Code Week Hamburg: Jugendliche entwickeln Berufe und Arbeitswelten der Zukunft
Im „Mindspace“, einem früheren Kantinenraum der Stadtteilschule Wilhelmsburg, ging es für eine 8. Klasse nicht um Mathe oder die nächste Klassenarbeit, sondern um die Arbeitswelt der Zukunft. Die Schülerinnen und Schüler diskutierten, was sie gut können, wofür sie sich interessieren und welchen Beruf sie sich vorstellen – und zwar mit Blick auf die nächsten fünf bis zehn Jahre.
Der Zukunftsworkshop war Teil der Code Week Hamburg. In Gruppen entwickelten die Jugendlichen Vorstellungen davon, wie Arbeit künftig aussehen könnte. Eine Gruppe wünschte sich, dass Menschen so lange arbeiten können, wie sie möchten, und nur nach Leistung bezahlt werden. Ein Schüler hielt sich mehrere Wege offen: Aktivist werden, studieren und promovieren oder eine Ausbildung machen und mit Holz arbeiten.
Vom Kfz-Mechaniker bis zur Astronautin
Andere nannten sehr konkrete Wünsche: Kfz-Mechaniker, Flugbegleiterin, Zahnärztin, Ingenieur, Bäcker oder Astronaut. Ein Schüler verband den Beruf des Kfz-Mechanikers mit guten Verdienstmöglichkeiten und dem Ziel, später Multimillionär zu werden. Klarer Plan.
Im zweiten Teil wurden aus den Ideen Prototypen. Die Jugendlichen produzierten Podcasts, Nachrichtensendungen und Stop-Motion-Videos; außerdem entstanden Social-Media-Stellenanzeigen aus der Zukunft. Dafür nutzten sie unter anderem ein Ton- und Filmstudio, einen Green Screen und KI-generierte Bilder. In manchen Szenarien übernahmen Roboter Tätigkeiten – etwa den Brötchenverkauf.
Bildungssenatorin Ksenija Bekeris besuchte den Workshop. Sie ist seit drei Jahren Schirmfrau der Code Week Hamburg und sagte, Kinder und Jugendliche könnten dort technische Möglichkeiten praktisch ausprobieren, eigene Interessen entdecken und mögliche Berufe kennenlernen. Für die Wilhelmsburger Klasse ist nach der Aktionswoche ohnehin nicht Schluss: Im weiteren Schuljahr beschäftigt sie sich wöchentlich mit Berufsorientierung.
Programmieren, tüfteln, ausprobieren
Die Code Week Hamburg findet vom 10. bis 25. Oktober statt. Zum Zeitpunkt des Berichts lief sie noch bis zum 25. Oktober; heute, am 26. Oktober 2026, ist dieser Zeitraum vorbei. Rund 80 Einrichtungen in 40 Hamburger Stadtteilen boten kostenlose, niedrigschwellige Workshops für Schülerinnen und Schüler aller Altersgruppen und Erfahrungsstände an. Die Angebote reichten vom Programmieren über digitale Kompetenzen bis zum Entwickeln von Berufen der Zukunft – sogar Freizeitparks konnten Teilnehmende programmieren.
Veranstaltet wird die Code Week Hamburg von der Körber-Stiftung gemeinsam mit den Bücherhallen Hamburg. Zum Auftakt am 10. Oktober gab es in der Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg eine Maker- und Mitmachmesse. Das Code-Week-Netzwerk bot an mehr als zehn Stationen Aktivitäten an, darunter einen Coding-Hindernisparcours und eine VR-Expedition. Familien, Kinder und Jugendliche konnten dabei schon einmal sehen, was in den folgenden zwei Wochen auf sie zukommt. Die Bücherhallen boten im Rahmen der Code Week mehr als 50 Veranstaltungen an verschiedenen Standorten an.
Auch andernorts wurde kräftig gebaut und programmiert: Schulklassen entwickelten an der Fachhochschule Wedel Roboter und erarbeiteten anschließend gemeinsam mit Studierenden und KI-Tools Geschäftsideen. Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Osterbek in Bramfeld entwarfen digitale und kreative Projekte für ihren Stadtteil und arbeiteten dabei mit Makey Makey, Scratch und EV3. Bei einem Girls-Only-Workshop an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg bauten, gestalteten und programmierten Teilnehmerinnen einen Smart-Regenschirm, der je nach Regenintensität unterschiedlich leuchtet.
Eine europaweite Idee mit Hamburger Ableger
Die europaweite Code Week wurde 2013 von der Europäischen Kommission initiiert. Sie lädt Kinder und Jugendliche zum Tüfteln, Hacken und Programmieren ein. In Deutschland ermöglichen jedes Jahr hunderte Beteiligte Veranstaltungen – darunter Schulen, Unternehmen, Museen, Bildungsinitiativen und Einzelpersonen. Die Code Week Hamburg fand zum elften Mal statt. Die Körber-Stiftung unterstützt neben Hamburg bundesweit 18 weitere regionale Code-Week-Hubs. Das Programm wird laufend aktualisiert und online veröffentlicht.
Damit solche Projekte nicht nur in Aktionswochen auftauchen, gibt es bei Code Week auch Angebote für Lehrkräfte. Bei den Code Week Teachers tauschen sich Lehrkräfte bundesweit virtuell über Discord aus, entwickeln Unterrichtskonzepte mit Coding- und Making-Inhalten und stoßen eigene Projekte an. Dabei vernetzen sie sich mit Initiativen, außerschulischen Lernorten, Bibliotheken und Unternehmen aus dem Code-Week-Netzwerk.
Zum Angebot gehören Tipps und Tricks, Impulse und Ideen, Webinare, Fortbildungen und der Austausch mit engagierten Lehrkräften. Wer bereits Erfahrung im Unterrichten digitaler Technologien hat, kann sich außerdem für die Rolle als Code Week Leading Teacher interessieren. Gesucht werden Lehrkräfte, die sich für digitale Schulentwicklung einsetzen möchten. Die Leading Teacher aus allen teilnehmenden Code-Week-Ländern treffen sich jährlich, sprechen über aktuelle Fragen der digitalen Schulentwicklung und entwickeln dabei unter anderem Unterrichtsmaterialien. Weitere Informationen sind per E-Mail erhältlich.
