Rhein-Main-Universitäten werden ab 2027 Exzellenzuniversität
Für die Rhein-Main-Universitäten (RMU) beginnt ab 2027 ein neues Kapitel: Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die Goethe-Universität Frankfurt am Main und die Technische Universität Darmstadt erhalten gemeinsam den Titel „Exzellenzuniversität“. Für die drei Standorte geht es dabei nicht nur um Geld und Prestige, sondern um bessere Bedingungen für Forschung, Lehre und wissenschaftliche Karrieren.
Die Allianz besteht bereits seit 2015. Mehr als 90.000 Studierende und rund 1.500 Professuren arbeiten darin zusammen. Künftig sollen Studierende noch leichter den Studienort wechseln können, etwa für eine spezielle Lehrveranstaltung an einem anderen RMU-Standort. Für das RMU-Studium können sie sich bereits seit dem Wintersemester 2020/2021 einschreiben; zur Auswahl stehen mehr als 1.000 Veranstaltungen der drei Universitäten.
Mehr Forschung, mehr Wechselmöglichkeiten
Die Förderung im Rahmen der Exzellenzstrategie soll die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit verbessern und bessere Rahmenbedingungen für Spitzenforschung schaffen. Geplant sind strategische Berufungen von Professorinnen und Professoren sowie die Weiterentwicklung der gemeinsamen Forschungsinfrastruktur.
Hinzu kommen neue Studienangebote und zusätzliche Unterstützung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen. In sogenannten Masterclasses können fortgeschrittene Studierende an laufenden Forschungsprojekten der RMU-Partner teilnehmen. Für den Hochschulalltag bedeutet das: weniger starre Grenzen zwischen den drei Häusern, mehr Wege quer durch die Region.
Die RMU haben ihren gemeinsamen Antrag in der Förderlinie „Exzellenzuniversitäten“ eingereicht. Er trägt den Titel „RMU-EXCITE – Excellent. Collaborative. Transformative.“. Ziel ist es, die Allianz zu einem international führenden Zentrum für Spitzenforschung auszubauen und wegweisende Antworten auf komplexe wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln.
Wissenschaft soll nicht im Elfenbeinturm bleiben
Die drei Universitäten bekennen sich zu einer Forschungskultur, die Wissenschaft und Gesellschaft enger verbindet. Dialog, Teilhabe und die gemeinsame Gestaltung von Wissen sollen feste Bestandteile wissenschaftlicher Exzellenz sein. Auch Beschäftigte sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen besser gefördert werden. Gemeinsame und komplementäre Angebote in Forschung und Lehre, Synergien bei Infrastruktur und Wissenstransfer – daraus soll zugleich mehr Strahlkraft für die Rhein-Main-Region als Wissenschaftszentrum entstehen.
Ermöglicht wurde die Antragstellung durch den Erfolg in der Förderlinie „Exzellenzcluster“. Im Mai dieses Jahres wurden fünf RMU-Clusterinitiativen für eine Förderung ab 2026 bewilligt. Exzellenzcluster bearbeiten fachübergreifende Forschungsfelder langfristig, entwickeln Forschung und Infrastrukturen mit außeruniversitären Partnern weiter und können die Attraktivität einer Universität als Forschungs- und Studienort erhöhen.
Die Exzellenzstrategie von Bund und Ländern soll den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig stärken und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Umgesetzt wird sie gemeinsam von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Wissenschaftsrat. In der Förderlinie „Exzellenzcluster“ geht es um projektbezogene Unterstützung international wettbewerbsfähiger Forschungsfelder an Universitäten oder Universitätsverbünden. Die Linie „Exzellenzuniversitäten“ stärkt einzelne Universitäten oder Verbünde dauerhaft und soll ihre internationale Spitzenstellung in der Forschung ausbauen.
Ein Titel mit langen Prüfintervallen
Für eine Bewerbung als Exzellenzuniversität sind erfolgreiche Cluster die Grundlage: Einzeluniversitäten benötigen mindestens zwei, Universitätsverbünde mindestens drei. Ein Erfolg bringt neben finanzieller Unterstützung auch nationale und internationale Sichtbarkeit; international gilt das Programm als Förderung für wissenschaftliche Spitzeninstitutionen.
Die Exzellenzstrategie wurde 2016 von Bund und Ländern beschlossen. Ausgewählte Universitäten erhalten Fördermittel in Millionenhöhe. Im März 2026 qualifizierten sich neun bestehende Exzellenzuniversitäten und ein Exzellenzverbund für eine weitere Förderung. Nun berief die unabhängige Exzellenzkommission fünf weitere Universitäten beziehungsweise Verbünde: die Friedrich-Schiller-Universität Jena, das Ruhr Innovation Lab mit Ruhr-Universität Bochum und Technischer Universität Dortmund, die Rhein-Main-Universitäten, die Universität Freiburg und die Universität zu Köln.
Verkündet wurde das Ergebnis von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und Falko Mohrs, Wissenschafts- und Kulturminister Niedersachsens. Mohrs ist Vorsitzender beziehungsweise stellvertretender Vorsitzender der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz. Die Förderung ist dauerhaft angelegt, allerdings wird alle sieben Jahre geprüft, ob die Voraussetzungen noch erfüllt sind. Über die Vergabe entscheiden wissenschaftliche Auswahlverfahren der DFG und des Wissenschaftsrats im Auftrag von Bund und Ländern.
Ab 2027 stehen jährlich insgesamt 747 Millionen Euro zur Verfügung. Der Bund trägt 75 Prozent, 25 Prozent übernimmt jeweils das Sitzland des Exzellenzclusters beziehungsweise der Exzellenzuniversität. Evaluationen der bestehenden Exzellenzuniversitäten im März 2026 zeigten eine höhere internationale Sichtbarkeit in der Spitzenforschung, Fortschritte in angewandter Forschung und Wissenstransfer sowie Weiterentwicklungen bei Personal und Lehre. Auch bei Gleichstellung und Vielfalt gab es Fortschritte. Die Förderung wirkt dabei über die beteiligten Universitäten hinaus und kann anderen Hochschulen als Vorbild dienen.
Ob die Auszeichnung an der Mainzer Universität im Alltag sofort zu spüren ist? Vermutlich nicht zwischen Mensatablett und Seminarraum. Aber hinter den Kulissen wird bereits an neuen Forschungsstrukturen, Studienangeboten und Karrierewegen gearbeitet. Für Fragen zum Antrag sind die Projektleitungen unter exstra@rhein-main-universitaeten.de erreichbar. Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sind Annabel Bokern von der Stabsstelle Exzellenzstrategie der Goethe-Universität, Dr. Amelie Scheu vom Projekt Exzellenzstrategie der Johannes Gutenberg-Universität und Dr. Matthias Adam aus dem Dezernat Struktur und Strategie der TU Darmstadt.
Und während in Mainz, Frankfurt und Darmstadt die nächsten Schritte vorbereitet werden, dürfte an der Uni Saarland heute, am 17.10.2026, vor allem eine Frage hängen bleiben: Wie viel Rhein-Main passt eigentlich in einen normalen Studierendenkalender?
