Zwei Standorte für die Unimedizin Mainz: 28 Flächen für ein neues Zentralklinikum
Die Universitätsmedizin Mainz sucht einen zweiten Standort. Insgesamt sollen 28 mögliche Flächen geprüft werden. Für die Klinik ist das keine kleine Kursänderung, sondern eine grundlegende Entscheidung über die Zukunft des Hauses in der Oberstadt. Vorstandsvorsitzender Prof. Ralf Kiesslich drängt deshalb auf schnelle Gespräche mit der Stadt Mainz; auch Vorstandschefin und Bauvorständin Kathleen Kreutzer fordert eine rasche Entscheidung für ein geeignetes Grundstück.
Der ursprüngliche Baumasterplan von 2022 sah noch eine vollständige Neuordnung auf dem bestehenden Campus vor, einschließlich eines neuen Zentralbaus. Vertiefende Gutachten zeichnen inzwischen ein deutlich komplizierteres Bild: Der Zentralbau müsste anders platziert werden als zunächst vorgesehen und würde dann die Fläche des heutigen Chirurgie-Gebäudes 505 einschließen. Die Chirurgie müsste dafür umziehen oder zurückgebaut werden. Während der langen Bauphase, so die Unimedizin, ließe sich die medizinische Versorgung nicht ausreichend gewährleisten.
Warum der alte Campus an Grenzen stößt
Auch unter der Erde wäre einiges los. Das bestehende Tunnelsystem ist für moderne, fahrerlose Logistiksysteme zu niedrig und zu schmal; außerdem müsste es tiefer verlegt werden. Dabei könnten im Bereich des früheren römischen Legionslagers archäologische Funde auftauchen. Ein Bauprojekt mit schwerem Gerät, Klinikbetrieb und womöglich historischem Boden direkt darunter – das ist, vorsichtig gesagt, keine schnelle Nummer.
Hinzugekommen sind neue Anforderungen an die Krisenresilienz kritischer Infrastruktur. Kliniken sollen unter anderem über mehrere voneinander unabhängige Zufahrts- und Erschließungsmöglichkeiten verfügen. Nach Angaben der Unimedizin lassen sich solche Strukturen außerhalb des heutigen Campus besser umsetzen. Eine Sanierung oder ein Neubau in der Mainzer Oberstadt gilt aus Sicht der Klinikleitung deshalb als betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll, funktional nachteilig und für resiliente Klinikstrukturen nicht umsetzbar.
Eine vollständige Neuordnung am bisherigen Standort könnte bis 2055 dauern, mehr als vier Milliarden Euro kosten und den Klinikbetrieb über Jahrzehnte erheblich einschränken. Ursprünglich waren 2,2 Milliarden Euro veranschlagt worden. Die längere Bauzeit und die damit verbundenen Preissteigerungen gelten als wichtigste Kostentreiber. Ein Zentralgebäude an einem zweiten Standort wäre dagegen voraussichtlich schneller realisierbar.
Neues Zentrum, geteilter Campus
Die Gutachten empfehlen laut Unimedizin eine Zwei-Standort-Lösung. Erwartet werden Kosten von rund 2,6 Milliarden Euro, die Fertigstellung könnte 2038 erreicht werden. Ein neues Zentralklinikum wäre im Betrieb womöglich effizienter als die historisch gewachsene Pavillonstruktur – vor allem bei Logistik, Energieversorgung und den allgemeinen Versorgungsabläufen.
Auf die neue Fläche sollen die hochkomplexe stationäre Versorgung, zahlreiche Operationssäle und etwa 1.000 Betten kommen. Geplant sind außerdem patientennahe Forschung und Lehre, Dienstleistungen wie Blutbank und Pathologie sowie ein Logistik- und Versorgungszentrum. Vorgesehen sind Gebäude mit fünf, möglichst sieben Stockwerken und Untergeschossen.
