Die Atacama-Wüste in Chile, bekannt als eine der trockensten Regionen der Erde, hat in einer neuen Studie von Wissenschaftler:innen der Universität zu Köln, des Scottish Universities Environmental Research Centre und der Goethe-Universität Frankfurt eine überraschende historische Wende erfahren. Die durch die Studie gewonnenen Erkenntnisse zeigen, dass die extreme Trockenheit der Atacama-Wüste bereits vor etwa 45 Millionen Jahren begann, was 20 Millionen Jahre früher ist, als bisher angenommen.[uni-koeln.de] Diese Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht.
Bisherige Theorien datierten den Beginn der Trockenheit auf das frühe bis mittlere Miozän (vor etwa 10 bis 20 Millionen Jahren). Doch die neue Methodik überraschte die Forscher:innen: Sie verwendeten eine Datierungsmethode mit kosmogener Nuklide zur Analyse von Quarzklasten, die in der Coastal Cordillera, einem Gebirgszug zwischen dem Pazifik und den Anden, gesammelt wurden. In insgesamt 135 Proben konnten die Forschenden die höchsten jemals gemessenen Konzentrationen von 21Ne nachweisen, was darauf hindeutet, dass die Gerölle seit Millionen von Jahren unverändert an der Erdoberfläche liegen.[clearskyscience.com]
Die Gründe hinter der Trockenheit
Ein entscheidender Faktor für die Entwicklung der hyperariden Bedingungen in der Atacama war die globale Abkühlung, die auf das frühe Eozän-Klimaoptimum (EECO) folgte. Diese Kälte führte unter anderem zur Hebung der Anden und zum Einfluss des Humboldtstroms, die beide die vorhandenen schon trockenen Bedingungen intensivierten. Die Forschung verdeutlicht zudem, dass die Trockenheit in der Atacama ungleichmäßig verlief, was die Bedeutung der räumlichen Variabilität für die Klimaentwicklung unterstreicht.
Zudem lässt sich an den gefundenen Mineralienspuren in den Quarzgeröllen ablesen, dass bestimmte Bereiche der Wüste seit 20 bis 40 Millionen Jahren, einige sogar seit bis zu 60 Millionen Jahren an der Oberfläche existieren. Diese Erkenntnisse erweitern unser Verständnis darüber, wie lange wasserlimitierte Bedingungen bereits bestehen und wie sie mit globalen Klimaveränderungen verknüpft sind.[uni-koeln.de]
Ein langfristiger Ausblick
Diese Studie ist nicht nur ein bedeutender Schritt in der paläoklimatischen Forschung, sondern auch Teil des Sonderforschungsbereichs 1211 an der Universität zu Köln, welcher die Entwicklung von Leben und Prozessen unter extremer Wasserknappheit untersucht. Sie bietet einen langfristigen klimatischen Rahmen für wasserarme Regionen und analysiert die Wechselwirkungen zwischen Klima, Erdoberflächenprozessen und Leben.
Besonders wird auch die Identifikation von Schwellenwerten der biologischen Besiedlung und Kipppunkten in den Erdoberflächenprozessen betont. Damit setzt diese Forschung neue Maßstäbe für die Untersuchung der langfristigen Landschaftsstabilität und klimatischen Entwicklungen in extrem trockenen Gebieten, was für viele Gebiete auf der Erde von Bedeutung sein könnte.