PH:regBi: Wie Schulen Planetare Gesundheit in konkretes Handeln übersetzen
Heute, am 3. November 2026, ist an der Universität Vechta ein dreijähriges Verbundprojekt offiziell zu Ende gegangen. Bei der Fachtagung zu „Planetary Health und BNE in der regionalen Bildung“ – kurz PH:regBi – ging es um eine Frage, die längst im Schulalltag angekommen ist: Wie lassen sich die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels so vermitteln, dass daraus nicht bloß Prüfungswissen, sondern konkretes Handeln entsteht?
Gefördert wurde das Projekt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), beteiligt waren die Universitäten Vechta und Gießen. Entwickelt wurden praxisnahe Unterrichtskonzepte, frei zugängliche Lernmaterialien und Ansätze, mit denen Kinder und Jugendliche an Entscheidungen beteiligt werden können. Denn Kommunen und Schulen stehen vor zunehmenden Hitzewellen, Starkregenereignissen und der Ausbreitung neuer Krankheitsüberträger wie der Tigermücke.
Wenn Gesundheit vom Zustand der Umwelt abhängt
Das Projekt verknüpfte das Konzept der „Planetaren Gesundheit“ mit Bildung für nachhaltige Entwicklung, kurz BNE. Gemeint ist der Zusammenhang zwischen menschlicher Gesundheit und dem Zustand der Ökosysteme. Klingt zunächst groß – wird aber ziemlich konkret, sobald es im Klassenraum um überhitzte Schulhöfe, Starkregen oder die Frage geht, wie Landwirtschaft künftig Ernährung sichern kann.
Vechtas stellvertretender Bürgermeister Philip Wilming betonte die Bedeutung des Projekts für die kommunale Praxis. Am Beispiel der Planungen für den Klimapark Stukenborg beschrieb er das Zusammenspiel von Bürgerbeteiligung, Umweltbildung und wissenschaftlicher Begleitung. Prof. Dr. Karl Martin Born ordnete PH:regBi in den Forschungskontext ein und verwies darauf, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in frei nutzbare Open Educational Resources, also OER, überführt wurden.
Das interdisziplinäre Projektteam umfasste unter anderem Geographiedidaktiker und medizinische Netzwerke wie das „KLUG-Bündnis“. Geleitet wurde das Vorhaben von Prof. Dr. Leif Mönter, Prof. Dr. Christian Wittlich und Dr. Hannah Lathan.
- gesundheitliche Risiken von Hitzewellen
- Folgen von Starkregen
- Veränderungen in der Landwirtschaft im Zusammenhang mit Ernährungssicherung
- Ausbreitung invasiver Arten, der sogenannten Neobiota
Diese vier Bereiche bilden die thematische Grundlage der entwickelten Unterrichtsmodule. In einer abschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Caroline Schmidt, ging es dann um die praktische Umsetzung – und um die Hürden, die dabei im Weg stehen.
Vom Faktenwissen zum Handeln
Prof. Dr. Carsten Butsch sagte, gesundheitsbezogene Geographie und planetare Ansätze gewännen in der universitären Ausbildung an Bedeutung, müssten aber noch stärker verbreitet werden. Dr. Hannah Lathan warnte davor, dass Geographieunterricht bei isoliertem Faktenwissen über den Klimawandel stehen bleibt. Schülerinnen und Schüler sollten lernen, Wissen in Transformations- und Handlungswissen zu überführen. Die Projektmodule sollen dafür Studierenden und Lehrkräften konkrete Werkzeuge geben.
Wie das aussehen kann, schilderte Dr. Dorothee Belling von der Ludgerus-Schule Vechta. Dort kamen praktische Projekte zum Einsatz, etwa der Bau einer „Käferburg“. Wer selbst Holz stapelt, Materialien anfasst und beobachtet, welche Tiere auftauchen, versteht ökologische Kreisläufe oft anders als nach einer Unterrichtsstunde mit Arbeitsblatt. Durch praktisches Arbeiten und eigenes Erleben können Schülerinnen und Schüler Handlungskompetenz entwickeln.
Ganz reibungslos läuft das nicht. Starre Lehrpläne, Zeitmangel und begrenzte Budgets bremsen Schulen aus. Wahlpflichtbereiche und Projekttage schaffen zwar gewisse Freiräume, reichen nach Einschätzung der Beteiligten aber nicht für eine flächendeckende Umsetzung.
