Ein Krächzen über den Feldern, schwarze Vögel in den Baumkronen, dazu Beschwerden über Lärm und zu große Bestände: Das Verhältnis zwischen Menschen und Rabenvögeln ist selten entspannt. Ulrich Mäck möchte genau hier für mehr Gelassenheit werben. Der Biologe und ehemalige Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Donaumoos hat ein Buch über das schwierige Miteinander von Rabenvögeln und Menschen veröffentlicht.

Im Mittelpunkt stehen Saatkrähen, Elstern und weitere Vertreter der Familie. Mäck weist darauf hin, dass die Vögel auf landwirtschaftlichen Flächen inzwischen nicht mehr ausreichend Nahrung finden. Menschen fühlen sich vor allem dann gestört, wenn sie die Bestände als zu groß wahrnehmen. Das dpa-Foto zum Artikel zeigt die Tiere passend zu diesem Spannungsfeld; der Bericht erschien am 16. Oktober 2026.

Mehr als schwarzes Gefieder und lautes Krächzen

Raben und Krähen gehören zur Gattung Corvus, die 42 Arten umfasst. Trotz ihres Krächzens zählen sie zu den Singvögeln. Zur Familie gehören unter anderem Dohle, Elster, Eichelhäher, Kolkrabe sowie Raben- und Nebelkrähe.

Ihre Intelligenz ist längst nicht nur eine nette Tiergeschichte. Forschungen zeigen, dass Rabenvögel schnell lernen, zielgerichtet Werkzeuge einsetzen und komplexe Zusammenhänge begreifen. Eine mögliche Erklärung liegt in ihrer langen Kindheit: Jungvögel bleiben teils mehrere Jahre bei ihren Eltern und lernen in geschützter Umgebung.

Forschende des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte werteten zahlreiche Studien aus. Bei Unglückshähern in Schweden bleiben Jungtiere mitunter bis zu vier Jahre im Familienverband. Dort lernen sie, Raubfeinde zu erkennen und versteckte Nahrung aufzuspüren. Eine lange Jugendzeit steht laut der Studie mit höherer Lebenserwartung und größerem Fortpflanzungserfolg in Zusammenhang.

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Werkzeuge, Gedächtnis und ein ziemlich langer Plan

Geradschnabelkrähen in Neukaledonien lernen, selbst hergestellte Werkzeuge einzusetzen, um Maden aus engen Röhren zu holen. Die Eltern füttern ihren Nachwuchs etwa ein Jahr lang, während dieser die Werkzeuge beobachtet und ausprobiert. Einige Jungvögel bleiben sogar bis zu drei Jahre bei den Eltern.

Dass Rabenvögel nicht bloß nach dem Versuch-und-Irrtum-Prinzip handeln, zeigte ein anderes Experiment: Sie erkannten den Zusammenhang zwischen einem scheinbar selbstständig bewegten Stock und einem Menschen, der kurz darauf ein nahe gelegenes Versteck verließ. Verborgene Ursachen und Zusammenhänge können sie offenbar durch abstraktes Denken erschließen.

Auch an Gesichter erinnern sich die Tiere. Raben behalten Menschen, die sie gefangen haben, bis zu fünf Jahre im Gedächtnis. Beobachtende Raben reagieren später ebenfalls mit Angst auf deren Gesichter und können andere Raben vor gefährlichen Menschen warnen.

Forschende der Universität Tübingen prüften die Entscheidungsfähigkeit von Raben. Die Tiere sahen zunächst ein Bild und mussten anschließend aus zwei Bildern entweder das bekannte oder das unbekannte auswählen. Nach dem Training lag die Trefferquote bei nahezu 100 Prozent. Je nach Aufgabe wurden unterschiedliche Nervenzellen aktiv; die Aktivitätsmuster ähnelten denen von Primaten.

Noch eine Nummer erstaunlicher: Schwedische Forschende ließen Raben einen Stein in ein Eisenrohr legen, wodurch ein Belohnungsapparat ausgelöst wurde. Die Tiere konnten das passende Werkzeug bis zu 17 Stunden später auswählen und verzichteten dafür teilweise auf eine sofortige kleinere Belohnung. Laut dem Zoologen Mathias Osvath erfordert das Werkzeuggebrauch, Schlussfolgerungen, Gedächtnis und Selbstkontrolle. Raben könnten mindestens so gut planen wie Menschenaffen.

