Eine 16-jährige Schülerin ist am Freitag, 2. Oktober 2026, gegen 11.30 Uhr während des Unterrichts an einer Realschule in Ludwigshafen plötzlich zusammengebrochen. Die Zehntklässlerin starb trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen noch vor Ort.

Für Mitschüler und Lehrkräfte folgte danach psychologische Betreuung. Die Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei ermittelten zunächst zur ungeklärten Todesursache. Hinweise auf eine Beteiligung anderer Personen gab es nicht.

Obduktion in Mainz

Am Donnerstag, 8. Oktober, wurde die Jugendliche am Institut für Rechtsmedizin der Universität Mainz obduziert. Das vorläufige Ergebnis deutet laut den Ermittlungsbehörden auf einen natürlichen Tod hin. Auch bei der Obduktion fanden sich keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.

Welche konkrete medizinische Ursache zum Tod geführt hat, wurde bislang nicht mitgeteilt. In Ludwigshafen läuft außerdem eine Spendenaktion zugunsten der Familie.

Wenn ein junges Herz plötzlich stillsteht

Der Fall macht betroffen – und berührt ein Thema, das selten wirkt, aber nicht nur ältere Menschen betrifft: den plötzlichen Herztod. Die Deutsche Herzstiftung, das Zentrum für plötzlichen Herztod und familiäre Arrhythmiesyndrome am Universitätsklinikum Frankfurt sowie das Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes starteten dazu am 25. Mai 2023 die Initiative „Gemeinsam gegen den plötzlichen Herztod“.

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Die Initiative will über Ursachen des plötzlichen Herztods bei jungen Menschen aufklären, die Forschung voranbringen und betroffenen Familien sowie Interessierten Informationen geben. Außerhalb von Krankenhäusern ist der plötzliche Herztod die häufigste Todesursache; in Deutschland sterben daran jährlich mehr als 65.000 Menschen. Bei vielen Betroffenen liegt eine langjährige koronare Herzkrankheit (KHK) vor – daher gilt das Problem oft als eines des höheren Alters.

Doch auch sportliche Menschen unter 40 Jahren können ohne eindeutige Warnzeichen einen plötzlichen Herztod erleiden. Der dänische Fußballspieler Christian Eriksen überlebte 2021 während der Europameisterschaft einen Herzstillstand auf dem Spielfeld, weil er schnell professionell reanimiert wurde.

Für Deutschland wird geschätzt, dass jedes Jahr 1.000 bis 2.000 Menschen zwischen 1 und 40 Jahren am plötzlichen Herztod sterben. Die Dunkelziffer gilt als hoch. Etwa 40 Prozent der Betroffenen sind zwischen 15 und 65 Jahre alt; beim Sport treten jährlich etwa ein bis zwei Todesfälle pro 100.000 Sporttreibenden auf.

Verborgene Ursachen, familiäre Risiken

Bei jungen Menschen kommen als Ursachen unter anderem angeborene Herzfehler, Veränderungen der Herzkranzgefäße, eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis), genetisch bedingte Herzerkrankungen oder Drogenkonsum – etwa von Kokain oder Amphetaminen – infrage. Zugrunde liegende Erkrankungen können lange ohne eindeutige Beschwerden bleiben. Der plötzliche Herztod ist dann manchmal das erste erkennbare Anzeichen.

Genetische Ursachen gehören zu den häufigsten Auslösern im jungen Alter. Rund 40 Prozent der plötzlichen Herztodesfälle bei 1- bis 40-Jährigen bleiben selbst nach einer Obduktion ungeklärt. Diese Fälle werden als „Sudden Arrhythmic Death Syndrome“ (SADS) bezeichnet. Möglich sind beispielsweise ein Long-QT-Syndrom, das Brugada-Syndrom, eine katecholaminerge polymorphe ventrikuläre Tachykardie oder eine arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie.

In Frankfurt wird die Zahl der Patienten mit Long-QT-Syndrom auf etwa 300 und mit Brugada-Syndrom auf 76 bis 230 geschätzt. Bei einem ungeklärten plötzlichen Tod junger Menschen sowie bei einem Tod im Schlaf oder im Wasser wird deshalb eine Untersuchung einschließlich postmortaler genetischer Diagnostik empfohlen. Angehörige betroffener Familien können genetische und kardiologische Untersuchungen erhalten. Verwandte ersten Grades haben bei vielen dieser Erkrankungen ein Risiko von bis zu 50 Prozent, die betreffende Genveränderung zu tragen.

