Australische Stabschrecken: Aus zwei Arten werden fünf Spezies
Wer bei einer Stabschrecke zuerst an ein dünnes, regloses Ästchen denkt, liegt damit ziemlich richtig. Die Tiere haben längliche Körper und oft bizarre Formen. Viele Arten ahmen Äste oder Blätter nach, um sich vor Fressfeinden zu verstecken – diese Anpassung heißt Mimikry.
Forscher der Universität Sydney haben nun in Australien neue Stabschrecken-Arten beschrieben. Das Team um Braxton Jones untersuchte zwei Arten der Gattung Anchiale aus dem Osten Australiens. Der überraschende Befund: Laut der im Fachblatt „Austral Entomology“ veröffentlichten Studie handelt es sich tatsächlich um fünf verschiedene Spezies.
Mehr Arten, als zunächst gedacht
Für die Forschung bedeutet das eine feinere Sortierung innerhalb einer Tiergruppe, die ohnehin leicht für Verwirrung sorgt. Wenn ein Insekt aussieht wie ein Stück Holz und sich auch noch entsprechend bewegt, wird die Suche nach Unterschieden nicht gerade einfacher. Bei Anchiale führte die genaue Untersuchung deshalb zu einer deutlich größeren Artenzahl als zunächst angenommen.
Australien beherbergt insgesamt etwa 130 Stabschrecken-Arten. Zu den auffälligsten gehört die Goliath-Stabschrecke, auch Australische Riesenstabschrecke genannt: Clemacantha goliath. Die Weibchen dieser Art werden gut 20 Zentimeter lang – da schaut man vermutlich zweimal hin, wenn plötzlich ein vermeintlicher Ast am Weg ein Bein bewegt.
Rekorde mit Fragezeichen
Die australische Artenvielfalt reicht sogar noch weiter in die Länge: Eine australische Stabschrecken-Art erreicht bis zu 62 Zentimeter. Als Weltrekord gilt laut Guinness-Buch der Rekorde jedoch eine 64 Zentimeter lange Stabschrecke der in Südchina lebenden Art Phryganistria chinensis.
Ein kleiner Haken steckt in dieser Rekordgeschichte: Für Phryganistria chinensis liegt bislang keine wissenschaftliche Beschreibung vor. Der längste Eintrag im Guinness-Buch steht damit neben einer Art, deren wissenschaftliche Einordnung noch aussteht. Die Tiere selbst bleiben davon unbeeindruckt – sie sehen weiterhin aus wie Äste, Blätter oder, wenn man nicht aufpasst, wie ein ziemlich lebendiges Stück Buschwerk.