Wenn Krähen tüfteln

Die Liste ihrer Kunststücke ist lang. Japanische Krähen werfen Nüsse auf Straßen, besonders gern auf Zebrastreifen oder vor Ampeln, und sammeln sie ein, sobald die Autos angehalten haben. Oxford-Forschende zeigten 2009, dass Krähen bis zu drei Werkzeuge nacheinander einsetzen können, um an Nahrung zu gelangen. Einige lösten die Aufgabe im ersten Versuch.

Neukaledonien-Krähen halten Werkzeuge je nach Sehvermögen rechts oder links vom Schnabel, damit die Spitze im Sichtfeld des besseren Auges bleibt. 2018 stellten Krähen aus mehreren hohlen Stäbchen Werkzeuge her, ohne dies zuvor geübt zu haben.

Auch Steine werden zweckmäßig eingesetzt. Saatkrähen warfen Steine in einen Becher, um einen zu tief liegenden Wurm nach oben zu befördern. Neukaledonien-Krähen warfen Steine in einen mit Wasser gefüllten Zylinder, bis ein schwimmendes Korkstück mit Futter nach oben stieg. Forschende verglichen diese Leistung mit der Geschicklichkeit fünf- bis siebenjähriger Kinder.

Futterexperimente ergaben zudem, dass Krähen für den nächsten Tag planen können. Bei Versuchen zur Vorratshaltung versteckten Rabenvögel Nahrung gezielt in Räumen, in denen kein „Frühstück“ angeboten wurde, sowie in Räumen mit eingeschränktem Nahrungsangebot und der dort fehlenden Nahrungssorte. Beim Verstecken berücksichtigten sie, ob andere Tiere sie beobachten konnten.

Im Sozialverhalten setzen sie taktische Manöver ein und berücksichtigen offenbar, was Artgenossen wissen oder sehen. Untersucht hat das unter anderem der Biologe Thomas Bugnyar. Raben leben meist lebenslang mit demselben Partner zusammen; jährlich ziehen die Paare etwa zwei bis fünf Junge auf.

Zwischen Aas, Landwirtschaft und Missverständnissen

Jungvögel verlassen häufig früh das Nest und wirken dann verlassen. Die Eltern bleiben jedoch in der Nähe, füttern und verteidigen sie. Wer einen scheinbar hilflosen Jungvogel findet, sieht also nicht automatisch ein verlassenes Tier.

Wegen ihres Aasfressens gelten Raben seit jeher als „Galgenvögel“. Auf Schlachtfeldern wurden sie als Leichenfresser beobachtet, heute suchen sie unter anderem Mülldeponien auf. Der Vorwurf, sie würden Lämmer und Ferkel töten, hält sich ebenfalls hartnäckig. Raben halten sich oft bei Schweinen auf, weil dort Nahrung frei zugänglich ist. Lämmer gehören zwar zu ihrem natürlichen Beutespektrum, bevorzugt werden jedoch Totgeburten und Nachgeburten.

Rabenvögel finden schwache oder kranke Tiere teils Tage vor einer Diagnose. Landwirte beobachten, dass sie Tiere vor dem Auftreten von Lungenentzündung oder Durchfallerkrankungen attackieren. Der Zoologe Hans-Dieter Wallschläger sieht darin möglicherweise sogar einen Nutzen für die Nutztierhaltung.

Ganz ohne menschliche Stimme kommen manche Kolkraben ebenfalls nicht aus: Sie können einzelne Sätze nachsprechen und dabei den Dialekt ihres menschlichen Lehrers übernehmen. Ein Verständnis der gesprochenen Inhalte ist bislang allerdings nicht nachgewiesen.

An der Uni Ulm bleibt damit ein Thema, das irgendwo zwischen nächtlichem Krächzen, schwarzen Federn und erstaunlich klarem Denken liegt. Der bereitgestellte Inhalt der zusätzlichen PDF-Quelle enthält keinen lesbaren Nachrichtenartikel, sondern fragmentierte PDF-Rohdaten.