An der Universität Ulm ist zum Wintersemester 2026/27 der neue Masterstudiengang „Pharmaceutical and Molecular Biotechnology“ (PMB) gestartet. Vorgesehen waren zunächst 25 Plätze, eingeschrieben haben sich allerdings 44 Studierende. Das ist ein ziemlich deutlicher Auftakt für ein Fach, das Molekularbiologie, Pharmazie und datengetriebene Biotechnologie zusammenbringen will.

Im Mittelpunkt stehen Protein-, RNA- und zellbasierte Therapien, die Entwicklung pharmazeutischer Wirkstoffe sowie bioinformatische Methoden. Auch Künstliche Intelligenz kommt zum Einsatz – gezielt zur Analyse biologischer Daten und zur Entwicklung und Herstellung von Wirkstoffen. Der Studiengangverantwortliche Dierk Niessing verweist dabei auf die Bedeutung der Region Ulm-Biberach als Pharmastandort. Das Studium soll ausdrücklich auf den regionalen Arbeitsmarkt ausgerichtet sein.

Vom Molekül bis zur Produktion

Das Curriculum reicht von Molekularbiologie, Stammzell- und Organoidforschung über Bioinformatik bis zu Pharmakologie und Toxikologie. Dazu kommen Biochemie, Endokrinologie und Virologie. Prozessentwicklung, Produktion und Qualitätssicherung gehören ebenfalls dazu – also nicht nur die Frage, wie ein Wirkstoff im Labor entsteht, sondern auch, wie er verlässlich hergestellt und geprüft wird.

Ein Schwerpunkt liegt auf RNA-, Protein- und Stammzell-basierten Therapien. Studierende beschäftigen sich mit der Entwicklung pharmazeutischer Wirkstoffe und lernen, biologische Daten mit bioinformatischen Verfahren auszuwerten. KI wird dabei nicht als Selbstzweck verstanden, sondern dort eingesetzt, wo sie bei der Forschung und Entwicklung tatsächlich weiterhelfen kann.

Die reguläre Studiendauer beträgt vier Semester. Lehrveranstaltungen finden auf Deutsch und Englisch statt; für die Zulassung sind deutsche Sprachkenntnisse auf mindestens C1-Niveau erforderlich. Bewerben können sich Interessierte mit einem Bachelorabschluss mindestens der Note 2,7 in Biologie, Biochemie, Biotechnologie, Molekularer Medizin oder einem verwandten Fach.

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Praktisch nah an der Industrie

Die Masterarbeit kann in einem Industrieunternehmen angefertigt werden. Bereits davor ist ein Praktikum in der jeweiligen Unternehmensarbeitsgruppe möglich. So sollen Studierende, Unternehmen und Universität enger zusammenarbeiten – und die Inhalte des Studiums nicht irgendwo im Lehrbuch stecken bleiben, sondern mit der Praxis verzahnt werden.

Berufliche Perspektiven gibt es in der biopharmazeutischen Forschung und Entwicklung, in der biotechnologischen und pharmazeutischen Industrie, in der Bioinformatik sowie bei der KI-gestützten Datenanalyse in den Lebenswissenschaften. Auch akademische Forschung und eine Promotion kommen infrage.

Der PMB-Studiengang löst den früheren kooperativen Studiengang „Pharmazeutische Biotechnologie“ der Universität Ulm und der Hochschule Biberach ab. Dessen Inhalte und Strukturen wurden weiterentwickelt. Geblieben ist die Verbindung von Grundlagenforschung, angewandter Entwicklung und industrieller Perspektive – nur ist sie jetzt breiter auf Moleküle, Zellen und Daten gespannt.

Auslandssemester mit eingebautem Zeitfenster

Ein „Mobilitätsfenster“ soll Auslandsaufenthalte erleichtern und die vollständige Anrechnung der erbrachten Leistungen ermöglichen. Studierende der Universität Ulm können ein oder zwei Semester an zahlreichen ausländischen Hochschulen verbringen. Innerhalb Europas sind Bewerbungen über das ERASMUS-Programm möglich, daneben gibt es Optionen an außereuropäischen Universitäten.

Wer nicht einfach Vorlesungen an einer anderen Hochschule besuchen möchte, kann dort alternativ ein Praktikum oder eine Abschlussarbeit durchführen. Die Universität Ulm unterhält Austauschabkommen mit mehr als 100 Universitäten in 26 Ländern. Im Fachbereich Biologie bestehen zusätzlich zu den allgemeinen Vereinbarungen weitere spezielle Austauschprogramme. Für manche dürfte das die angenehmere Variante sein: raus aus dem gewohnten Labor, rein in eine andere Forschungsgruppe – und hoffentlich mit anrechenbaren Leistungen wieder zurück.

Einordnung: Biotechnologie beginnt oft breiter

Der neue Master lässt sich auch vor dem Hintergrund interdisziplinärer Bachelorangebote verstehen. Der Bachelorstudiengang Biotechnologie/Biopharmazeutische Technologie an der Technischen Hochschule Mittelhessen ist beispielsweise breit angelegt und vermittelt Grundlagen in Biologie, Chemie, Mathematik und Physik sowie in Mikro- und Molekularbiologie und Biochemie.

Ergänzend geht es dort um Verfahrenstechnik, Zellkulturtechnik, Bioverfahrenstechnik, Bioanalytik, Prozessanalytik und pharmazeutische Technologie. Studierende lernen, naturwissenschaftliche Erkenntnisse technisch zu nutzen: biologische Prozesse im Labor untersuchen, in technische Produktions- oder Pharmaprozesse übertragen und anschließend optimieren. Das klingt trocken, ist im Labor aber ziemlich handfest – Pipetten, Messwerte, Fehlersuche.

In modern ausgestatteten Laboren werden aktuelle biotechnologische Methoden praktisch erprobt und Experimente durchgeführt. Wahlpflichtfächer eröffnen Raum für persönliche Interessen und aktuelle Themen der Biotechnologie und Pharmazeutik. Im weiteren Studienverlauf wenden die Studierenden ihre Kenntnisse auf konkrete Fragestellungen an. Eine berufspraktische Phase ermöglicht erste Erfahrungen in einem Unternehmen oder an der Hochschule und gibt Einblicke in mögliche Berufsfelder.

Behandelt werden dabei verschiedene Ebenen der Biotechnologie: vom Molekül über den Prozess bis zur praktischen Anwendung. Genau an dieser Schnittstelle setzt der PMB-Master in Ulm an – mit Therapien, Daten, Produktionsfragen und einem ziemlich vollen Stundenplan.