Ohne Zweifel ist Musik eine universelle Sprache, die Menschen jeden Alters und Hintergrunds verbindet. Doch was passiert, wenn man mit einer Sehbeeinträchtigung lebt? Professor Philip Peter von der Universität Potsdam hat nicht nur persönliche Erfahrungen damit, sondern hat sich auch für mehr Heterogenität in unserer Gesellschaft ausgesprochen. In einem kürzlich geführten Interview gibt er einen Einblick in sein Leben als Musiker und Dozent.
Peter ist nicht nur Professor für Musiktheorie und Schulpraktisches Musizieren, sondern auch ein leidenschaftlicher Jazzpianist, der auf einem Steinway-Flügel improvisiert. Mit einer Sehbehinderung, verursacht durch eine Frühgeborenen Retinopathie, kämpft er täglich gegen die Herausforderungen seines linken Auges, das blind ist, und der eingeschränkten Sehschärfe seines rechten Auges mit gerade einmal 30 Prozent. Diese Einschränkungen bringen ständiges Augenzittern und eine teilgelähmte Muskulatur des linken Arms mit sich, die ihm das Unterrichten und Musizieren erschweren.
Inklusion in der Musik
Die Bedeutung von Musik für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Musizieren fördert nicht nur körperliche und geistige Entwicklung, sondern motiviert auch zur Bewegung und verbessert die Körperwahrnehmung. Laut der VBS ist die Musikerziehung für diese Personengruppe besonders wichtig, um ihnen einen Zugang zur Kultur und Ästhetik zu ermöglichen. Peter unterstützt diese Sichtweise voll und ganz und sieht eine dringende Notwendigkeit, die individuelle Förderung in der Musikerziehung zu intensivieren.
Doch trotz der positiven Aspekte ist der Weg zur Inklusion noch lange nicht abgeschlossenen. Mehr als ein Drittel der Hochschulangehörigen an der Universität Potsdam hat Beeinträchtigungen oder chronische Erkrankungen. Peter betont, dass der Campus noch inklusiver gestaltet werden muss, wobei Barrieren abgebaut und direkt nach den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen gefragt werden sollte. Mit seiner 60-seitigen Dokumentation hat er seine persönlichen Anforderungen an die Sehbehindertenausstattung umfassend dargelegt und möchte anderen zeigen, dass sie trotz ihrer Einschränkungen viel erreichen können.
Der kreative Druck und seine Folgen
Ein weiterer Aspekt, den Peter nicht unerwähnt lässt, ist der Druck, der auf Universitätsprofessoren und Studierenden lastet. Er selbst fühlt sich oft unsicher, wenn es darum geht, sich krankzumelden, da er sich für das Wohl seiner Studierenden verantwortlich fühlt. Dies ist ein Punkt, der nicht nur ihn betrifft, sondern viele akademische Lehrkräfte und Studenten in Deutschland, wie die Universität Potsdam kritisiert auch den Mangel an kreativen Freiräumen, die für innovative Leistungen notwendig sind.
Peters Engagement für Inklusion zeigt sich unter anderem in seiner Rolle als Role Model für die Inklusionskampagne „Bist du ein Hingucker?“. Hier möchte er nicht nur über Blindheit aufklären, sondern auch darauf hinweisen, dass Behinderungen oft besondere Talente freisetzen können, die bei anderen weniger ausgeprägt sind.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Musik weit mehr ist als nur ein Kunstform. Sie kann Brücken bauen, Zugänge schaffen und letztlich das Leben vieler Menschen bereichern, unabhängig von ihren persönlichen Herausforderungen. Professor Philip Peter steht als lebendes Beispiel dafür, wie viel man trotz oder sogar wegen von Einschränkungen erreichen kann.