US-Auslandsstimmen aus Deutschland könnten Trumps Macht im Kongress begrenzen
Am 3. November 2026 entscheiden die US-Zwischenwahlen über die Mehrheiten im Kongress. Schon am Tag davor, dem 2. November 2026, ist in Deutschland spürbar, dass sich unter den hier lebenden US-Amerikanern etwas bewegt. Matthew LeMieux, stellvertretender Vorsitzender von Democrats Abroad Germany, unterstützt sie bei der Registrierung, bei der Beantragung der Wahlunterlagen und bei der fristgerechten Briefwahl.
LeMieux stammt aus Michigan, lebt seit 2004 in Deutschland und lehrt US-Recht an der Universität Osnabrück. Von dort aus blickt er auf einen Wahltag, an dem Auslandsstimmen durchaus den Ausschlag geben könnten. Weltweit leben nach Angaben von US-Behörden rund 2,2 Millionen wahlberechtigte US-Amerikaner im Ausland, schätzungsweise bis zu 150.000 davon in Deutschland.
Viele Anträge, lange Wege
Die rund 150.000 Wahlberechtigten in Deutschland sind allerdings keine einheitliche Wählergruppe. Entscheidend ist, aus welchem US-Bundesstaat sie stammen und wie knapp dort die Rennen ausfallen. Die Briefwahlstimmen werden an jene Bundesstaaten übermittelt, in denen die jeweiligen Wähler wahlberechtigt sind.
Der Weg zur Stimme ist nicht gerade ein Spaziergang: Je nach Bundesstaat gelten unterschiedliche Anforderungen und Fristen für Registrierung, Unterlagenanforderung und Rücksendung. Wiederholte Anträge, Wartezeiten und der postalische Versand gehören dazu. Democrats Abroad Germany wirbt deshalb gezielt dafür, sich nach den Regeln des jeweiligen Bundesstaats zu registrieren, die Wahlunterlagen zu beantragen und sie rechtzeitig per Briefwahl zurückzuschicken.
Üblicherweise ist die Motivation für diese organisatorisch aufwendige Auslandsbriefwahl bei Präsidentschaftswahlen größer als bei Zwischenwahlen. In diesem Jahr beobachtet LeMieux jedoch deutlich mehr Engagement als bei der vergangenen Zwischenwahl. Die Organisation hat mit der Kampagne „Rally for Democracy“ US-Bürger im Ausland zur Stimmabgabe motiviert.
Knapp wird es möglicherweise erst später
Traditionell liegt die Wahlbeteiligung bei Zwischenwahlen niedriger als bei Präsidentschaftswahlen. In knapp umkämpften Bundesstaaten oder Wahlkreisen können trotzdem wenige Stimmen über ein Mandat entscheiden. Historisch haben Auslandsstimmen bei engen Ergebnissen bereits eine wichtige Rolle gespielt.
Die höhere Briefwahlbereitschaft deutet auf eine stärkere Mobilisierung unter im Ausland lebenden Demokraten hin, lässt aber keinen landesweiten Wahlausgang ableiten. Entscheidend sind die tatsächliche Beteiligung, die Stimmenverteilung und die jeweiligen Regeln für Auslands- und Briefwahl. Auch die Auszählung kann über den Wahltag hinaus dauern. Enge Rennen bleiben deshalb womöglich zunächst offen; wie wichtig die Stimmen aus Deutschland und anderen Ländern sind, zeigt sich vielleicht erst im weiteren Auszählungsverlauf.
LeMieux schätzt die Chancen der Demokraten auf Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat als sehr gut ein. Er verweist auf politische Alternativen, etwa bei der Gesundheitsversorgung, und auf Entscheidungen von Präsident Donald Trump, die aus seiner Sicht unpopulär sind. Dazu zählt er den Krieg gegen den Iran ebenso wie Zölle, die Alltagswaren verteuert hätten.
Ein Gegengewicht zu Trump
Eine demokratische Kongressmehrheit könne ein Gegengewicht zu Trump bilden und die Gewaltenteilung, die „Checks and Balances“, stärken. LeMieux kritisiert, Trump habe den Kongress beim Vorgehen gegen den Iran nicht einbezogen. Auch die Annahme eines Flugzeugs aus Katar durch Trump bezeichnet er als Korruptionsproblem. Trump und seine Familie, so der Vorwurf, nutzten Politik zur persönlichen Bereicherung.
Ein Amtsenthebungsverfahren wäre für LeMieux im Fall eines Wahlsiegs der Demokraten trotzdem nicht die wichtigste Priorität. Untersuchungsausschüsse zur Kontrolle der Ministerien und der Verwendung öffentlicher Gelder hält er dagegen für sinnvoll – unter anderem mit Blick auf Verteidigungsminister Pete Hegseth. Eine demokratische Mehrheit würde Trump nach seiner Einschätzung zu vorsichtigerem Handeln zwingen.
Die innerparteilichen Unterschiede zwischen moderatem und linkem Flügel existieren, seien aber kleiner, als sie häufig dargestellt würden. Bei der Gesundheitsreform bestehe weitgehend Einigkeit: Die Versorgung sei zu teuer, der Zugang zu schlecht. Viele von Trump beschlossene Kürzungen würden erst nach den Midterms wirksam. Dann könnten die Folgen für die Bevölkerung sichtbar werden.
Demokraten verschiedener Richtungen wollten das Leben der Menschen bezahlbarer machen und Trump bei der nächsten Präsidentschaftswahl ablösen. Nur eine Anti-Trump-Position reiche dafür aber nicht, betont LeMieux. Die Partei verfüge über starke Senatoren und Gouverneure; im Vorwahlprozess solle sich eine führende Präsidentschaftspersönlichkeit herausbilden. In einem Jahr werde voraussichtlich klarer sein, welche drei oder vier Personen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur konkurrieren.
Streit um das Wahlergebnis?
Für möglich hält LeMieux auch, dass Trump eine Niederlage der Republikaner bei den Midterms anficht oder die Wahl als unfair bezeichnet. Er glaubt allerdings, dass ihm das die meisten Menschen nicht mehr abnehmen würden. Die Anwälte der Demokraten seien vorbereitet.
Bei Präsidentschaftswahlen ist die Motivation der im Ausland lebenden US-Amerikaner meist größer. Dass sich diesmal trotzdem so viele um Registrierung, Unterlagen und Rücksendung kümmern, fällt LeMieux auf. Und während in Deutschland Briefumschläge auf den Postweg gehen, kann in den USA ein knappes Rennen noch Tage weiterlaufen – Mandat für Mandat, Bundesstaat für Bundesstaat.
