Am Freitag, 6. November 2026, kann Wuppertals Trainerteam wieder komplett auf der Bank Platz nehmen: WSV-Cheftrainer Ismail Jaroui und Torwarttrainer Philipp Pentke sind beim Heimspiel gegen den TSV Meerbusch zurück. Beide hatten im Pokalspiel bei Germania Ratingen die Rote Karte gesehen und waren jeweils für eine Partie gesperrt. Beim 3:0-Auswärtssieg des WSV beim SV Sonsbeck saßen sie ihre Sperren ab.

Um 19:30 Uhr wird im Stadion am Zoo angepfiffen. Die Ausgangslage ist klar: Fünf Siege in Folge, 15:0 Tore – damit geht der WSV als Favorit in den Abend. Ein weiterer Erfolg soll Rückenwind für das Auswärtsspiel beim KFC Uerdingen am 14. November in der Grotenburg geben. Und nebenbei könnte die Mannschaft in der Tabelle weiter klettern.

Meerbusch zuerst, Krefeld im Blick

Bis zur Winterpause warten noch sechs Spiele. Beginnen soll die Pause nach dem Punktspiel am 20. Dezember bei Germania Ratingen – sofern das Wetter die Partie nicht ausbremst. Der Sportvorstand formuliert den Anspruch, möglichst jede Begegnung zu gewinnen. Auf dem Zettel stehen im Moment aber vor allem Meerbusch und Krefeld. Schritt für Schritt, kein großes Tamtam.

Der Trainingsauftakt im neuen Jahr ist für den 6. Januar vorgesehen. Drei Tage später, am 9. Januar, will der WSV in der Uni-Halle seinen Titel als Hallenstadtmeister verteidigen. Dort wird es erfahrungsgemäß eng, laut und warm – Hallenfußball eben, mit kurzen Wegen und kaum Zeit zum Luftschnappen.

Das Testspielprogramm wird noch abgestimmt. Vier Partien stehen bereits fest, ein oder zwei weitere sollen dazukommen. Geplant ist außerdem ein Test gegen eine Wuppertaler Mannschaft. Weil Profiteams schon früh im Januar wieder um Punkte spielen, der WSV aber erst am 12. Februar gegen Velbert in die Rückrunde startet, sollen die meisten Testspiele gegen Gegner auf ähnlichem Leistungsniveau stattfinden. Zusätzlich liegen Anfragen von Regionalligisten vor.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Kurzes Trainingslager statt Süden

Ein Trainingslager im Süden ist in diesem Winter wahrscheinlich nicht geplant. In den vergangenen Jahren wurde eine solche Reise privat finanziert. Dazu kommt der ganz praktische Haken: Die berufstätigen WSV-Spieler müssten dafür Urlaub nehmen. Statt Kofferpacken und langer Fahrt wird deshalb ein kurzes Trainingslager in Wuppertal erwogen.

Verstärken möchte der Verein seinen Kader noch mit einem offensiven Allrounder. Abgänge werden derzeit nicht erwartet. Nach Angaben des Sportvorstands hat sich bisher kein Spieler mit einem Wechselwunsch gemeldet. Regelmäßige Einsatzzeiten, der gute Zusammenhalt und die Entwicklung der Spieler sprechen aus Vereinssicht für den Verbleib.

Ein Verein mit bewegter Geschichte

Der Wuppertaler SV entstand am 8. Juli 1954 durch die Fusion des SSV 04 Wuppertal aus Elberfeld mit der TSG Vohwinkel 80. Rot und Blau erinnern an diese Herkunft: Rot kommt von den Vohwinklern, Blau von den Elberfeldern. Die Fusion war umstritten; Oberbürgermeister Heinrich Schmeißing wird ein maßgeblicher Beitrag zu ihrem Zustandekommen zugeschrieben.

Vor dem Zweiten Weltkrieg hatten die Vorgängervereine keine herausragenden Erfolge vorzuweisen. Der SSV 04 spielte ab 1936/37 fünf Spielzeiten in der damals höchsten deutschen Spielklasse, der Gauliga Niederrhein. Nach dem Aufstieg hielt sich der Klub zunächst vier Jahre und landete meist im Mittelfeld. 1939/40 folgte mit 6:30 Punkten als Vorletzter der Abstieg, in der nächsten Saison aber der direkte Wiederaufstieg. Danach wurde der SSV Dritter – die beste Vereinsplatzierung, drei Punkte fehlten zur Meisterschaftsendrunde. Damit lag er vor Rot-Weiss Essen und Fortuna Düsseldorf. Wegen der Folgen des Zweiten Weltkriegs konnte der SSV 1942/43 keine Mannschaft mehr stellen und zog sich zurück.