Dafür braucht es mindestens 15 Hektar, ungefähr so viel Fläche wie der Volkspark. Der Rettungsdienst muss das Gelände auch nachts anfliegen können. Beschäftigte und Besucher sollen es gut erreichen, mindestens drei verschiedene Zufahrtswege müssen die Anforderungen an die Resilienz erfüllen. Als möglicher zweiter Standort gilt ein Gelände am Stadtrand in der Nähe des ZDF. Dort wird allerdings kritisch über mögliche Auswirkungen auf die Frischluftzufuhr für Mainz diskutiert.
Der bisherige Campus würde nicht einfach leer stehen. Dort sollen die Forschungsspange, Gebäude 102 mit Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Gynäkologie und Augenklinik, die im Bau befindliche Zahnklinik sowie bestehende Operationssäle und mehrere hundert Betten für ambulante und kurzstationäre Behandlungen verbleiben. Der Oberstadt-Campus wäre damit stärker auf ambulante Behandlungen und kurze Aufenthalte ausgerichtet; komplexe universitäre Fälle würden am neuen Standort behandelt.
Stadt prüft, Land signalisiert Unterstützung
Für den Kernbereich der Universitätsmedizin auf einer neuen Fläche braucht es eine Abstimmung mit der Stadt. Die schwarz-rote Landesregierung unterstützt eine Zwei-Standort-Lösung grundsätzlich im Koalitionsvertrag. Oberbürgermeister Nino Haase hatte Anfang Mai angekündigt, zunächst die Eckdaten für ein städtisches Gutachten zu den Vor- und Nachteilen eines zweiten Standorts festzulegen.
Inzwischen hat die Stadt eine Bewertungsmatrix vorbereitet und die Universitätsmedizin um die Bestätigung wichtiger Parameter gebeten. Dazu gehören der Flächenbedarf, die Verkehrsanbindung und das Gebäudevolumen. Geplant ist ein mehrstufiges Prüfverfahren mit Vor- und Detailprüfung. Wie lange dieses Verfahren dauern wird, ist noch offen.
Der neue Standort könnte in der Oberstadt zugleich Platz für andere Entwicklungen schaffen. Durch die Verlagerung zentraler Bereiche könnten rund 100.000 Quadratmeter städtische Entwicklungsflächen frei werden, unter anderem am Pulverturm, am Augustusplatz und auf dem heutigen Campus. Was dort irgendwann geschieht, ist damit noch längst nicht entschieden – aber die Flächen wären plötzlich da.
Vorteile mit Nebenwirkungen
Die Zwei-Standort-Lösung hat ihren Preis, und zwar nicht nur auf dem Papier. Die Unimedizin rechnet mit zusätzlichen Transportzeiten zwischen den Standorten, einem höheren Personalbedarf beziehungsweise zusätzlichen Personalvorhaltungen an beiden Orten und mehr Planungsaufwand. Zwei Häuser bedeuten eben auch zweimal Wege, Abstimmungen, Bereitschaften.
Die Klinik bewertet diese Nachteile dennoch als geringer als die erwarteten Probleme eines Neubaus auf dem bestehenden Campus. Offen ist außerdem, ob nach 20 oder 30 Jahren möglicherweise auch die verbliebenen Bereiche vollständig an den neuen Standort verlagert werden. Diese Möglichkeit soll bei der Standortbewertung berücksichtigt werden.
Der bestehende Campus muss derweil weiter instand gehalten und saniert werden. Wie umfangreich die notwendigen Sanierungen ausfallen, hängt davon ab, wie lange die einzelnen Gebäude noch genutzt werden. Die Entscheidung über den zweiten Standort ist also nicht nur eine Frage der fernen Zukunft; sie beeinflusst auch, was heute repariert, umgebaut oder lieber noch nicht angefasst wird.
Der bereitgestellte Text aus einer weiteren Quelle enthält ausschließlich fragmentierte PDF-Rohdaten und keinen lesbaren Nachrichtenartikel. Für die Standortsuche bleiben damit vorerst vor allem die Gutachten, die städtische Bewertungsmatrix und die Gespräche zwischen Stadt und Unimedizin maßgeblich. Und die dürften in Mainz noch einige Runden drehen.
