Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist erneut mit ihrer Bewerbung um den Titel „Exzellenzuniversität“ gescheitert. Der Wissenschaftsrat teilte die Entscheidung am Nachmittag in Bonn mit. Für die Universität an der Ostsee ist das ein Rückschlag – und zugleich das Ende eines Verfahrens, das mit großen Plänen verbunden war.

In ihrer Bewerbung hatte die CAU ihre besondere Lage an der Ostsee in den Mittelpunkt gestellt. Viele soziale, politische und ökologische Probleme der Welt ließen sich in der Ostseeregion besonders deutlich beobachten, hatte die Universität vorab erklärt. Daraus sollte ein Profil mit internationaler Strahlkraft entstehen.

Die Ostsee als „Baltic Hub“

Die Bewerbung mit dem Titel „Connecting Horizons. From the Baltic Perspective to Global Impact“ reichte die CAU am 12. November 2025 beim Wissenschaftsrat ein. Damit begann die entscheidende Phase im bundesweiten Wettbewerb um den Status einer Exzellenzuniversität. Eine Entscheidung wurde zwischen September und Oktober 2026 erwartet; als voraussichtlicher Zeitpunkt galt Anfang Oktober. Heute, am 2. Oktober 2026, ist sie gefallen.

Die Universität wollte ihre Lage und Geschichte im Ostseeraum nutzen, um sich als „Baltic Hub“ für Spitzenforschung, Innovation und gesellschaftliche Verantwortung weiterzuentwickeln. Im Zentrum standen Klimaveränderungen, Gesundheit, der Erhalt der Demokratie und Sicherheit. Der Ostseeraum sollte dabei als Reallabor dienen – und als Verbindung zwischen wissenschaftlichen Disziplinen, Institutionen und gesellschaftlichen Akteuren.

Die Idee dahinter: regionale Herausforderungen bearbeiten und daraus Ansätze mit überregionaler beziehungsweise globaler Wirkung entwickeln. Dafür umfasste der Antrag fünf miteinander verbundene Initiativen:

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  • Baltic DenkRaum Programme: Der interdisziplinäre DenkRaum sollte zu einer internationalen Plattform für gemeinsame Lösungen zu Fragen des Ostseeraums ausgebaut werden.
  • Connecting Professorships Scheme: Geplant waren neue Professuren an Schnittstellen zwischen Forschungsschwerpunkten, orientiert am Modell der Schleswig-Holstein Excellence Chairs.
  • Co-Creation Platform for Educational Renewal: Die Lehre sollte durch forschendes Lernen, ethische Reflexion und digitale Innovation in den Curricula weiterentwickelt werden.
  • Pathways with Society Initiative: Das Kieler Schlossgartenareal mit universitären Sammlungen und Museen sollte zu einer Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft werden. In der Seeburg an der Kiellinie war außerdem ein Transferhub vorgesehen, der Wissen und Ideen zwischen Kiel und dem Ostseeraum vermittelt.
  • Foundational Talent Framework: Ein strukturiertes Programm für Personal- und Nachwuchsförderung sollte Weiterbildung, Austausch und Mentoring für Talente in Wissenschaft und Verwaltung verbinden.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther unterstützte den Antrag politisch und finanziell. Im Erfolgsfall hätte das Land den Landesanteil von 25 Prozent der Fördersumme übernommen – gemäß der Vereinbarung zwischen Bund und Ländern.

Millionenförderung und lange Vorbereitung

Exzellenzuniversitäten erhalten jährlich bis zu 15 Millionen Euro Fördergelder. Bei einer Bewilligung hätte die CAU diese Summe bis 2033 für die beantragten Maßnahmen erhalten können. Der Titel soll Hochschulen außerdem für Forschende und Studierende attraktiver machen. Die CAU hatte sich bereits 2018 um die Auszeichnung beworben.

Seit rund zwei Jahrzehnten arbeitet die Universität an ihrer Profilbildung und wissenschaftlichen Weiterentwicklung. Forschungsschwerpunkte wurden geschärft, neue Forschungsfelder erschlossen und Strukturen für die Verbindung von Spitzenforschung, Lehre und Transfer geschaffen. Im Mai 2025 beschloss die Deutsche Forschungsgemeinschaft die Weiterförderung der beiden CAU-Exzellenzcluster bis 2032: „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) und „ROOTS – Konnektivität von Gesellschaft, Umwelt und Kultur in vergangenen Welten“.

Damit erfüllte die CAU die Voraussetzungen für die Bewerbung als Exzellenzuniversität. Der Antrag entstand in einem offenen, partizipativen Prozess mit ausgewiesenen Expertinnen und Experten, externer Beratung und universitären Gremien. Der Senat unterstützte die Antragstellung einstimmig. Anfang Mai 2026 besuchte zudem eine Delegation des Wissenschaftsrats den Kieler Campus.

Ein Wettbewerb mit eigenem System

Die Exzellenzstrategie, kurz ExStra, soll wissenschaftliche Spitzenleistungen fördern, Profilbildungen und Kooperationen im Wissenschaftssystem unterstützen, die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stärken und die Leistungsspitzen in der Forschung sowie die Qualität des Hochschul- und Wissenschaftsstandorts insgesamt verbessern.

Das dauerhaft angelegte Förderprogramm von Bund und Ländern besteht aus zwei Förderlinien. Über die Exzellenzcluster werden international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an deutschen Universitäten und Universitätsverbünden gefördert. Die Förderlinie Exzellenzuniversitäten sieht eine dauerhafte institutionelle Förderung erfolgreicher Universitäten und Verbünde auf Grundlage ihrer Exzellenzcluster vor.

Seit Januar 2026 werden 40 Exzellenzcluster an 43 deutschen Universitäten gefördert. Zuständig für diese Förderlinie ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Seit 2019 werden außerdem zehn Universitäten und ein Universitätsverbund als Exzellenzstandorte gefördert. Über die Förderlinie Exzellenzuniversitäten wacht der Wissenschaftsrat (WR).

Das Verfahren umfasst die Evaluation der bislang geförderten Exzellenzuniversitäten und des Exzellenzverbunds sowie ein Neuausschreibungsverfahren für antragstellende Universitäten und Universitätsverbünde. Am 2. Oktober 2026 werden neue Universitäten und Universitätsverbünde als Exzellenzstandorte ausgewählt und künftig gefördert. Für die CAU ist dieser Tag nun ohne den erhofften Titel vergangen.

Finanziell geht es um viel: Die Förderung von Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten beträgt derzeit jährlich 533 Millionen Euro. Ab 2026 steigt das Gesamtbudget auf 687 Millionen Euro pro Jahr.

Gestaltet wird das Förderprogramm vom Committee of Experts, das die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) eingesetzt hat. Ihm gehören 39 Personen aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten an – mit ausgewiesener Forschungserfahrung sowie langjähriger Erfahrung unter anderem im Ausland, im Hochschulmanagement, in der Lehre oder in der Wirtschaft. Vorgeschlagen werden die Mitglieder der GWK gemeinsam vom DFG-Senat und der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrats.

Über die Förderanträge entscheidet in beiden Förderlinien die Exzellenzkommission. Sie besteht aus dem Committee of Experts sowie den für Wissenschaft zuständigen Ministerinnen und Ministern des Bundes und der Länder. Grundlage der Exzellenzstrategie ist eine Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern. Weitere Informationen zum Programm und zu den aktuell geförderten Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten stehen auf www.exzellenzstrategie.de.