Sturmtief Luise trifft Trier mit 102 km/h und legt Verkehr bundesweit lahm
Sturmtief „Luise“ ist am Freitag über Rheinland-Pfalz und das Saarland gezogen. Umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste und zahlreiche Feuerwehreinsätze prägten den Tag. Die Region Trier kam dabei vergleichsweise glimpflich davon: Nach bisherigem Kenntnisstand gab es dort keine Verletzten.
Ganz harmlos war der Sturm trotzdem nicht. Der Deutsche Wetterdienst hatte für die Hochlagen Sturmböen bis 85 km/h angekündigt. In Trier wurde am Freitagnachmittag eine Böe von 102 km/h gemessen – die stärkste Böe im Flachland von Rheinland-Pfalz und bundesweit die vierthöchste Windgeschwindigkeit während des Sturms.
Planen auf dem Unidach, Bäume auf den Straßen
An der Universität Trier lösten sich auf einer Dachbaustelle große Schutzplanen. Sie sollten Baumaterialien sichern, drohten unter dem Druck des Windes aber auf den Verkehr geweht zu werden. Die Berufsfeuerwehr rückte mit einer Drehleiter aus und befestigte die Planen unter starkem Wind wieder. Kein Einsatz für schwache Nerven.
In der Region beseitigten Feuerwehren und Straßenmeistereien zahlreiche Bäume und größere Äste. Bundes-, Landes- und Kreisstraßen waren deshalb zeitweise gesperrt oder beeinträchtigt. Betroffen war unter anderem die B 268 zwischen Trier-Feyen und Pellingen. Auf der L 151 zwischen Weiskirchen und Zerf landeten Bäume auf der Fahrbahn; weitere Einsätze gab es unter anderem in Neuhütten, Reinsfeld, Gutweiler und Pölert. Auch in den übrigen Landkreisen der Region wurden Sturmschäden beseitigt.
In Trier-Ruwer stürzten Bäume oder Äste auf Strom- und Telefonleitungen. In einigen Straßenzügen von Trier-Kürenz fiel zeitweise der Strom aus. Dazu kam reichlich Regen: Der DWD hatte im Hochwald bis zu 35 Liter pro Quadratmeter innerhalb von zwölf Stunden erwartet. An der Messstation Börfink wurden bis Samstagmorgen 24,9 Liter pro Quadratmeter gemessen. Hochwasser oder überflutete Straßen wurden in der Region nicht gemeldet.
Verletzte, blockierte Bahnstrecken und ein gesperrter Freizeitpark
International wurde „Luise“ „Austen“ genannt. Der erste kräftige Herbststurm des Jahres verletzte am Freitag vor allem im Westen und Südwesten Menschen und brachte den Bahnverkehr bundesweit durcheinander. In Nastätten im Rhein-Lahn-Kreis stürzte während eines Oktobermarkts am Freitagnachmittag ein schweres Gestell beziehungsweise Gerüst um. Zwei Menschen wurden schwer, teils lebensgefährlich verletzt; eine verletzte Person wurde mit einem Hubschrauber in eine Klinik gebracht.
Auch anderswo ging es glimpflich nicht immer aus. In Seligenstadt traf ein abgerissener Ast einen Radfahrer, der von der Feuerwehr befreit werden musste. In Lebach im Saarland verletzte ein Werbeschild einen Fußgänger leicht. Die Polizei registrierte im Saarland bis zum Abend 59 sturmbedingte Einsätze.
Der Bahnverkehr war durch zahlreiche Störungen beeinträchtigt. Am Karlsruher Hauptbahnhof geriet ein Gegenstand in die Oberleitung, Reisende berichteten von starkem Funkenflug. Bei Pforzheim prallte eine Regionalbahn mit mehreren hundert Fahrgästen gegen einen Ast und blieb auf der Strecke stehen. Bei Aachen saß ein ICE mit 280 Fahrgästen wegen eines Oberleitungsschadens fest und wurde von einer Diesellok zum Bahnhof Stolberg geschleppt. Umgestürzte Bäume blockierten Gleise bei Neuss und in Stuttgart.
In Duisburg kippten im gesamten Stadtgebiet Bäume um: Einer fiel auf einen Kiosk, weitere stürzten in Stromleitungen. Straßen mussten von Bäumen und Ästen geräumt werden, eine Autofahrerin fuhr in einen umgestürzten Baum. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde niemand verletzt; die Feuerwehr zählte rund 40 sturmbedingte Einsätze. In Remscheid beseitigte die Feuerwehr abgebrochene Äste und umgestürzte Bäume. An der A1 stürzte ein größerer Baum gegen eine Lärmschutzwand, die Fahrbahn Richtung Köln war zeitweise gesperrt.