Die TSG Vohwinkel war nach dem Krieg zunächst erfolgreicher. 1946/47 spielte sie in der erstklassigen Bezirksmeisterschaftsrunde Berg-Mark, 1947 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Oberliga West. In den ersten beiden Spielzeiten wurden die Plätze zehn und sieben erreicht, nach drei Jahren stieg Vohwinkel als Tabellen-14. in die 2. Liga West ab. Der SSV schaffte 1948 unter Trainer Fritz Szepan den Sprung in die Zweite Liga, ab 1950 trainierte der frühere Nationalspieler Herbert Pohl die Mannschaft.

Nach der Fusion gewann der Wuppertaler SV 1955 souverän die Zweitligameisterschaft und stieg in die Oberliga West auf. Auf die Plätze zehn und neun folgte 1957/58 Rang 15 – und damit der Abstieg. 1962 gelang unter Trainer Robert „Zapf“ Gebhardt der Wiederaufstieg, erneut wurde der WSV Vorletzter. Im DFB-Pokal 1963 ging es trotzdem bis ins Halbfinale: Vor knapp 40.000 Zuschauern im Stadion am Zoo verlor Wuppertal 0:1 gegen den späteren Pokalsieger Hamburger SV.

Horst Szymaniak spielte von 1955 bis 1959 beim WSV und nahm an den Weltmeisterschaften 1958 und 1962 teil. Bis heute ist er der einzige deutsche A-Nationalspieler aus den Reihen des Vereins. In der Ewigen Tabelle der Oberliga West steht der WSV einschließlich seiner Vorgängervereine auf Platz 20 von 29 Klubs.

Bundesliga, Europapokal und harte Rückschläge

In der zweitklassigen Regionalliga West etablierte sich der WSV sofort in der Spitzengruppe. 1971/72 wurde er mit 60:8 Punkten Meister. Günter „Meister“ Pröpper erzielte 52 der 111 Saisontore – eine Zahl, bei der selbst heutige Torjäger kurz schlucken dürften. In der Bundesliga-Aufstiegsrunde gewann Wuppertal alle acht Spiele, damals eine einmalige Bilanz.

Die Bundesliga-Saison 1972/73 endete mit Platz vier und der Qualifikation für den UEFA-Pokal. Pröpper wurde mit 21 Toren Dritter der Bundesliga-Torschützenliste. Im UEFA-Pokal 1973/74 verlor der WSV das Hinspiel gegen Ruch Chorzów 1:4, gewann das Rückspiel nach einem zwischenzeitlichen 1:3-Rückstand aber noch 5:4. Wegen des Gesamtergebnisses schied Wuppertal trotzdem aus. 13.000 Zuschauer sahen das bislang einzige Europapokalspiel im Stadion am Zoo.

Heinz-Dieter Lömm sicherte am letzten Spieltag 1973/74 mit einem Tor in Stuttgart den Klassenerhalt – dank der besseren Tordifferenz. Ein Jahr später war Schluss: 1974/75 stieg der WSV als Tabellenletzter mit zwölf Punkten in die 2. Bundesliga ab und gilt damit als zweitschlechtester Bundesligaabsteiger. Immerhin gab es am fünften Spieltag dieser Saison einen 3:1-Sieg gegen den FC Bayern München.

Nach dem Abstieg blieb der WSV fünf weitere Jahre zweitklassig. 1976/77 wurde der Wiederaufstieg verpasst, am Ende fehlten drei Punkte auf den Relegationsplatz. Entscheidend war unter anderem ein 1:1 gegen Arminia Bielefeld am 34. von 38 Spieltagen. Danach spielte Wuppertal überwiegend in der dritten Liga, Anfang der 1990er Jahre gelang noch einmal kurzzeitig der Sprung in die 2. Bundesliga.

Um die Jahrtausendwende verbrachte der Verein vier Jahre in der vierten Spielklasse. 1998/99 war der sportliche Klassenerhalt geschafft, wegen nicht gezahlter Berufsgenossenschaftsbeiträge stieg der WSV dennoch ab. 2003 folgte der Aufstieg in die drittklassige Regionalliga Nord. Der Versuch, anschließend in die 2. Bundesliga aufzusteigen, blieb fünf Jahre lang erfolglos.

Neustart, Insolvenz und der Blick auf 2026

2006/07 verspielte der WSV den Aufstieg in den letzten 20 Minuten gegen Kickers Emden. Eine 2:1-Führung kippte in eine 2:4-Niederlage, während gleichzeitig der VfL Osnabrück gewann. 2007/08 wurde der Aufstieg erneut verpasst, immerhin gelang die Qualifikation für die neue eingleisige 3. Liga.

Im DFB-Pokal besiegte Wuppertal den FC Erzgebirge Aue im Elfmeterschießen und Hertha BSC mit 2: