Heute, am 5.11.2026, wirkt die Nachricht aus Washington bis an die Uni Köln heran: Die Demokraten haben bei den US-Zwischenwahlen beide Kammern des Parlaments gewonnen. In deutschen Hörsälen und an den Märkten sorgt das trotzdem nicht für große Erleichterung. Politikwissenschaftler, Ökonomen und Beobachter erwarten von Donald Trump keine Mäßigung. Eher das Gegenteil: Der Präsident könnte künftig aggressiver und unberechenbarer handeln.

Außenpolitikexperte Thomas Jäger sagt, Trump sei niemand, der aus Fehlern lerne. Der Krieg gegen den Iran sei bislang weitgehend impulsiv entschieden worden, freiwillig werde Trump seine Außenpolitik voraussichtlich nicht ändern. Vor der Wahl war in Washington über eine Wiederaufnahme der US-Angriffe auf Iran spekuliert worden. Israel und die Golfstaaten drängen Trump, das Regime in Teheran militärisch zu schwächen. Der Präsident erklärte der „Financial Times“ allerdings, er plane keinen unmittelbaren Angriff. In den laufenden diplomatischen Gesprächen werde offenbar vieles erreicht, was die USA wollten.

Ein Wahlsieg mit kurzen außenpolitischen Leinen

In der Außen- und Verteidigungspolitik verfügt der US-Präsident weiterhin über weitreichende Befugnisse. Der Einfluss der Demokraten bleibt dort also begrenzt. Sicherheitsfachmann Carlo Masala hält den Wahlsieg mit Blick auf Außen- und Verteidigungspolitik deshalb nicht zwingend für vorteilhaft. Trump könnte die Unterstützung für Kiew kürzen, um sein Versprechen eines Endes des Ukrainekriegs einzulösen.

Auch seine Zollpolitik gegenüber Europa und China können die Demokraten nicht grundsätzlich stoppen. Moritz Schularick vom Institut für Weltwirtschaft erwartet zwar einen etwas kleineren Handlungsspielraum Trumps in der Handels- und Chinapolitik, aber keine radikale Kehrtwende. Die USA dürften nicht zum Freihandel zurückkehren. Deutsche Exporteure müssen weiter mit US-Einfuhrbeschränkungen rechnen – keine Nachricht, bei der in den Exportabteilungen der Kaffee besser schmeckt.

Schularick rechnet zugleich damit, dass republikanische Abgeordnete nach der Wahlniederlage Druck auf Trump ausüben: Der Iran-Krieg soll enden, die Benzinpreise sollen sinken. In den USA waren die Treibstoffpreise wegen der Angriffe auf Iran und der Blockade der Straße von Hormus deutlich gestiegen. Meldungen über eine Annäherung der Kriegsparteien ließen den Ölpreis zuletzt zwar fallen, Öl und Gas blieben aber teuer. Eine neue Eskalation könnte die Energiepreise wieder nach oben treiben – und wäre dann auch an deutschen Tankstellen zu spüren.

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Für das kommende Jahr erwartet LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer außerdem einen Konflikt über die Anhebung der US-Schuldenobergrenze. Die Demokraten könnten ihre Mehrheit nutzen, um Trump Zugeständnisse abzuringen, die dieser voraussichtlich nicht machen will. Eine politische Blockade könnte laut Kraemer zu einer technischen Zahlungsunfähigkeit der USA führen und weltweite Finanzmarktturbulenzen auslösen. In den vergangenen Jahren war dieses Risiko durch Streit zwischen Republikanern und Demokraten mehrfach bedrohlich nähergerückt.

Der Krieg, der an der Zapfsäule beginnt

Dass Außenpolitik bei diesen Zwischenwahlen stärker durchschlägt als früher, hat mit dem Alltag zu tun. Trumps Krieg gegen Iran, steigende Lebenshaltungskosten, die wachsende Ablehnung kostspieliger Auslandskriege und ein Generationenwandel in der Haltung zur US-Israel-Politik liegen diesmal übereinander wie zu schwere Schichten. Internationale Ereignisse landen direkt im Portemonnaie.

2022 war das anders. Die Pandemie klang ab, Reiseverkehr und Tourismus erholten sich, die wirtschaftliche Erholung in den USA ging voran. Russlands Invasion der Ukraine spielte im Wahlkampf nur eine geringe Rolle. Rund zwei Drittel der US-Bevölkerung unterstützten damals Militärhilfe für die Ukraine; weil diese Haltung parteiübergreifend verbreitet war, beeinflusste sie die Wahlentscheidung nur begrenzt.

2026 bleiben Wirtschaft und hohe Lebenshaltungskosten die wichtigsten Themen. Der Iran-Krieg hat jedoch die globalen Energiemärkte erschüttert. Benzinpreise stiegen auf Rekordhöhen, höhere Transportkosten verteuern weitere Waren und Dienstleistungen, das bestehende Inflationsproblem verschärft sich. Die Arbeitsmarktlage bleibt uneinheitlich. Engpässe bei Düngemitteln könnten sich erst 2027 stärker bemerkbar machen.