Solche Untersuchungen können Hinweise auf ein erhöhtes Risiko liefern. Daraus können Präventionsmaßnahmen entstehen – das Vermeiden bestimmter Medikamente oder Sportarten, eine medikamentöse Behandlung oder eine Schrittmacher- beziehungsweise implantierbare Defibrillator-Therapie.

Als Warnsignale gelten kurze Bewusstlosigkeiten, besonders bei Stress, schrillen Geräuschen oder sportlicher Belastung, ebenso Krampfanfälle ohne eindeutigen epileptischen Befund. Auch ungeklärte plötzliche Todesfälle junger Menschen in der Familie, ein unerwarteter Tod im Wasser, nicht erklärbare Autounfälle – selbst bei bekannter Epilepsie – sowie Herzschwäche oder eine notwendige Schrittmachertherapie vor dem 50. Lebensjahr können Hinweise sein. Ungeklärte Ohnmachtsanfälle sollten ärztlich untersucht werden.

Sport, Infekte und schnelle Hilfe

Plötzliche Herztodesfälle beim Sport sind selten, können aber auch junge Sportler treffen. Bei einem vorgeschädigten Herzen kann die durch Sport ausgelöste erhöhte Herzfrequenz gefährliches Kammerflimmern auslösen. Bei Sportlern unter 35 Jahren zählen eine vorzeitige KHK, genetisch bedingte Arrhythmiesyndrome und Myokarditis zu den häufigsten Ursachen.

Sportmedizinische Untersuchungen können das Risiko senken. Junge Menschen sollten ihr Herz vor sportlicher Aktivität untersuchen lassen, wenn sie belastungsabhängige Beschwerden oder ungeklärte Bewusstlosigkeiten erlebt haben oder nahe Angehörige mit Herzerkrankungen haben. Erwachsene mit angeborenem Herzfehler sollten ihr Herz regelmäßig durch einen Spezialisten für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH) kontrollieren lassen.

Ab etwa 35 bis 40 Jahren steigt das Risiko einer KHK und damit auch des plötzlichen Herztods. Bei Sportlern ab 35 Jahren ist die KHK mit etwa 80 Prozent die häufigste Ursache. Plaques in den Herzkranzgefäßen können sich bei erhöhter Herzfrequenz und erhöhtem Blutdruck lösen oder Blutgerinnsel bilden. Daraus können Herzinfarkt, Kammerflimmern und Herztod entstehen.

Eine unerkannte Myokarditis kann bei jüngeren und älteren Sportlern zum plötzlichen Herztod führen. Sie kann nach Infektionen auftreten, meist durch Viren wie Parvoviren oder SARS-CoV-2. Eine Studie zeigte, dass fast alle jungen Sportler, die an einer Myokarditis starben, zuvor eine Infektion der oberen Atemwege hatten. Wer krank ist, sollte pausieren und erst nach vollständiger Genesung wieder trainieren. Bei einer gesicherten Myokarditis sind mehrere Monate Ruhe sowie der Verzicht auf Sport, Ausdauertraining und schwere körperliche Arbeit nötig. Frühestens nach drei bis sechs Monaten ist Sport wieder möglich – vorausgesetzt, die Herzfunktion hat sich vollständig erholt und eine sportkardiologische Untersuchung bestätigt die Belastbarkeit.

Die Herzstiftung und der Deutsche Fußball-Bund schulen im Projekt „Lebensretter sein: Fußballer lernen Wiederbelebung“ insbesondere ältere Freizeitfußballer in Laienreanimation und im Umgang mit Herzstillständen.

Register für bessere Vorbeugung

Das Zentrum für plötzlichen Herztod in Frankfurt baut das bundesweite Präventionsregister RESCUED auf – „REgister zur Prävention des Sudden/UnExpected Cardiac Death“. Die Deutsche Herzstiftung unterstützt es mit rund 100.000 Euro. Die Daten sollen helfen, Ursachen und Risikofaktoren besser zu verstehen, erbliche Genvarianten als Auslöser gefährlicher Herzrhythmusstörungen zu erfassen und personalisierte Präventionsstrategien zu entwickeln.

Das Frankfurter Zentrum arbeitet dabei unter anderem mit dem deutschen Register für sportbezogene plötzliche Herztodesfälle, dem SCD-Register Deutschland, zusammen. Die Herzstiftung ist auch Partner dieses Registers. Insgesamt stellt sie rund eine Million Euro für Forschungsprojekte zum plötzlichen Herztod bereit.

Informationen zur Initiative und ein Podcast sind unter herzstiftung.de/junge-herzen-retten abrufbar.