Selbst der Europa-Park in Rust zog die Notbremse und schloss vorübergehend die großen Achterbahnen im Freien. Bei solchen Böen ist Achterbahnfahren ohnehin eine eher fragwürdige Zugabe.
„Manja“ kommt – und bringt neuen Regen
Im Laufe des Samstags sollte „Luise“ in Richtung Ostsee und Dänemark abziehen. Tagsüber ließ der Wind vorübergehend nach, an der Küste blieben Sturmböen möglich. Ab Samstagabend zog jedoch von Westen her das Tief „Manja“ heran, das nach Deutschland und in den Südwesten zieht und sich bis zum Ärmelkanal zu einem Orkantief entwickeln soll.
Für Sonntag warnte der DWD vor schweren Sturmböen bis 95 km/h sowie 30 bis 50 Litern Regen pro Quadratmeter innerhalb von zwölf Stunden. Die höheren Regenmengen würden den Unwetterbereich erreichen. In der Nacht zum Sonntag wurden kräftiger Regen und stark zunehmender Südwestwind erwartet; bis Sonntagvormittag konnte regional Regen in unwetterartigen Mengen fallen. Der Sonntag sollte außer im Südosten windig bis stürmisch werden.
Nach Angaben des DWD bleibt die Wetterlage wechselhaft und windig bis stürmisch. Ab der Nacht sind im Bergland und an der See Sturm sowie gebietsweise Dauerregen möglich. Ein Sturmtief zieht unter Abschwächung über Jütland zum Skagerrak und beeinflusst Deutschland zunächst mit seinem Windfeld, von Südwesten setzt vorübergehend eine leichte Wetterberuhigung ein. Am Sonntag erreichen neue Tiefausläufer Deutschland mit kräftigem Regen, milder Luft und stürmischem Wind.
Für heute werden stark böiger Südwest- bis Westwind sowie steife bis stürmische Böen der Stärke 7 bis 8 mit bis etwa 70 km/h erwartet. In exponierten Hochlagen und an der Nordsee sind einzelne Sturmböen der Stärke 9 bis etwa 85 km/h möglich, auf dem Brocken teilweise stärkere Böen. Einzelne markante Gewitter können heute Nachmittag und Abend über der Deutschen Bucht und im Küstenumfeld auftreten – mit Sturmböen der Stärke 8 bis 9, vereinzelt Stärke 10 beziehungsweise schwerem Sturm.
In der Nacht zum Sonntag nimmt der Süd- bis Südwestwind von Westen bis zur Mitte zu. Die Böen erreichen teilweise Stärke 7 bis 8, im Bergland je nach Höhenlage Sturm bis Orkan der Stärke 9 bis 12. An der Ostsee weht stürmischer Südwind der Stärke 8, nach Mitternacht zunehmend mit Sturmböen der Stärke 9. In der Deutschen Bucht wird schwerer Sturm der Stärke 10 erwartet, auf Helgoland unwetterartiger Sturm der Stärke 11.
Am Sonntag sind gebietsweise steife bis stürmische Böen der Stärke 7 bis 8 möglich, dazu einzelne Sturmböen der Stärke 9 aus Südwest bis West. An der See und im Bergland kann es Sturm mit einzelnen Böen der Stärke 10 bis 12 geben. Gewitter werden im Norden sowie vereinzelt über der Mitte und dem Süden erwartet, im Norden mit Sturmböen der Stärke 9, sonst überwiegend mit stürmischen Böen der Stärke 8.
Ab der Nacht zum Sonntag bis Sonntag tagsüber können in Staulagen der westlichen und zentralen Mittelgebirge 30 bis 50 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden fallen. Im Hochschwarzwald sind vereinzelt unwetterartige Mengen um 70 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden möglich. Gerade durch frühere Hitzewellen vorgeschädigte Bäume sind bei Sturm besonders gefährdet.
Sturmflutgefahr an der Küste
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie erwartet von Sonntag bis Montag deutlich erhöhte Wasserstände. In Hamburg könnte eine Sturmflut den tiefer gelegenen Fischmarkt überfluten. Auf Föhr wurde der Deichdurchlass am Hafen in Wyk geschlossen. Die Schnellfähren nach Helgoland fallen am Wochenende aus, die Halligen werden am Sonntag und Montag nicht angefahren.
Auch im Binnenland gelten Vorsichtsmaßnahmen: Köln und Aachen empfehlen, Wälder, Parks, Friedhöfe und Alleen zu meiden. In Erfurt bleiben die Friedhöfe das gesamte Wochenende geschlossen. Für Montag wird eine Wetterberuhigung erwartet.
Der DWD-Warnlagebericht wurde am 24.10.2026 um 11:23 Uhr aktualisiert. Er wird in der Regel um 04:30, 07:00,
