In einer Woche wird es im Senatssaal der Naturwissenschaftlichen Fakultät um Arthur Schopenhauer gehen – und später um Blues. Die Schopenhauer-Forschungsstelle der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) feiert am 24. Oktober 2026 ihr 25-jähriges Bestehen. Die öffentliche Jubiläumsveranstaltung beginnt um 15 Uhr. Vorgesehen sind kurze Redebeiträge, eine Posterausstellung und ein Empfang.

Um 18 Uhr wechselt der Schauplatz in den Hörsaal „Muschel“: Dort tritt die Band „Blues Bites“ auf. Bereits am 23. Oktober 2026 findet im Senatssaal das 12. Internationale Doktorandenkolloquium der Forschungsstelle statt. Alle genannten Veranstaltungen sind öffentlich, der Eintritt ist frei.

Eine Forschungsstelle mit langer Spur

Gegründet wurde die Forschungsstelle von Prof. Dr. Matthias Koßler; 2001 wurde sie als wissenschaftliche Einrichtung der JGU institutionalisiert. Im Juli 2001 geschah das in Kooperation mit und mit maßgeblicher Unterstützung der Schopenhauer-Gesellschaft e. V. Koßler ist Professor am Philosophischen Seminar der JGU, Präsident der Schopenhauer-Gesellschaft und internationaler Schopenhauer-Forscher. Außerdem ist er Gründer und Leiter der Forschungsstelle.

Die Einrichtung gehört zum Philosophischen Seminar der Universität Mainz und steht für die wiederbelebte Schopenhauer-Forschung. In den 1980er-Jahren wurde diese Forschung dort von Rudolf Malter (1937–1994) vertreten. 2021 feierte die Forschungsstelle ihr 20-jähriges Bestehen; nun folgt, ziemlich genau fünf Jahre später, das nächste runde Jubiläum.

Für Forschende aus aller Welt ist die Mainzer Stelle eine Anlaufstelle. Sie betreut Promovierende, Gastprofessorinnen und Gastprofessoren sowie ausländische Stipendiatinnen und Stipendiaten. Dazu kommen wissenschaftliche, öffentlich zugängliche Fachtagungen, die Förderung der akademischen und öffentlichen Beschäftigung mit Schopenhauers Philosophie sowie ein Auskunftsdienst. Wer bei einer wissenschaftlichen Recherche nicht weiterkommt, kann dort unter anderem Unterstützung und Expertenkontakte vermittelt bekommen.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Werke im kritischen Blick

Eine der wichtigsten Aufgaben ist seit der Gründung die Herausgabe einer neuen historisch-kritischen Gesamtausgabe von Schopenhauers Werken. Der Grund dafür ist nüchtern: Laut Forschungsstelle gibt es bis heute keine Werkausgabe, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügt.

2019 erschien ein erster großer Erfolg: die erste kritische Edition der Erstausgabe von Schopenhauers Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ von 1819. Erarbeitet wurde sie an der Forschungsstelle gemeinsam mit einem ehemaligen Stipendiaten. Das klingt nach stiller Detailarbeit – und genau das ist es vermutlich auch: Texte vergleichen, Varianten prüfen, Anmerkungen setzen, wieder von vorn anfangen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf unselbstständiger Literatur zu Schopenhauers Leben und Werk. Dazu zählen Zeitschriftenbeiträge, Beiträge in Sammelbänden und Aufsatzsammlungen. Die Sammlung ergänzt die digitalisierte Ausgabe aller Schopenhauer-Jahrbücher seit 1912 sowie die Monographiensammlungen der Universitätsbibliotheken Mainz und Frankfurt.

Eng arbeitet die Forschungsstelle mit dem Schopenhauer-Archiv der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main zusammen. Matthias Koßler ist außerdem geschäftsführender Herausgeber des „Schopenhauer-Jahrbuchs“ und Mitherausgeber der Reihen „Beiträge zur Philosophie Schopenhauers“ und „Schopenhaueriana“.

Doktorandenkolloquien, Tagungen und Unterstützung

Spendengelder wurden bislang für internationale Doktorandenkolloquien, Jahrestagungen am Ende des jeweiligen Sommersemesters und die Publikation der Tagungsbände verwendet. Seit 2008 wird die Forschungsstelle in erheblichem Umfang von der Dr. Walter und Dr. Gertrud Pförtner-Stiftung unterstützt. In den Angaben zur Finanzierung wird sie als Dr. Walter Pförtner und Dr. Gertrud Pförtner-Stiftung genannt. Daneben unterstützt die Schopenhauer-Gesellschaft e. V. die Arbeit.

Wer selbst nachfragen möchte, erreicht die Schopenhauer-Forschungsstelle am Philosophischen Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Kantstraße 2, 55122 Mainz. Telefonisch ist sie unter 06131 39-20259 erreichbar, per E-Mail unter schopenhauer@uni-mainz.de.

Für das Jubiläumswochenende braucht es also weder Vorwissen noch Eintrittskarte. Erst Forschungsgeschichte, Editionen und Nachwuchsarbeit, dann ein Empfang – und am Abend Blues in der „Muschel“. Irgendwie eine stimmige Mainzer Mischung.