Heute, am 6. November 2026, richtet sich der Blick von der Universität Halle nach Merseburg: Dort ist Nancy Hünger am 4. November im Ständehaus mit dem Walter-Bauer-Preis ausgezeichnet worden. Der Literaturpreis der Städte Merseburg und Leuna wird alle zwei Jahre vergeben und ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Stadträte beider Städte hatten die Vergabe beschlossen.

Die öffentliche Verleihung begann um 19.30 Uhr und war Teil der 16. Saalekreis-Literaturtage. Zugleich gehörte der Festakt zum Walter-Bauer-Gedenkjahr 2025/26. Der Termin war traditionell gewählt: Walter Bauer wurde am 4. November 1904 in Merseburg geboren.

Warnung vor Druck auf die Kultur

In ihrer Ansprache warnte Hünger vor den Folgen rechtsextremer Politik für den Kulturbetrieb. Nach ihren Angaben ist der Kulturbetrieb derzeit zwei Bedrohungen ausgesetzt. Welche beiden Bedrohungen sie im Einzelnen meinte, geht aus dem vorliegenden Artikeltext nicht hervor.

Leuna und Merseburg vergeben den Preis seit 1994 gemeinsam. Er erinnert an Walter Bauer, der zu den deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts zählt, die sich für Menschlichkeit und den europäischen Gedanken einsetzten. Laut Stadt Merseburg gibt es außerdem inhaltliche Berührungspunkte zwischen Bauer und Hünger: Ihre Themen – Liebe, Verlust und Selbstbehauptung – weisen Parallelen zu seinem Werk auf.

Eine Jury hatte die eingereichten Bewerbungen zuvor geprüft. Das von InfraLeuna gestiftete Walter-Bauer-Stipendium geht an Tim Preuß.

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Von Weimar über Gotha nach Tübingen

Nancy Hünger, geboren am 13. Februar 1981 in Weimar, ist deutsche Schriftstellerin. Sie studierte Freie Kunst an der Bauhaus-Universität Weimar und lebte anschließend in Erfurt und Gotha. Heute wohnt sie in Tübingen. Seit Oktober 2022, beziehungsweise seit 2022, leitet sie das Studio Literatur und Theater der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.

Hünger schreibt Lyrik, Prosa und Essays. Sie bezeichnet sich als Schülerin von Gisela Kraft und Wolfgang Hilbig. Ihre Bücher erscheinen in der Dresdner Edition Azur; dort wurden mehrere ihrer Bücher sowie eine CD mit einer Auswahl ihrer Gedichte veröffentlicht.

Zu ihren jüngeren Büchern zählen der Gedichtband „Ein wenig Musik zum Abschied wäre trotzdem nett“ von 2017, der Prosaband „4 Uhr kommt der Hund“ von 2020 und „Wir drehen dem Meer unsere Rücken zu“ aus dem Jahr 2025.

Ihr Weg durch die Literaturszene führte auch über Stadtschreiberstellen in Jena und Tübingen. Von Juli bis Dezember 2011 war sie Stadtschreiberin von Jena und wurde durch das Clara-und-Eduard-Rosenthal-Stipendium gefördert. 2017 wurde sie als neue Stadtschreiberin von Tübingen angekündigt. Dazu kamen Tätigkeiten im kulturellen Leben Thüringens, etwa die Mitarbeit in Schillers Gartenhaus und die Leitung der Weimarer Lyriknacht.

Viele Stipendien, viele Formen

Hünger erhielt 2008 ein Stipendium des Thüringer Kultusministeriums und ein Hermann-Lenz-Stipendium, 2010 folgte ein Stipendium der Kulturstiftung Thüringen. 2012 bekam sie das Förderstipendium Lyrik des Kunstfördervereins Düren. Zwei Auszeichnungen kamen 2014 hinzu: der Publikumspreis beim Wettbewerb um den Menantes-Preis für erotische Literatur in Wandersleben und der Förderpreis des Caroline-Schlegel-Preises in Jena.

Am 26. Juni 2015 überreichte Thüringens Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff ihr das Thüringer Literaturstipendium Harald Gerlach. Außerdem erhielt sie eine Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung und den Förderpreis zum Rainer-Malkowski-Preis. Im Sonderstipendienprogramm „Resilienzen“ der Kulturstiftung Thüringen wurde sie ebenfalls gefördert. 2023 kam der Lyrikpreis der Anke-Bennholdt-Thomsen-Stiftung hinzu.

Hünger ist Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und Mitgründerin des PEN Berlin. Ihre Texte erschienen unter anderem mit „Eine große Bewegung“ in BELLA triste, Nr. 26, auf den Seiten 48–55, sowie in Poesiealbum neu, Ausgaben 1/2012 und 1/2013. 2013 veröffentlichte sie den Beitrag „Die Stunde der Schatten. Zu Wolfgang Hilbig und seiner Erzählung Alte Abdeckerei“ in Hilbigs Bilder, Essays und Aufsätze. 2016 war sie außerdem in der Anthologie all dies hier, Majestät, ist deins – Lyrik im Anthropozän vertreten.

Im Merseburger Ständehaus bekam dieser Weg nun einen weiteren Eintrag. Der Walter-Bauer-Preis wird wieder in zwei Jahren vergeben – so ist es bei dem gemeinsamen Literaturpreis von Leuna und Merseburg vorgesehen.