Heute, am 3. November 2026, entscheidet sich in den USA, wie viel politischer Spielraum Donald Trump in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit bleibt. Bei den Midterms steht der Präsident selbst nicht auf dem Stimmzettel. Trotzdem gelten die Zwischenwahlen als Zwischenzeugnis für seine Amtsführung – und als möglicher Stimmungstest für das Weiße Haus.

Alle Sitze im Repräsentantenhaus und etwa ein Drittel der Senatssitze werden neu vergeben. Beide Kammern bilden den US-Kongress. In den Umfragen liefern sich Demokraten und Republikaner ein Kopf-an-Kopf-Rennen; andere Erhebungen sehen die oppositionellen Demokraten vorn. Zugleich warnen die Institute, ihre Zahlen seien nur eingeschränkt aussagekräftig.

Keine ganz normale „lahme Ente“

Üblicherweise gilt ein Präsident nach dem Verlust der Mehrheit in einer oder beiden Kongresskammern als „lahme Ente“. Seine politische Durchsetzungskraft sinkt. Ronald Reagan erlebte das 1986, George W. Bush 2006 und Barack Obama 2014.

Bei Trump rechnen Beobachter allerdings nicht mit einem klassischen Machtverlust. Der Politikwissenschaftler Thomas Jäger von der Universität Köln sagt, Trump habe schon in den vergangenen zwei Jahren weitgehend ohne den Kongress regiert. Gewinnt er, werde er selbstbewusster weitermachen. Verliert er, könnte er innenpolitisch aggressiver und weniger gebunden handeln – eher Umleitung als Stillstand.

Hillary Clinton, die demokratische Präsidentschaftskandidatin von 2016, warnte in der ABC-Sendung „The View“: Sollten die Demokraten Repräsentantenhaus und Senat gewinnen, könnte Trump sich in die Enge getrieben und wütend fühlen und „um sich schlagen“.

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Eine demokratische Mehrheit könnte zwar Gesetze verabschieden. Trump könnte sie aber per Veto blockieren und sich dabei auf die nationale Sicherheit berufen. Der Artikel verweist auf sein Vorgehen bei Zöllen und seinen Widerstand gegen ein Urteil des Obersten Gerichts. Neu wäre für die Demokraten vor allem die Möglichkeit, Untersuchungsausschüsse einzusetzen – etwa zu Korruption, dem Iran-Krieg und den Zöllen. Diese könnten Trumps Amtszeit politisch aufarbeiten, seine Regierungsführung praktisch aber nur begrenzt verändern.

Warum die Präsidentenpartei fast immer Federn lässt

Seit fast 200 Jahren verliert die Partei des amtierenden Präsidenten bei Zwischenwahlen meist Sitze im Kongress, sagt der Politikwissenschaftler Nick Beauchamp. Seit 1978 geschah das bei elf von zwölf Midterm-Wahlen im Repräsentantenhaus. Der politische Vertrauensvorschuss eines neuen Präsidenten nutzt sich ab, unzufriedene Wähler sind bei Zwischenwahlen besonders mobilisiert, während Anhänger der Regierungspartei eher zu Hause bleiben – etwa wenn Ziele teilweise erreicht oder Erwartungen enttäuscht wurden.

Bei einer Präsidentschaftswahl zieht der Spitzenkandidat zusätzliche Wähler an. Zwei Jahre später bleiben manche von ihnen daheim. Andere wollen die Macht der Partei im Weißen Haus ausbalancieren oder die Regierung wegen der wirtschaftlichen Lage und ihrer Politik abstrafen. Inflation, Arbeitslosigkeit und sinkende Kaufkraft werden der Regierung zugerechnet, auch wenn sie die Probleme nicht vollständig selbst verursacht hat.

Wie heftig die Verluste ausfallen, ist offen. 2010 gewannen die Republikaner unter Barack Obama 63 Sitze im Repräsentantenhaus. 2018 verloren Trumps Republikaner 41 Sitze, woraufhin die Demokraten das Repräsentantenhaus übernahmen und Trumps Regierung die politische Arbeit erschwerten. Auch Barack Obama hatte 2014 eine solche Niederlage erlebt.

Es gibt allerdings Ausnahmen. 1998 gewannen Bill Clintons Demokraten vier Sitze im Repräsentantenhaus hinzu. Clintons Zustimmungswerte blieben trotz der Lewinsky-Affäre hoch, die Wirtschaft lief gut, und der republikanische Versuch, ihn aus dem Amt zu entfernen, fand keine breite Unterstützung. 2002 legten George W. Bushs Republikaner um acht Sitze zu. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hatte Bush außergewöhnlich hohe Zustimmungswerte; sein sicherheitspolitischer Kurs prägte die Wahl.

Im Senat ist das Muster weniger zuverlässig, weil dort jeweils nur ungefähr ein Drittel der Sitze zur Wahl steht. Trumps niedrige Zustimmungswerte und die schlechte Verbraucherstimmung könnten laut Beauchamp für größere republikanische Verluste sprechen. Die derzeit knappe republikanische Mehrheit könnte den Schaden allerdings begrenzen: Parteien mit großen Mehrheiten verlieren häufig mehr Sitze.

Texas als Nerventest

Der politische Berater Lucas Holtz vergleicht die Lage mit den Midterms 2006. Damals belasteten der Irak-Krieg, Korruptionsaffären sowie Sorgen über Wirtschaft und Benzinpreise die Republikaner unter George W. Bush. Die Demokraten gewannen Sitze und übernahmen die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Heute sieht Holtz ähnliche Risiken – Trumps niedrige Zustimmungswerte und hohe Lebenshaltungskosten.

Politstratege Nico Lange schaut besonders nach Texas. Im Senatsrennen liegen Trumps Kandidat Ken Paxton und der Demokrat James Talarico laut Artikel Kopf an Kopf. Ein demokratischer Sieg dort wäre für Trump ein erheblicher Rückschlag. Weitere Republikaner könnten sich dann von ihm distanzieren.

Die Demokraten könnten Trump mit Untersuchungsausschüssen unter Druck setzen, Akten anfordern und Vorgänge öffentlich machen. Regieren würde das Land dadurch nicht automatisch leichter. Ein Veto bleibt ein Veto, und Trump hat in den vergangenen zwei Jahren gezeigt, dass er politische Grenzen gern dehnt.

Ein Warnsignal, keine Vorentscheidung

Ein Erfolg der Demokraten am 3. November entscheidet die Präsidentschaftswahl 2028 nicht vor. 1994 gewannen die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus, doch Bill Clinton wurde 1996 wiedergewählt. Barack Obama gewann 2012 erneut, obwohl die Demokraten 2010 ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verloren hatten.

Wähler können Trump heute politisch ausbremsen und bei der Präsidentschaftswahl 2028 trotzdem wieder für die republikanische Partei stimmen. Für Trump und seine Republikaner wäre ein Verlust dennoch ein Warnsignal, für die Demokraten keine Garantie für einen späteren Wahlsieg.

Die Geschichte liefert dafür reichlich Anschauungsmaterial: Zwischenwahlen bewerten die Politik des Präsidenten, mobilisieren die Opposition und bieten ihr traditionell die Chance, die Macht des Weißen Hauses zu begrenzen. Für Trump bedeutet das historische Muster keine zwangsläufige Niederlage. Es erklärt aber, warum seine Partei an diesem Wahltag unter besonderem Rechtfertigungsdruck steht – auch hier an der Uni Köln, wo der Blick heute ständig zum Handy wandert.