Cyberangriffe legen Hochschulen lahm: Warum Cybersicherheit zur Studienfrage wird
Eine Woche nach dem Hackerangriff auf die Universität Leipzig sind die Studienbedingungen weiterhin erheblich eingeschränkt. Nach Angaben des Geschäftsführers des Studentenrates, Worschech, funktionieren derzeit keinerlei elektronische Kommunikationsmittel. Seminararbeiten können nicht eingereicht werden, und Informationen von Dozenten erreichen nicht zuverlässig alle Studierenden.
Für den Hochschulalltag bedeutet das: Viele Wege, die sonst nebenbei laufen, sind plötzlich versperrt. Eine Datei verschicken, eine Nachricht lesen, eine Abgabe bestätigen – nichts davon ist selbstverständlich. Rektorin Obergfell zufolge könnte es noch mehrere Wochen dauern, bis alle technischen Probleme behoben sind.
Auch Rostock und Halle-Wittenberg betroffen
Der Vorfall in Leipzig steht nicht allein. Im vergangenen Monat waren auch die Universität Rostock und die Universität Halle-Wittenberg von IT-Sicherheitsvorfällen betroffen. Zuvor hatte es einen Cyberangriff auf die Universität Bremen gegeben. Seit Jahren kommt es wiederholt zu Cyberangriffen und IT-Sicherheitsvorfällen an Hochschulen.
Das ist auch für die Universität Rostock relevant. Zwischen digitalen Lehrmaterialien, Verwaltungsdaten und wissenschaftlicher Arbeit hängen dort – wie an anderen Hochschulen – viele Abläufe an funktionierenden Systemen. Fällt die elektronische Infrastruktur aus, wird aus einem technischen Problem sehr schnell ein Problem für Studierende, Lehrende und Beschäftigte.
Mehr als eine technische Frage
Eine Studie des HIS-Instituts für Hochschulentwicklung ordnet diese Entwicklung ein. Die Studie „Cybersicherheit an Hochschulen: Föderale Ansätze und (gemeinsame) Wege“ wurde am 1. Oktober 2025 veröffentlicht. Autor:innen sind Mathias Stein, Maren Lübcke und Harald Gilch.
Cyberangriffe auf Hochschulen haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Das Spektrum reicht von Phishing- und Spam-Attacken bis zu mutmaßlich staatlich gesteuerten Operationen. Cybersicherheit ist dadurch zu einem zentralen Handlungsfeld für Hochschulen und Wissenschaftspolitik geworden.
Die Untersuchung des HIS-Instituts analysiert erstmals systematisch, wie die Bundesländer die Cybersicherheit an Hochschulen fördern. Grundlage waren eine Dokumentenanalyse sowie Befragungen von Wissenschaftsministerien und Computer Emergency Response Teams, kurz CERTs. Der Erhebungszeitraum war der Sommer 2024.
Die Länder gehen dabei unterschiedlich vor. Einige verfügen über umfassende Strategien und zentrale Anlaufstellen, andere setzen überwiegend auf eigenständige Lösungen der Hochschulen. Unterschiede gibt es bei der Zuordnung von Zuständigkeiten, bei der Ausgestaltung von Unterstützungsleistungen und bei der Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Landesstrukturen.
Wer hilft, wenn es ernst wird?
CERTs sind häufig für Hochschulen zuständig, werden von diesen aber nur in geringem Umfang genutzt. Gerade im Krisenfall kann das zum Knackpunkt werden: Zuständigkeiten müssen klar sein, Informationen schnell fließen, und irgendwo muss jemand den Überblick behalten – auch wenn gerade vieles nicht funktioniert.
Geprägt wird der Handlungsrahmen durch rechtliche Vorgaben wie die NIS-2-Richtlinie, Landes-IT-Gesetze und die Vielfalt föderaler Zuständigkeiten. Die Studie macht dabei deutlich, dass Cybersicherheit nicht nur technische Fragen betrifft. Es geht ebenso um strategische und organisatorische Aufgaben.
Hochschulen sollen Krisenmanagementprozesse etablieren und Zuständigkeiten klar regeln. Ministerien sollen Unterstützungsstrukturen bereitstellen und die institutionellen Rahmenbedingungen schaffen. Als wichtige Voraussetzungen für mehr Resilienz nennt die Studie außerdem länderübergreifende Kooperation und systematischen Wissenstransfer.
Untersucht werden in der Veröffentlichung Ziele, Fragestellungen und Methodik, Cyberangriffe und aktuelle Bedrohungslagen, rechtliche Grundlagen und föderale Zuständigkeiten sowie die Ergebnisse der Befragungen von Ministerien und CERTs. Hinzu kommen ministerielle Cybersicherheitsansätze, CERT-Unterstützungsleistungen, die Situation in allen 16 Bundesländern und abschließende Erkenntnisse und Bewertung.
Veröffentlicht wurde die Studie als HIS-HE:Forum 3|2025 „Cybersicherheit an Hochschulen“. Während in Leipzig weiterhin Seminararbeiten liegen bleiben und Nachrichten nicht alle Studierenden erreichen, wirkt die Debatte über Zuständigkeiten, Notfallprozesse und gemeinsame Wege plötzlich ziemlich nah – auch an der Uni Rostock am 5.11.2026.
