Verena Meier: Forschung zu Sinti und Roma im Nationalsozialismus ausgezeichnet
Im Bereich der historischen Forschung wird derzeit eine bahnbrechende Arbeit gewürdigt, die sich intensiv mit den Tragödien und dem Widerstand der Sinti und Roma während des Nationalsozialismus beschäftigt. Verena Meier, die 2024 ihre Dissertation über den Völkermord an Sinti und Roma abgeschlossen hat, wurde kürzlich mit dem Dan-David-Preis ausgezeichnet. Ihre Studie, mit dem Titel „Kriminalpolizei und Völkermord“, beleuchtet die Verfolgung dieser Gruppen am Beispiel Magdeburgs aus einer geschlechterhistorisch differenzierten Perspektive. Dabei verwendet sie Akten aus über 30 Archiven, sowohl in Deutschland als auch international, um die polizeilichen Verfolgungspraktiken und individuellen Verantwortlichkeiten innerhalb der Kriminalpolizei nachzuzeichnen. Dies führt uns zu den brutalen Verfolgungen, die schätzungsweise 100.000 Roma zum Leben kosteten [uni-heidelberg.de].
Meier arbeitet aktuell an der Forschungsstelle Antiziganismus der Universität Heidelberg, wo sie ein Postdoc-Projekt leitet, das die Verflechtungen von Antiziganismus, Antisemitismus und Kolonialrassismus untersucht. Ihr Engagement für die Aufarbeitung dieser Themen geht über die Forschung hinaus: Im Jahr 2017 verfasste sie ein Gutachten zum Thema „Protestantismus und Antiziganismus“ für den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma [fsa.uni-heidelberg.de].
Neue Projekte zur Erforschung des Völkermords
Vom Jahr 2026 bis 2034 wird ein neues Projekt im Rahmen der Deutschen Forschungsgemeinschaft realisiert. Ziel ist die Zusammenführung und Zugänglichmachung von Quellen zur nationalsozialistischen Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma in Europa. Dies beinhaltet die Publikation aller relevanten Schriftstücke aus dem Verwaltungs- und Verfolgungsapparat. Der Fokus liegt dabei auf der Einbeziehung von Quellen aus der Perspektive der Opfer, um das umfassende Bild der rassistischen Stigmatisierung bis hin zu den Morden in den Vernichtungslagern abzubilden. Die geografische Reichweite des Vorhabens erstreckt sich über alle Länder mit deutscher Vorherrschaft sowie deren Verbündeten und neutralen Staaten während des Krieges [wikipedia.org].
Die nationalsozialistische Verfolgung der Sinti und Roma führte zu einem systematischen Völkermord, der lange Zeit im Schatten der Shoa stand. Historische Aufarbeitungen, wie die von Meier und das kommende DFG-Projekt, sind entscheidend, um das Erinnerungsverständnis zu schärfen. Besonders die Erfassung der Roma, die bereits 1937 begann, wurde durch die Verfolgung und Internierung in speziellen „Zigeunerlagern“ brutal vorangetrieben, um diese Menschen für die spätere Deportation vorzubereiten. Viele von ihnen landeten im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, wo die Haftbedingungen mörderisch waren und viele nicht überlebten [uni-heidelberg.de].
Es ist bemerkenswert, dass der Widerstand gegen diese grausame Politik zwar existierte, jedoch oft als erfolglos betrachtet wird, da die Nationalsozialisten systematisch alle Kritiker und Überlebenden zum Schweigen brachten. In der Nachkriegszeit blieben viele Verbrechen lange Zeit unerkannt und unbestraft, und die Anerkennung des Völkermords an den Roma begann erst in den 1980er Jahren. In Deutschland stehen mittlerweile rund hundert Gedenkorte für die von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Sinti und Roma zur Verfügung, doch die Erinnerungskultur zur Verfolgung dieser Gruppen ist im Vergleich zur Erinnerung an die jüdische Minderheit noch nicht auf einem ähnlichen Niveau [wikipedia.org].
