Stephan Thome liest Besser als nie an der Universität Paderborn
Am Montag, 16. November 2026, liest Stephan Thome in der Universität Paderborn aus seinem Roman Besser als nie. Anschließend ist eine Diskussion geplant. Beginn ist um 16:15 Uhr im Hörsaal G; der Eintritt ist frei.
Die Veranstaltung gehört zur Reihe „Deutsche Literatur der Gegenwart“, die im Wintersemester 2026/27 literarische Lesungen mit anschließenden Gesprächen verbindet. Die Termine finden montags um 16:15 Uhr in Hörsaal G statt. Organisiert und moderiert wird die Reihe von Prof. Dr. Norbert Otto Eke und Prof. Dr. Stefan Elit vom Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft und vom Zentrum für deutschsprachige Gegenwartsliteratur der Universität Paderborn.
Ein neuer Roman mit vertrautem Schauplatz
Besser als nie verbindet gesellschaftliche Themen mit regionalen Bezügen. Der Roman erschien 2026 im Vorfeld des Biedenkopfer Grenzgangs und kehrt an den Schauplatz von Thomes Debütroman Grenzgang zurück. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die neuere Debatte um den „Mohren“ und die Rolle der Frau beim Heimatfest.
Thome wurde am 23. Juli 1972 als Stephan Schmidt in Biedenkopf, Hessen, geboren. Er besuchte dort die Lahntalschule und legte das Abitur ab. Nach seinem Zivildienst in einer sozialpsychiatrischen Einrichtung in Marburg studierte er Philosophie, Religionswissenschaft und Sinologie an der Freien Universität Berlin. Zeitweise lebte und forschte er in China, Taiwan und Japan.
Seinen Künstlernamen bildet der Schriftsteller aus dem Mädchennamen seiner Mutter. 2004 schloss er sein Studium mit einer Dissertation ab, die in den vorliegenden Angaben einmal als „Interkulturelle Hermeneutik und die Herausforderung des Anderen“, in der veröffentlichten Fassung als „Interkulturelle Hermeneutik und die Herausforderung des Fremden“ bezeichnet wird. Für die Arbeit erhielt er ein Doktorandenstipendium der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft. 2005 erschien die Dissertation unter seinem Geburtsnamen Stephan Schmidt als Buch: Die Herausforderung des Fremden: Interkulturelle Hermeneutik und konfuzianisches Denken.
Von 2005 bis Mitte 2011 lebte er in Taipeh und arbeitete als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Institut für Chinesische Literatur und Philosophie der Academia Sinica. Dort forschte er zur konfuzianischen Philosophie des 20. Jahrhunderts und übersetzte unter anderem Chun-chieh Huangs Werk Konfuzianismus: Kontinuität und Entwicklung ins Deutsche. Seit 2011 arbeitet Thome als freier Schriftsteller und veröffentlicht Romane, Hörbücher und Sachbücher.
Vom „Grenzgang“ bis zur Taiwanstraße
2009 erschien unter dem Namen Stephan Thome sein Debütroman Grenzgang, der nach dem gleichnamigen Volksfest in seiner Heimatstadt Biedenkopf benannt ist. Im Buch heißt der Ort „Bergenstadt“. Die Handlung folgt im Siebenjahresrhythmus des Festes einer geschiedenen Hausfrau und Mutter sowie einem Gymnasiallehrer, deren Lebensentwürfe scheitern. Die deutsche Fachpresse besprach den Roman vielfach positiv.
Der WDR erwarb die Filmrechte. Teamworx verfilmte den Stoff im Herbst 2012 überwiegend in Biedenkopf mit Claudia Michelsen und Lars Eidinger. Der Film von Brigitte Maria Bertele wurde am 27. November 2013 erstmals zur Hauptsendezeit ausgestrahlt und 2014 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Auch als Hörbuch wurde Grenzgang adaptiert.
Im September 2012 folgte Fliehkräfte, ein Gesellschaftsroman, der im selben Monat auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand und ebenfalls als Hörbuch veröffentlicht wurde. Im Januar 2015 erschien Gegenspiel, ein Roman über ein auseinanderdriftendes Paar und ein deutsches Mittelschichtsdrama. Während frühere Romane überwiegend aus männlicher Perspektive erzählt wurden, rückt hier die Perspektive der Frau ins Zentrum.
Mit Gott der Barbaren legte Thome im September 2018 seinen vierten Roman vor. Auch dieser stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises; die Handlung spielt vor dem Hintergrund des Taiping-Aufstands im China der Mitte des 19. Jahrhunderts. 2021 erschien Pflaumenregen, eine Familiengeschichte des 20. Jahrhunderts auf Taiwan. Zum Sachbuch zählen Gebrauchsanweisung für Taiwan von 2021 und Schmales Gewässer, gefährliche Strömung. Über den Konflikt in der Taiwanstraße von 2024.
2024 veröffentlichte Thome unter seinem bürgerlichen Namen Stephan Schmidt den Politthriller Die Spiele. Der Kriminalroman handelt von einem ermordeten IOC-Funktionär in China und mosambikanischen Vertragsarbeitern in der DDR. Seine Romane Grenzgang, Fliehkräfte, Gegenspiel, Gott der Barbaren, Pflaumenregen, Die Spiele und Besser als nie bilden dabei nur einen Teil seines literarischen und publizistischen Werks.
Zwischen Taipeh, Lissabon und Berlin
Thome unterhält wechselnde Wohnsitze, unter anderem in Deutschland, Lissabon und Taipeh. Nach dem Ende der Pandemie zog er wieder nach Taiwan; wegen der Corona-Einreisebeschränkungen hatte er 2021 nicht dorthin reisen können und geplant, ab Dezember 2022 wieder dauerhaft dort zu leben. Inzwischen lebt er wieder in Taiwan. Im Frühjahr 2022 heiratete er, seine Ehefrau ist Taiwanerin.
Ausgezeichnet wurde Thome mit dem Aspekte-Literaturpreis 2009, dem Berliner Kunstpreis in der Sparte Literatur 2014 und dem George-Konell-Preis 2014. Für den Deutschen Buchpreis war er 2009, 2012 und 2018 nominiert. Außerdem gehört er zu den Mitbegründern des PEN-Zentrums Berlin und zu den 370 Mitgründern des PEN Berlin.
Wer die Lesung besuchen oder weitere Termine der Reihe nachsehen möchte, findet Informationen und eine Terminübersicht unter go.upb.de/DeutscheLiteraturGegenwart. Unterstützt wird die Veranstaltungsreihe vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), dem Rotary Club Paderborn-Kaiserpfalz und der Kunststiftung NRW. Kontakt ist Prof. Dr. Stefan Elit, Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft, Universität Paderborn, Telefon: +49 5251 60-2872.
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