Die Schülerinnen und Schüler selbst forderten mehr Verbindlichkeit und Mitsprache über die Schule hinaus. Sie wollen etwa bei der Planung von Schulhöfen, Spielplätzen und städtischen Grünflächen beteiligt werden. Jugendliche sollten dabei als Experten ihrer eigenen Lebenswelt gelten, nicht nur als Betroffene. Über ihre Familien können sie schulisch erworbenes Wissen außerdem als Multiplikatoren weitertragen.
Was Schulen gegen Hitze planen können
Eine praktische Ergänzung zum Themenfeld ist ein standortbezogener Hitzeschutzplan. Er legt fest, wie sich eine Schule gemeinsam mit dem Schulträger auf Hitzeereignisse vorbereitet und die Gesundheit von Schülerinnen, Schülern und Schulpersonal schützt. Dabei zählen die örtlichen, baulichen und organisatorischen Bedingungen – ein Altbau mit wenig Schatten braucht schließlich andere Lösungen als ein moderner Campus mit begrünten Außenflächen.
Kurzfristig geht es darum, die Trinkwasserversorgung sicherzustellen, vorhandene Verschattung zu nutzen, die Lüftung zu organisieren und die Unterrichtsorganisation anzupassen. Mittelfristig können Sonnenschutz und Begrünung von Schulgelände und Gebäuden verbessert sowie organisatorische Abläufe verändert werden. Langfristig stehen bauliche und technische Klimaanpassungen an, darunter ein besserer sommerlicher Wärmeschutz und außenliegender Sonnenschutz.
Empfehlungen zur Erstellung eines standortbezogenen Hitzeschutzplans unterstützen Schulen bei dieser Planung. Sie sind als Orientierung gedacht und sollen gemeinsam mit dem Schulträger an die jeweiligen örtlichen, baulichen und organisatorischen Gegebenheiten angepasst werden. Die KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e. V. entwickelte gemeinsam mit der Bayerischen Landesärztekammer und dem Helmholtz Zentrum München einen Musterhitzeschutzplan, der Schulen bei der standortbezogenen Planung und Umsetzung von Hitzeschutzmaßnahmen hilft.
Auch die dreiteilige Online-Veranstaltungsreihe „Hitzeschutz an Schulen“ der KLUG-AG Hitzeresiliente Schulen nimmt sich des Themas an. Die Arbeitsgruppe gehört zur KLUG, einem Netzwerk von Fachleuten aus Wissenschaft, Medizin und Gesundheitswesen zum gesundheitsbezogenen Umgang mit den Folgen des Klimawandels.
- „Hitzeresiliente Schulen 1: Grundlagen für den Hitzeschutz an Schulen“
30. September 2026, 16:30–18:00 Uhr. Auf dem Programm stehen Hitzegefahren in Deutschland, gesundheitlicher Hitzeschutz, der Musterhitzeschutzplan und Pilotprojekte. Impulse geben Karsten Schwanke, Prof. Dr. Christian Gunga, Dr. Christof Wettach, Dr. Franziska Matthies-Wiesler, Ines Heinz und Arne Kahl. - „Hitzeresiliente Schulen 2: Auswirkungen auf Kinder und Schule“
19. Oktober 2026, 16:30–18:00 Uhr. Behandelt werden pädiatrische, psychologische und pädagogische Perspektiven. Als Impulsgebende sind Dr. Christof Wettach, Dr. Patrick Hetzel, Dr. Cecilia Scorza und Prof. Dr. Harald Lesch genannt. - „Hitzeresiliente Schulen 3: Praktische Umsetzung“
17. November 2026, 16:30–18:00 Uhr. Die Veranstaltung widmet sich der Einbindung von Kollegium, Aufsichtsbehörden, Schulträgern, Eltern und Schülern, der Arbeit mit Musterhitzeschutzplänen und Materialien sowie dem Sport bei Hitze. Impulse kommen von Dr. Gerald Quitterer, Dr. Eva Dreher, PD Michael Barker, Dr. Franziska Matthies-Wiesler, Ines Heinz und Arne Kahl.
Für die Veranstaltungen werden Anmeldung und weitere Informationen angeboten. Die Unterrichtsmaterialien aus PH:regBi bleiben dauerhaft kostenfrei verfügbar, und auch die während des Projekts aufgebauten Netzwerke sollen fortbestehen. Weitere Informationen, Ansprechpartner und die Materialien stehen unter www.uni-vechta.de/phregbi.
