Eosinophilenzahl im Blut weist auf schweren Pneumonieverlauf hin
Heute, am 3.10.2026, richtet sich an der Uni Marburg der Blick auf einen Blutwert, der im Klinikalltag leicht untergeht: die Zahl der Eosinophilen. Forschende der Philipps-Universität Marburg haben untersucht, ob dieser Wert bei der Aufnahme Hinweise darauf geben kann, wie schwer eine ambulant erworbene Pneumonie (CAP) verlaufen könnte.
Eosinophile sind eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen und an der Immunabwehr beteiligt. Der Vorteil des möglichen Warnsignals: Die Eosinophilenzahl wird ohnehin routinemäßig im Standard-Blutbild bestimmt. Eine zusätzliche Untersuchung wäre dafür nicht nötig.
Wenige Eosinophile, mehr Behandlungsbedarf
Für die Analyse wurden Daten von 2.880 erwachsenen CAP-Patientinnen und -Patienten aus dem CAPNETZ-Netzwerk ausgewertet. Die Betroffenen waren zwischen 56 und 78 Jahre alt und wurden an deutschen Universitätskliniken behandelt. Für 1.673 Personen lagen vollständige Datensätze vor. Im Mittelpunkt standen die Eosinophilenzahl bei der Krankenhausaufnahme, intensivmedizinische Behandlung, künstliche beziehungsweise invasive oder nichtinvasive Beatmung sowie die Dauer des Aufenthalts.
Bei höchstens 10 Eosinophilen pro Mikroliter Blut war deutlich häufiger eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich: 14,2 Prozent der Betroffenen kamen auf die Intensivstation, bei höheren Werten waren es 8,5 Prozent. Die adjustierte Odds Ratio lag bei 1,78, der p-Wert unter 0,001.
Auch bei der Beatmung zeigte sich ein Unterschied. In der Gruppe mit höchstens 10 Eosinophilen pro Mikroliter benötigten 9,1 Prozent eine invasive oder nichtinvasive Beatmung, verglichen mit 5,2 Prozent bei höheren Werten. Die adjustierte Odds Ratio betrug 1,82; p = 0,003.
Und dann ist da noch die Zeit im Krankenhaus: Im Durchschnitt blieben Patientinnen und Patienten mit niedriger Eosinophilenzahl 10,2 Tage, jene mit höheren Werten 9,0 Tage. Der Unterschied war statistisch signifikant, p = 0,013.
Ein Wert aus dem Standard-Blutbild
Nach Einschätzung der Forschenden könnte der Laborwert schon bei der Aufnahme auf einen schwereren Pneumonieverlauf und einen höheren Behandlungs- und Ressourcenbedarf hinweisen. Bestehende klinische Bewertungssysteme könnte er ergänzen – etwa bei der Frage, wer engmaschiger überwacht werden sollte und wie Überwachung, Therapie und Krankenhausressourcen geplant werden.
Die beteiligten Teams kamen aus dem Institut für Lungenforschung, der Universitätsmedizin Marburg und dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung. Geleitet wurde die Arbeit von Forschenden um Dr. Barbara Weckler und Prof. Bernd Schmeck vom DZL an der Philipps-Universität Marburg.
Veröffentlicht wurde die Studie von Weckler BC et al. unter dem Titel „Association Between Admission Eosinophil Count and Hospital Resource Use in Community-Acquired Pneumonia“ in Chest 2026; 170(2):353–364. Weitere Untersuchungen sollen nun klären, wie sich die Eosinophilenzahl in klinische Entscheidungsprozesse integrieren lässt und welche biologischen Mechanismen hinter dem Zusammenhang mit schwereren Pneumonieverläufen stecken.
Einordnung: Die Spur führt weiter zurück
Atemwegsinfektionen, darunter die ambulant erworbene Lungenentzündung, zählen weltweit zu den führenden Todesursachen. Ein zuverlässiger Biomarker, mit dem sich schwere CAP-Verläufe früh vorhersagen lassen, fehlt bislang. In einer früheren Beobachtungsstudie wurden deshalb Daten von 6.748 erwachsenen CAP-Patientinnen und -Patienten analysiert, die zwischen 2009 und 2020 an fünf Universitätskliniken behandelt worden waren.
Damals teilte das Forschungsteam die Patientinnen und Patienten anhand eines anderen Schwellenwerts in zwei Gruppen ein: niedrig waren höchstens 50 Eosinophile pro Mikroliter, höher mehr als 50 pro Mikroliter. Verglichen wurden Krankenhaussterblichkeit, notwendige Beatmung, Sepsisrisiko, Dauer des Krankenhausaufenthalts und die Zeit bis zum Tod im Krankenhaus.
Bei einer Eosinophilenzahl von höchstens 50 pro Mikroliter waren Krankenhaussterblichkeit, Beatmungsbedarf und Sepsisrisiko signifikant erhöht. Betroffene mit niedriger Eosinophilenzahl brauchten länger bis zur Entlassung und verstarben im Krankenhaus zudem schneller. Eine solche Eosinopenie könnte daher zur frühen Einschätzung der CAP-Krankheitsschwere beitragen – möglicherweise mit engerer Überwachung oder einer früheren Anpassung der Behandlung bei Hochrisikopatientinnen und -patienten.
Für den Einsatz als prognostisches Standardkriterium reicht das aber noch nicht. Die Mechanismen hinter dem Zusammenhang müssen geklärt und die Eosinopenie weiter validiert werden. Die Originalpublikation lautete „Eosinopenia as predictor of disease severity in patients with community-acquired pneumonia: an observational study“, CHEST (2024), DOI: 10.1016/j.chest.2024.05.041.
