Die Dörken Gruppe aus Herdecke übernimmt die J.W. Ostendorf GmbH & Co. KG (JWO) aus Coesfeld. Die Mitteilung dazu veröffentlichte Dörken am 15. Oktober 2026; heute, am 16. Oktober, ist der Schritt auch für die Farbenbranche ein Gesprächsthema – bis nach Witten, an die Uni.

Verkäufer ist Fidelium Partners. Der Finanzinvestor hatte JWO 2024 im Rahmen eines Corporate Carve-outs vom dänischen Beschichtungshersteller Hempel erworben und das Unternehmen anschließend organisatorisch, operativ und strategisch weiterentwickelt. Nun bekommt JWO mit Dörken einen langfristig orientierten strategischen Eigentümer. Angaben zu Umsatz, Mitarbeiterzahl, Kaufpreis und Abschlussdatum der Transaktion gibt es nicht.

Zwei Unternehmen, unterschiedliche Stärken

J.W. Ostendorf wurde 1948 gegründet und produziert Farben und Lacke für Handel und Industrie. Die Jahreskapazität liegt bei mehr als 200 Millionen Litern. Seine Schwerpunkte liegen im Do-it-yourself-Bereich, bei Eigenmarken und in der Lohnfertigung. Dörken bringt dagegen unter anderem die Marken LUCITE® und CWS WERTLACK, Forschungs- und Entwicklungskompetenz sowie Erfahrung im Profi-Handwerk und im Profisegment ein.

Gemeinsam wollen die Unternehmen Innovationen schneller entwickeln, den Kundennutzen erhöhen und ihre Position im europäischen Farbenmarkt stärken. Als gemeinsame Werte nennen sie Qualität, Kundennähe, unternehmerische Verantwortung und langfristige Orientierung. Klingt nach großen Worten, soll aber offenbar ziemlich bodenständig umgesetzt werden: Die Unternehmenskultur, der Unternehmergeist und die Nähe zu Kunden von JWO sollen erhalten bleiben.

„JWO hat sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und steht heute für operative Exzellenz“, erklärte Thorsten Koch, Vorstand der Ewald Dörken AG und CEO von Dörken Coatings. JWO-CEO Jan Ostendorf sagte, Dörken teile die Werte des Unternehmens und schätze dessen Stärken. Er dankte Fidelium Partners sowie den Mitarbeitenden, Kunden, Lieferanten und Partnern für die Zusammenarbeit.

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Eigenständig – und doch enger verbunden

Die beiden Gesellschaften sollen weiterhin eigenständig arbeiten. Ihre Märkte bearbeiten sie unabhängig voneinander, in eigenen Gesellschaften, mit eigener Leitung und mit Strukturen, die auf die jeweiligen Marktbedürfnisse zugeschnitten sind.

Auch geografisch bleibt zunächst vieles am vertrauten Platz: Die Entwicklung und Vermarktung der Profiprodukte sowie die Pigmentpastenproduktion bleiben in Herdecke. Die Produktion von Bautenfarben bleibt in Coesfeld. JWO soll sich künftig zugleich stärker als Produktions- und Logistikplattform für andere Unternehmen der Farbenbranche öffnen.

Dörken will die Entwicklung von JWO fortführen, ohne dessen gewachsene Stärken und Identität glattzubügeln. Für Ostendorf ist das offenbar der entscheidende Punkt: Unternehmenskultur und Kundennähe sollen bleiben. Durch die Übernahme erhoffen sich beide Seiten neue Chancen für Wachstum, Innovation und nachhaltigen Erfolg.

Dominik Beck und David Burresi von Fidelium Partners erklärten, Dörken sei als langfristiger Eigentümer ausgewählt worden. Fidelium ist auf Mehrheitsbeteiligungen an mittelständischen Unternehmen spezialisiert und verwaltet zwei Fonds mit zusammen 253 Millionen Euro.

