EU investiert 13,5 Millionen Euro in El-Niño-Vorsorge für Afrika
Heute, am 6. November 2026, richtet sich der Blick an der Uni Saarland ungewöhnlich weit über den Campus hinaus: Die Europäische Union stellt 13,5 Millionen Euro bereit, damit sich Länder im östlichen und südlichen Afrika auf das erwartete Wetterphänomen El Niño vorbereiten können. Die Vereinten Nationen rechnen mit einem Ereignis von beispielloser Stärke – und möglicherweise verheerenden Folgen.
Das Geld soll dorthin fließen, wo die Risiken besonders groß sind. In Somalia sind 6 Millionen Euro für besser vorbereitete Evakuierungsstandorte sowie den Ausbau von Gesundheits- und Ernährungsangeboten vorgesehen. Kenia erhält 1 Million Euro, um die Vorsorge in besonders gefährdeten Gebieten zu stärken. Uganda bekommt ebenfalls 1 Million Euro zur Ausweitung laufender Hilfsmaßnahmen, während dort die Ernährungsunsicherheit anhält.
Geld für Vorsorge statt Hilfe im letzten Moment
Weitere 5,5 Millionen Euro sind für das südliche Afrika und die Region des Indischen Ozeans vorgesehen. Damit sollen vorausschauende Maßnahmen und frühzeitige Hilfen möglich werden. Also nicht erst reagieren, wenn Straßen überschwemmt, Felder verdorrt und Familien längst unterwegs sind.
El Niño ist ein natürliches Wetterphänomen im Pazifik, das alle zwei bis sieben Jahre auftritt. Verursacht wird es nicht durch den Klimawandel. Dessen Auswirkungen kann es allerdings verstärken – und genau darin liegt die Brisanz für Regionen, in denen Wasser, Nahrung und funktionierende Sozialsysteme ohnehin knapp sind.
Nach Angaben des EU-Klimawandeldienstes Copernicus lag die Meeresoberflächentemperatur im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik im Oktober bei 29,94 Grad Celsius. Das war ein Rekordwert und deutlich mehr als bei den früheren starken El-Niño-Ereignissen 2015/2016 und 1997/1998. Der Bericht von n-tv wurde am 6. November 2026 um 16:02 Uhr veröffentlicht.
Was frühere Ereignisse angerichtet haben
Beim El-Niño-Ereignis 2015/2016 waren durch Dürren und starke Regenfälle weltweit mehr als 60 Millionen Menschen betroffen. Mehrere afrikanische Staaten riefen den nationalen Notstand aus. Im südlichen Afrika war die Ernährung von über 40 Millionen Menschen gefährdet. Äthiopien erlebte die schlimmste Dürre seit 50 Jahren, 10 Millionen Menschen waren auf Ernährungshilfe angewiesen.
Auch außerhalb Afrikas waren die Folgen hart: In Haiti halbierten sich die Ernteerträge infolge der Trockenheit. Anhaltende Feuchtigkeit begünstigte in verschiedenen Regionen ein ungewöhnlich starkes Auftreten von Krankheiten wie Cholera und Dengue-Fieber.
Das El-Niño-Ereignis 2023/2024 traf vor allem bereits belastete Regionen. Weltweit waren schätzungsweise über 60 Millionen Menschen betroffen – durch Dürren, Überschwemmungen und steigende Lebensmittelpreise. Im südlichen Afrika führten ausbleibende Regenfälle zu massiven Ernteausfällen; mehr als 20 Millionen Menschen waren von akuter Ernährungsunsicherheit bedroht.
Dürre, Überschwemmungen und leere Felder
Im von Dürre betroffenen Ostafrika sorgten extreme Niederschläge später für Überschwemmungen. Hunderttausende Menschen wurden vertrieben, Infrastruktur wurde zerstört. In Lateinamerika, besonders im mittelamerikanischen „Trockenkorridor“, verschärfte El Niño bestehende Krisen; mehrere Millionen Menschen benötigten zusätzliche Nahrungsmittelhilfe.
Wetterextreme und Katastrophen zerstören zunehmend die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen. Hunger ist eine Folge, teilweise auch Migration. Ländliche Regionen trifft es besonders stark, weil dort Ernten, Vieh und Wasserstellen oft die gesamte Existenz sichern. Besonders verwundbar sind Gegenden mit hoher Armut, begrenztem Zugang zu Wasser und schwachen Sozialsystemen.
Ein mögliches El-Niño-Phänomen im Jahr 2026 könnte weitere Extremereignisse auslösen. In Somalia, Kenia und Uganda wird deshalb bereits geplant, bevor die nächste Wetterlage kippt. In den Seminarräumen der Uni Saarland klingt das nach nüchterner Vorsorge. Vor Ort kann es um einen Evakuierungsplatz, eine Mahlzeit oder die Frage gehen, ob ein Gesundheitszentrum den nächsten Ansturm überhaupt bewältigt.
