An der Universität Kiel startet ein neues Netzwerk für den wissenschaftlichen Mittelbau der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät. WiSo*net soll vor allem Frauen und gender-diverse Personen sichtbarer machen und ihnen Raum geben, sich auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und sich gegenseitig den Rücken freizuhalten.

Das Auftakttreffen findet am 4. November 2026 von 14 bis 17 Uhr im HHP5, Raum 03.001 (Fachbibliothek), statt. Eingeladen sind alle Frauen und gender-diversen Personen des wissenschaftlichen Mittelbaus der WiSo-Fakultät. Je nach Bedarf wird die Veranstaltung auf Deutsch oder Englisch durchgeführt.

Netzwerk zwischen Promotion und Dauerstelle

Im Mittelpunkt stehen die kollegiale Vernetzung untereinander und der Kontakt zu Professorinnen der Fakultät. Geplant sind außerdem informeller Austausch und gegenseitige Ermutigung – gerade für Menschen, die sich in einer Qualifikationsphase befinden, auf dem Weg zur Professur sind oder eine andere akademische Rolle anstreben. Die Unterstützung reicht dabei von der Promotion bis zur Dauerstelle.

Zum Programm gehören eine kurze Vorstellung der Gleichstellungs- und Diversitätsarbeit an der Fakultät sowie Erfahrungsberichte von Prof. Dr. Catherine Cleophas und Prof. Dr. Ulrike Kornek. Danach geht es bei kostenlosen Snacks und Getränken in Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen. Kein steifes Podium, eher ein Termin, bei dem man hoffentlich mit Namen, Ideen und vielleicht einer neuen Telefonnummer nach Hause geht.

Eine unverbindliche Anmeldung ist über den Terminplaner möglich. Fragen können an Prof. Dr. Claudia Buengeler oder eine ihrer Stellvertreterinnen beziehungsweise Stellvertreter gerichtet werden.

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Vernetzung braucht mehr als einen Kalendertermin

Wie unterschiedlich die Ausgangslagen in der Wissenschaft sein können, zeigen Angebote anderer Hochschulen. An der Universität Duisburg-Essen gibt es etwa englischsprachige Vernetzungsangebote für internationale Wissenschaftler:innen, die bei Qualifizierung, Information und Vernetzung häufig auf sprachliche Hürden stoßen. In der Workshopreihe „(Home) Training Days“ und bei den Angeboten der Research Academy Ruhr sind regelmäßig englischsprachige Formate vorgesehen; zusätzlich gibt es speziell auf internationale Wissenschaftler:innen zugeschnittene Veranstaltungen.

Auch für Menschen, die als Erste in ihrer Familie promovieren, werden eigene Formate angeboten. Die Regeln und Strukturen der Wissenschaft können für Erstakademiker:innen zunächst fremd und schwer überschaubar wirken – spannend ist dieser Weg trotzdem, nur eben nicht immer leicht. Unterstützung gibt es deshalb bei konkreten Fragen und Herausforderungen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist Mental Health. Komplexe Anforderungen und befristete Arbeitsverhältnisse können Wissenschaftler:innen psychisch belasten. Vermittelt werden Strategien und Maßnahmen gegen Stress sowie Zeit- und Leistungsdruck; zum Angebot gehören Coaching und Beratung ebenso wie regelmäßige Workshops.

Für Promotionsinteressierte, Promovierende und Promotionsbetreuende gibt es außerdem Informationen zum Promovieren mit Behinderung und chronischen Erkrankungen. Menschen erleben das Leben mit einer Behinderung oder chronischen Erkrankung unterschiedlich, strukturelle Hürden bestehen jedoch häufig unabhängig von der jeweiligen Beeinträchtigung. Die Angebote verweisen auf Interessenvertretungen und Beratungsmöglichkeiten an der Universität Duisburg-Essen, informieren über aktuelle Hinweise zum Austauschformat und verlinken auf das Portal „Promotion inklusive“ der Universität zu Köln mit praxisbezogenen Informationen für Promovierende und Promotionsbetreuungen.

Der lange Weg zur Professur

Warum solche Netzwerke relevant sind, lässt sich auch an den Zahlen ablesen. Der Frauenanteil bei Professuren in Deutschland liegt aktuell bei 27 Prozent und nimmt mit steigender Karrierestufe ab. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es Ende 2023 an deutschen Hochschulen 51.900 hauptberufliche Professuren; 29 Prozent davon waren mit Frauen besetzt. Im Vorjahr waren es 28 Prozent.

Zwischen den Fächergruppen klaffen deutliche Unterschiede: In den Geisteswissenschaften lag der Frauenanteil bei Professuren bei 43 Prozent, in den Kunstwissenschaften bei 38 Prozent und in den Ingenieurwissenschaften bei 16 Prozent.

Langfristig ist der Anteil gestiegen: 2003 lag er bei 13 Prozent, 2013 bei 21 Prozent und 2023 bei 29 Prozent. Gleichzeitig wird der Knick entlang der akademischen Laufbahn sichtbar. Im Wintersemester 2023/2024 waren 52 Prozent der Studienanfänger:innen Frauen. Bei den erfolgreichen Studienabschlüssen im Prüfungsjahr 2023, ohne Promotionen, lag der Anteil bei 53 Prozent, bei den abgeschlossenen Promotionen 2023 bei 46 Prozent, bei den Habilitationen bei 37 Prozent und bei den hauptberuflichen Professuren Ende 2023 schließlich bei 29 Prozent.

Weitere Daten veröffentlicht das Statistische Bundesamt auf der Themenseite „Hochschulen“ sowie in den GENESIS-Online-Tabellen 21311. Seit dem 5. November 2024 gibt es für GENESIS-Online eine neue Benutzeroberfläche; unter anderem wurden das CSV- und das Tabellendownload-Format geändert.