Vor dem Osnabrücker Schloss ist am 29.09.2026 ein Kapitel der Universität Osnabrück zu Ende gegangen: Susanne Menzel-Riedl wurde als Präsidentin verabschiedet. Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs nahm die Verabschiedung vor. Rund 240 geladene Gäste würdigten ihre Amtszeit – ein Abschied mit viel Rückblick, aber ebenso mit Blick auf das, was jetzt kommt.

Bei der Feier waren Menzel-Riedl, ihr Nachfolger Prof. Dr. Tim Römer und Minister Mohrs anwesend. Römer wurde offiziell bis 2032 zum Universitätspräsidenten ernannt und tritt sein Amt am 1. Oktober an. Menzel-Riedl scheidet aus und übernimmt eine neue Aufgabe in Münster.

Dank für Forschung, Lehre und schwierige Jahre

Mohrs hob Menzel-Riedls Beiträge zum Ausbau der Forschungsstärke, zur Lehre, Nachhaltigkeit, Gleichstellung und Hochschulpolitik hervor. Auch über Osnabrück hinaus habe sie sich für die Interessen der niedersächsischen Hochschulen eingesetzt. Senatssprecherin Prof. Dr. Meike Rühl dankte ihr außerdem dafür, die Universität durch die Pandemie und weitere herausfordernde Zeiten geführt zu haben.

In ihrer Abschiedsrede sagte Menzel-Riedl, sie sei der Universität für die persönlichen und beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten dankbar. Ihre Bilanz ist dabei durchaus umfangreich: Unter ihrer Präsidentschaft wurden zwei Sonderforschungsbereiche eingeworben – einer zu zellulären Membrannetzwerken, ein weiterer zur Migrationsforschung, laut dem Bericht in dieser geisteswissenschaftlichen Ausrichtung bislang einzigartig in Niedersachsen.

Gemeinsam mit sieben Partnern entstand außerdem das KI-Reallabor Agrar. Die VolkswagenStiftung finanziert es mit 18,9 Millionen Euro. Unter Menzel-Riedls Federführung warb die Universität zudem 16,9 Millionen Euro von der VolkswagenStiftung für die Profilbildung ein.

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Ihre Laufbahn in Osnabrück begann 2008 als Juniorprofessorin. Seit 2013 ist Menzel-Riedl Professorin für Biologiedidaktik, 2016 wurde sie Vizepräsidentin für Forschung und Nachwuchsförderung. 2019 wählte die Universität sie zur Präsidentin – damals war sie Deutschlands jüngste Universitätspräsidentin. Von 2022 bis 2026 stand sie der Landeshochschulkonferenz Niedersachsen vor, seit 2023 ist sie Vizepräsidentin der Hochschulrektorenkonferenz für Hochschulsystem und Organisation.

Auch bei der Wahl „Rektor des Jahres“ 2025 des Deutschen Hochschulverbands schnitt sie weit vorne ab: bundesweit belegte sie den zweiten Platz. In Niedersachsen lag sie bei dieser Wahl seit 2021 durchgehend auf Platz eins der Universitätsleitungen.

Ein Mathematiker übernimmt

Hochschulratsvorsitzender Prof. Dr. Elmar Weiler bezeichnete Römer als Menzel-Riedls Nachfolger. Mohrs verwies auf dessen langjährige Kenntnis der Universität, seine Erfahrung in der akademischen Selbstverwaltung sowie seine Schwerpunkte Künstliche Intelligenz und Wissenstransfer.

Römer wurde 1975 in Oshawa, Kanada, geboren. Er studierte Mathematik mit Nebenfach Informatik an der Universität Essen, promovierte anschließend und arbeitete außerhalb der Universität als Technologieberater. 2002 kam er als Juniorprofessor für Mathematik nach Osnabrück, 2008 wurde er Professor für Algebra.

Seither übernahm Römer verschiedene Aufgaben in der universitären Selbstverwaltung, darunter langjährig das Dekanat eines Fachbereichs. Er warb Drittmittelprojekte für die Universität ein, leitet das KI-Reallabor Agrar und initiierte die Gründung des Forschungszentrums Data Science. Das Reallabor ist Teil der deutschen Hightech Agenda – KI-Roadmap.

Römer dankte Menzel-Riedl für ihre Amtsführung. Ihre Arbeit wolle er gemeinsam mit der Hochschulleitung und den Universitätsangehörigen fortführen und zugleich neue Akzente setzen. Klingt nach Übergabe ohne großen Bruch, aber ganz ohne Veränderung wird es wohl nicht abgehen.