Ein Markt in Bewegung

Der Eigentümerwechsel fällt in eine Phase, in der sich der M&A-Markt der Farben- und Lackindustrie 2025 und 2026 deutlich verändert hat. Nach einer zurückhaltenden Zeit – hohe Zinsen, schwache Baukonjunktur und volatile Rohstoffmärkte bremsten die Branche – kehrten große Transaktionen zurück. Im Mittelstand lief die Konsolidierung weniger öffentlich weiter. Nachfolgefragen blieben dort ein wichtiges Thema.

Gleichzeitig sank die Verkaufsmenge der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie laut Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL) 2025 um 2,8 Prozent. Besonders Bauten- und Druckfarben waren betroffen. Als Motive für Übernahmen und Zusammenschlüsse gelten Skalierung, Synergien und strategische Neupositionierung.

Drei große Vorgänge sollen die Branchenstruktur langfristig prägen: BASF verkaufte seine Coatings-Sparte an Carlyle und die Qatar Investment Authority, Akzo Nobel und Axalta planten einen Zusammenschluss, und der Beschichtungsspezialist Stahl wurde von Henkel übernommen. Die gemeinsame Richtung dahinter: Weg von breit aufgestellten Konglomeraten, hin zu fokussierten Spezialisten oder globalen Größen.

BASF, Akzo und Axalta: die großen Karten

BASF unterzeichnete am 10. Oktober 2025 den Verkauf seiner Lacksparte an den Finanzinvestor Carlyle und den Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA). Die EU-Kommission genehmigte die Transaktion am 4. Juni 2026 unter einer Auflage: Carlyle muss das weltweite Polysulfid-Geschäft von Nouryon, einer bestehenden Beteiligung, veräußern.

Der Grund liegt in der Marktstellung des Materials. Nouryon ist einer von weltweit nur zwei Polysulfid-Lieferanten. Polysulfide sind ein wichtiger Rohstoff für Aerospace-Dichtstoffe, während BASF Coatings als Dichtstoffhersteller ein bedeutender Abnehmer ist. Die EU sah deshalb das Risiko einer wettbewerbsschädlichen vertikalen Verflechtung.

Zu BASF Coatings gehören Fahrzeugserienlacke (OEM), Autoreparaturlacke (Refinish) und Oberflächentechnik. Die Sparte beschäftigt rund 6.000 Mitarbeiter und erzielt etwa 3,8 Milliarden EUR Umsatz. BASF behält 40 Prozent an dem Geschäft und erhält rund 5,8 Milliarden EUR in bar. Der Verkauf gilt als Rückzug von BASF aus dem eher rohstoffnahen Lackgeschäft – und als Investitionssignal Carlyles für die Lackindustrie.

Akzo Nobel und Axalta kündigten am 18. November 2025 eine Fusion als „Merger of Equals“ an. Am kombinierten Unternehmen sollen Akzo-Nobel-Aktionäre 55 Prozent und Axalta-Aktionäre 45 Prozent halten. Geplant sind rund 17 Milliarden USD gemeinsamer Umsatz, ein geschätztes Synergiepotenzial von 600 Millionen USD und ein globaler Marktführer in der Beschichtungsindustrie.

Im April 2026 versuchten Nippon Paint und Sherwin-Williams, die Fusion mit zwei Barangeboten zu verhindern. Das zuletzt angebotene Gebot lag bei 73 EUR je Akzo-Nobel-Aktie und entsprach einem Barangebot von 12,5 Milliarden EUR. Der Plan sah eine Aufspaltung von Akzo Nobel vor: Nippon Paint sollte Dekorfarben und Industrielacke übernehmen, Sherwin-Williams Automotive-, Marine- und Pulverlacke.

Der AkzoNobel-Vorstand lehnte beide Angebote ab. Der Preis bilde den Unternehmenswert unter Einbeziehung der möglichen Axalta-Synergien nicht angemessen ab, lautete die Begründung. Nippon Paint und Sherwin-Williams beendeten ihre Übernahmebemühungen offiziell am 3. Juni 2026. Der Bieterwettbewerb zeigte, welche strategische Bedeutung große börsennotierte Lackkonzerne haben – und dass internationale Käufer dafür hohe Prämien zu zahlen bereit sind.