Demokratische und progressive Politiker greifen deshalb verstärkt die finanziellen Alltagssorgen der Wähler auf. Ein Schwerpunkt ist die „Bezahlbarkeit des Alltags“, unter anderem nach dem Vorbild des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani. Wahlkampfkandidaten dürften wirtschaftliche Themen mit internationalen Entwicklungen verbinden: der Preis an der Tankstelle, die Rechnung im Supermarkt, der Krieg weit weg – und doch ziemlich nah.

Die Beziehungen zwischen Iran und den USA sind seit der iranischen Revolution 1979 von Gegnerschaft geprägt. Formelle diplomatische Beziehungen gibt es nicht. Washington unterhält ein umfassendes Sanktionsregime. Gestritten wird über Irans Raketen- und Atomprogramm, die Unterstützung bewaffneter Gruppen in der Region, Menschenrechtsverletzungen, die Zusammenarbeit mit Russland und China sowie Angriffe auf US-Verbündete, insbesondere Israel.

Für Trump ist Iran außenpolitisch und mit Blick auf sein politisches Vermächtnis besonders wichtig. In seiner ersten Amtszeit vermied er trotz kriegsbefürwortender Berater knapp einen Krieg. In der zweiten zeigte er eine größere Bereitschaft zum Einsatz militärischer Gewalt. US-Angriffe auf iranische Nuklearanlagen im Juni 2025 dauerten zwölf Tage. Sie schwächten Irans nukleare Fähigkeiten, beendeten dessen nukleare Ambitionen aber nicht.

Eine US-Operation in Venezuela im Januar 2026, bei der Nicolás Maduro gefangen genommen wurde, bestärkte Trump in seiner militärischen Handlungsbereitschaft. Auf Druck des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu begannen die USA im Februar 2026 den Krieg gegen Iran. Weil die Dringlichkeit eines militärischen Eingreifens umstritten war, wird er als bewusste Entscheidung der Trump-Regierung beschrieben. Damit brach Trump sein Versprechen, keinen weiteren langwierigen Auslandskrieg zu beginnen.

Die Rechnung ist lang: zivile Opfer, weltweite wirtschaftliche Verwerfungen, eine Schwächung der Normen der Kriegsführung und ein hoher Verbrauch US-amerikanischer Militärbestände. Die Zustimmung in der US-Bevölkerung war von Beginn an gering – niedriger als bei allen anderen von Gallup seit den 1980er-Jahren erfassten US-Auslandseinsätzen. Selbst die anfängliche Unterstützung für die Kriege im Irak und in Afghanistan war größer.

Als Gründe gelten die unzureichende Kommunikation der Regierung, unklare Kriegsziele, fehlende langfristige Pläne für Iran und die Region, Berichte über Missstände auf US-Flugzeugträgern und der Tod US-amerikanischer Soldaten. Im weiteren Verlauf blieb offen, ob der Einsatz iranische prodemokratische Demonstranten unterstützen sollte, ob die Zustimmung des Kongresses erforderlich war und wie lange der Krieg dauern sollte. Viel Nebel, sehr viel Geld.

Besonders schwer wog die Sperrung der Straße von Hormus. Über die Meerenge laufen etwa 20 Prozent der weltweiten Öltransporte sowie Düngemittel und Flüssigerdgas. Japan und Südkorea beziehen rund 80 Prozent ihres Öls über diese Route. Laut Artikel belaufen sich die Kriegskosten für US-Steuerzahler auf etwa 38 Milliarden US-Dollar. Verteidigungsminister Pete Hegseth beantragte beim Kongress weitere 67 Milliarden US-Dollar, unter anderem zur Auffüllung der Munitionsbestände.

Wegen der hohen heimischen Ölproduktion sind die Folgen für die USA geringer als für viele andere Länder. Trotzdem tragen US-Verbraucher einen erheblichen Teil der Belastungen. Kurzfristig schossen die Benzinpreise auf Rekordniveau, langfristige Folgen für US-Haushalte sind bislang begrenzter sichtbar.

MAGA, junge Wähler und die Israel-Frage

Der Krieg kostet Trump Unterstützung innerhalb der MAGA-Bewegung. Viele seiner Anhänger lehnen Auslandskonflikte grundsätzlich ab. Der Anteil der MAGA-Anhänger, die den Krieg trotz seiner Kosten für lohnend hielten, sank zwischen Mai und Juli von etwa 50 auf rund 33 Prozent. Trumps Umgang mit der Wirtschaft bewerten nur etwa 30 Prozent der Erwachsenen positiv; der Krieg gilt als ein wesentlicher Grund. Im November können die Wähler ihre Haltung zum Einsatz und zu seinen wirtschaftlichen Folgen ausdrücken.

Auch die Demokratische Partei ist außenpolitisch nicht gerade ein gemütlicher Kaffeeklatsch. Sie ist zwischen einem progressiven Lager und dem zentristischen Establishment gespalten. Außenpolit