Mit seinem Amtsantritt beginnt zugleich die neue dreijährige Amtszeit der wiedergewählten Vizepräsidenten. Prof. Dr. Kai-Uwe Kühnberger verantwortet Forschung, gesellschaftlichen Dialog und Transfer, Prof. Dr. Andrea Lenschow die Bereiche Internationales, Diversität und wissenschaftliche Qualifikation. Prof. Dr. Jochen Oltmer bleibt für Studium und Lehre zuständig.

Vizepräsident Dr. Wilfried Hötker für Personal und Finanzen geht Ende 2026 in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin wird Dr. Dagmar Eberle.

Eine Universität im bundesweiten Vergleich

Wie ungewöhnlich oder typisch solche Wechsel an Hochschulen sind, zeigt der CHE-Check 2025. Untersucht wurden die Lebensläufe von Hochschulleitungen an staatlichen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW), Datenstand war Dezember 2024. Berücksichtigt wurden maximal 75 Universitäten und 99 HAW. Sechs Leitungspositionen an Universitäten und eine an einer HAW waren unbesetzt; kommissarisch besetzte Positionen flossen nicht ein. Außerdem fusionierten zwei HAW.

Die Datengrundlage bildeten Internetrecherchen, darunter Hochschul-Lebensläufe, Pressemitteilungen, Zeitungsartikel und Autorenangaben in Veröffentlichungen. 35,1 Prozent der Hochschulen wurden von einer Frau geleitet. An den HAW stieg der Frauenanteil von 25 auf 30 Prozent, an den Universitäten ging er leicht zurück – als ein Grund nennt der CHE-Check unbesetzte beziehungsweise kommissarisch geführte Positionen.

Drei HAW-Leitungen und sechs Universitätsleitungen waren im Ausland geboren. Als Geburtsländer werden unter anderem Griechenland, die Schweiz, die USA, Dänemark, Österreich und Rumänien genannt. Die meisten Hochschulleitungen stammen weiterhin aus Nordrhein-Westfalen. Berlin stellte fünf HAW-Leitungen und eine Universitätsleitung, Leipzig zwei HAW-Leitungen und eine Universitätsleitung. München kam auf eine HAW-Leitung und drei Universitätsleitungen, Siegen auf eine HAW-Leitung und zwei Universitätsleitungen. In Straubing gab es mehr Universitäts- als HAW-Leitungen; Stuttgart verzeichnete drei HAW-Leitungen und zwei Universitätsleitungen. Bremen, Brilon, Hamburg, Helmstedt und Nürnberg waren jeweils mit einer HAW- und einer Universitätsleitung vertreten.

Im Vergleich zum Update 2024 waren die Hochschulleitungen etwas jünger. Hochschulleiterinnen waren im Durchschnitt jünger als Hochschulleiter: An HAW waren Frauen durchschnittlich 57 und Männer 58 Jahre alt, an Universitäten Frauen 57 und Männer 59 Jahre. 16 Hochschulleitungen waren unter 50, darunter elf an HAW und sieben Frauen. Über alle Hochschulleitungen hinweg lag das Durchschnittsalter bei 58 Jahren.

Bei den Studienfächern blieb die Verteilung über die Jahre weitgehend konstant. Am häufigsten studierten Hochschulleitungen Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. In den vergangenen fünf Jahren traten 65,3 Prozent der Universitätsleitungen und 56 Prozent der HAW-Leitungen ihr Amt an. HAW-Leitungen, die seit 2020 berufen wurden, waren bei Amtsantritt durchschnittlich 55 Jahre alt; die 2024 Berufenen kamen im Schnitt auf 54 Jahre. Bei Universitätsleitungen lag der Durchschnitt seit 2020 bei 57 Jahren, bei den 2024 Berufenen bei 55 Jahren.

Extern besetzt wurden 2024 insgesamt 36,8 Prozent der Präsidiums- und Rektoratsämter. Bei Frauen lag der Anteil bei 51,7 Prozent, bei Männern bei 28,8 Prozent. An HAW kamen 58,6 Prozent der Frauen und 25,4 Prozent der Männer von außerhalb ihrer bisherigen Hochschule. An Universitäten waren es 45,2 Prozent der Frauen und 34,1 Prozent der Männer.

Römer ist damit kein externer Neuzugang, sondern jemand, der Osnabrück seit Jahren kennt – vom mathematischen Seminar bis in die Hochschulleitung. Vor dem Schloss endete die Amtszeit von Susanne Menzel-Riedl, während nebenan bereits die nächste Etappe der Universität vorbereitet wird.