Adbusting in Marburg: Politische Botschaften ersetzen Werbung an Bushaltestellen
In Marburg haben Aktivisten, sogenannte „Adbuster“, nachts Werbeplakate an Bushaltestellen durch politische Botschaften ersetzt. Betroffen war unter anderem eine Werbefläche in der Radestraße. Wo sonst für Produkte oder Dienstleistungen geworben wird, standen plötzlich Sätze wie „Das Vaterland verraten“ und „Wir sterben nicht für eure Kriege“.
Die Aktion fällt auch an der Uni Marburg auf, weil sie eine Debatte aufgreift, die weit über einzelne Plakatflächen hinausreicht: Wie stark soll sich eine Gesellschaft auf Krieg und militärische Auseinandersetzungen ausrichten? Die Aktivisten erklärten, sie wollten ein städteübergreifendes Zeichen gegen die ihrer Ansicht nach zunehmend kriegerische Gegenwart setzen.
Politische Botschaften statt Werbung
In einer Mitteilung kritisierten die Adbuster Pläne beziehungsweise Bestrebungen, die Gesellschaft „kriegstauglich“ zu machen. Nach ihrer Darstellung geschieht das zulasten von Kultur, Gesundheit und Sozialem. Die ausgetauschten Plakate sollten diese Kritik mitten in den Alltag tragen – dorthin, wo Menschen auf den Bus warten, zur Vorlesung fahren oder nach Hause unterwegs sind.
Mitarbeiter der Stadtpolizei entfernten die Plakate. Nun wird geprüft, ob eine Straftat vorliegt. Der Staatsschutz wurde informiert, weil weitere Aktionen angekündigt wurden.
Ermittlungen nach der nächtlichen Aktion
Damit bleibt es vorerst nicht nur bei einer politischen Botschaft auf Papier. Die Behörden müssen klären, wie die Werbeflächen verändert wurden und ob dabei eine strafbare Handlung begangen wurde. Für die Aktivisten ist der öffentliche Raum offenbar genau der richtige Ort für ihren Protest: sichtbar, schnell verständlich und ein bisschen unbequem.
Wer morgens an der Haltestelle in der Radestraße vorbeikommt, sieht inzwischen wieder die reguläre Werbefläche. Die Sätze der Nacht sind verschwunden – die angekündigten weiteren Aktionen allerdings noch nicht.
Quelle: Mittelhessen
