damit nicht mit einem Klick erledigt sein.

Wer jetzt zwischen alten Vorlagen, Vereinsflyern und Instituts-Newslettern sitzt, sollte die Originale behalten und die konvertierten Fassungen danebenlegen. So bleibt nachvollziehbar, was sich beim Import verändert hat. Und falls irgendwo noch ein besonders störrisches Layout steckt, ist ein Offline-Betrachter zumindest eine zusätzliche Möglichkeit, den alten Stand anzusehen.