Studie der Universität Münster zeigt geistlichen Missbrauch in kirchlichen Gemeinschaften
An der Universität Münster haben Wissenschaftler am 26.09.2026 Ergebnisse einer Studie zu geistlichem beziehungsweise spirituellem Missbrauch vorgestellt. Untersucht wurden zwei geistliche Gemeinschaften in den Bistümern Osnabrück und Münster. Für viele Menschen sind solche Gemeinschaften attraktiv, weil sie ihren Glauben dort besonders intensiv leben wollen. Gerade dieses Vertrauen kann jedoch verletzlich machen.
In beiden Gemeinschaften, so die Studie, gab es Fälle geistlichen Missbrauchs. Vor allem auf Frauen wurde Druck ausgeübt, sich an die Vorstellungen der jeweiligen Leitungen zu halten. In einer der Gemeinschaften galten Kinder laut Untersuchung nicht als eigenständige Individuen – sie hatten keine Rechte.
Wie Missbrauch entstehen und bestehen bleibt
Das Projekt „Geistlicher Missbrauch in Geistlichen Gemeinschaften“ untersucht, wie sich spiritueller Missbrauch begrifflich fassen lässt und unter welchen Bedingungen er entsteht und aufrechterhalten wird. Im Blick stehen dabei religiöse Praktiken, theologische Überzeugungen und anthropologische Konzepte, die Missbrauch begünstigen können.
Verantwortliche in den Bistümern Osnabrück und Münster hätten Schwierigkeiten gehabt, die Missstände als solche anzuerkennen und konsequenter dagegen vorzugehen. Die Wissenschaftler betonen deshalb, dass neben sexuellem Missbrauch auch geistlicher Missbrauch als eigenständige Missbrauchsform ernst genommen werden müsse. Das klingt nüchtern, betrifft aber Fragen, die tief ins persönliche Leben reichen: Glaube, Gehorsam, Gemeinschaft und die eigene Freiheit.
Viele Meldungen, längere Recherche
Zahlreiche Menschen, darunter viele Betroffene, beteiligten sich an der Untersuchung – mit Meldungen, Interviews und Dokumenten. Der Umfang dieser Beiträge war im Vorfeld nicht erwartet worden. Weil so viele Informationen eingingen und die Aktenrecherche länger dauerte, wurde der Projektzeitraum um ein Jahr bis Ende 2026 verlängert.
Die Ergebnisse sollen helfen, spirituellen Missbrauch künftig zu verhindern und ihm vorzubeugen. Das Projekt will außerdem Präventionsmaßnahmen für geistliche Begleitung und Pastoral entwickeln. Gerade dort, wo Menschen Rat, Halt oder Orientierung suchen, braucht es also Strukturen, die Abhängigkeit nicht noch verstärken.
Die Studie macht sichtbar, dass Missbrauch nicht erst dort beginnt, wo körperliche Gewalt im Spiel ist. Auch religiöse Sprache, besondere Leitungsansprüche oder der Druck, sich einer Gemeinschaft vollständig unterzuordnen, können Menschen ihrer eigenen Stimme berauben. Die weitere Arbeit an den Akten läuft bis Ende 2026 weiter.
