Uni Stuttgart, 27.10.2026 – In Deutschland kauft jeder Mensch pro Jahr etwa 15 bis 20 Kilogramm Kleidung. Vieles davon wird nur wenige Male getragen, manches entpuppt sich schon nach dem Auspacken als Fehlkauf. Im Schrank nimmt es Platz weg, im Altkleidercontainer beginnt dann die nächste Station.

Eigentlich sollte gut erhaltene Kleidung möglichst lange genutzt und weitergegeben werden. Denn den größten ökologischen Fußabdruck hinterlässt nicht das Waschen, sondern die Herstellung. Für ein einziges T-Shirt werden durchschnittlich rund 2.700 Liter Wasser verbraucht – und ungefähr so viel Energie wie für 14 Waschgänge bei 60 Grad. Das klingt plötzlich nicht mehr nach „nur einem Shirt“.

Was im Sortierbetrieb passiert

Altkleider aus Containern kommen zunächst in Sortierbetriebe. Die Striebel Textil GmbH in Langenenslingen erhält jährlich rund 24.000 Tonnen Kleidung. Etwa ein Drittel sortiert das Unternehmen selbst, den Rest verkauft es an andere Sortierbetriebe weiter. Rund 80 Mitarbeitende sortieren dort täglich ungefähr 35 Tonnen Textilien.

Am Anfang geht es noch grob zu: Hosen landen bei Hosen, Jacken bei Jacken, T-Shirts bei T-Shirts und Handtücher bei Handtüchern. Danach folgt die Feinsortierung. Zustand, Qualität, Aktualität und Modetrends spielen eine Rolle. Besonders hochwertige Stücke werden als „Creme-Ware“ eingestuft.

Bis zu 60 Prozent der angelieferten Kleidung und Schuhe sind noch tragbar. Diese Ware wird an Secondhand-Geschäfte in Deutschland und Europa sowie an Händler in Afrika und Lateinamerika verkauft. Rund ein Drittel der tragbaren Kleidung wird dafür zu Ballen gepresst und bis zum Versand in Schiffscontainern gelagert. Die Ballen stehen dort nicht einfach dekorativ herum: Sie warten auf ihre nächste Reise.

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Beschädigte oder zerrissene Kleidung kann noch zu Putzlappen und Dämmstoffen verarbeitet werden. Nur ein sehr kleiner Anteil, der sich nicht anderweitig verwerten lässt, wird verbrannt.

Wenn der Container zur Mülltonne wird

Immer häufiger landen allerdings Dinge im Altkleidercontainer, die dort nichts verloren haben: Elektrogeräte, Hausmüll, Flüssigkeiten und Essensreste. Verschmutzungen und Gerüche können dazu führen, dass Kleidung nicht mehr verwertbar ist. Nasse Ware schimmelt – im Extremfall wird dadurch der gesamte Inhalt eines Containers unbrauchbar. Ein feuchter Sack zwischen den Textilien, und plötzlich kippt die ganze Sache.

Für die Sortierbetriebe bedeutet das zusätzlichen Aufwand. Sie müssen ungeeignete Gegenstände und verdorbene Kleidung aussortieren, bevor die eigentliche Arbeit überhaupt beginnen kann. Das ist mühsam, kostet Zeit und verschlechtert die Qualität der verwertbaren Ware.

Das Problem mit Fast Fashion

Fast Fashion steht für schnell und günstig produzierte Kleidung, deren Angebot sich an aktuellen Trends orientiert. Früher gab es ungefähr vier saisonale Modezyklen im Jahr, bei Fast Fashion sind es etwa 50. Neue Teile erscheinen also beinahe im Wochentakt. Was heute noch angesagt ist, wirkt nächste Woche schon alt.

Hergestellt wird diese Kleidung häufig in Asien, teilweise wird sie per Flugzeug transportiert. Viele Stücke sind nicht auf lange Nutzung ausgelegt. Bei Produktion, Transport und Entsorgung entstehen erhebliche Umwelt- und Klimaauswirkungen; den größten Anteil der Emissionen verursacht die Produktion.

Besonders der wachsende Anteil schlecht verarbeiteter Ultra-Fast-Fashion belastet die Sortierbetriebe. Die Nähte solcher Kleidungsstücke öffnen sich oft bereits nach ein oder zwei Wäschen. Für den Secondhand-Handel taugen sie dann meist nicht mehr, als Recyclingmaterial lassen sie sich häufig ebenfalls nicht sinnvoll nutzen. Sortiert werden müssen sie trotzdem.

Viele Ultra-Fast-Fashion-Artikel werden kaum oder gar nicht getragen und bestehen aus minderwertigen, stark kunststoffbasierten Materialien. Für diese Kleidungsstücke gibt es meist auch nach der Abgabe im Altkleidercontainer keine realistische Möglichkeit auf ein zweites Leben. Im Sortierbetrieb bleiben dann vor allem Aufwand, Material und – irgendwie bitter – ein sehr kurzer Auftritt im Kleiderschrank.