In einer Welt, die oft zu hektisch und oberflächlich erscheint, stellen sich besonders Menschen mit kognitiven Einschränkungen häufig existenzielle Fragen. Wie kann ich am religiösen Leben teilnehmen? Was gibt meinem Leben Sinn? Diese grundlegenden Fragen stehen im Fokus eines interdisziplinären Projekts der Universität Witten/Herdecke, in Zusammenarbeit mit der katholischen und evangelischen Kirche. Das Ziel? Menschen mit Behinderung die Teilhabe an religiösen und spirituellen Angeboten zu erleichtern.

Ein zentrales Hindernis für viele Betroffene ist oft die nicht barrierefreie Sprache und Struktur der bestehenden Angebote. Um dem entgegenzuwirken, wurden zwei Materialien entwickelt. Die Handreichung mit dem Titel „Ich habe Fragen – Ich möchte mitmachen. Meine Spiritualität begleitet“ richtet sich in Alltagssprache und einfacher Sprache an Betroffene. Sie erklärt verschiedene Unterstützungsformen wie religionssensible Assistenz und Seelsorge. Um die individuellen Bedürfnisse zu erkennen, konnten Menschen mit Behinderung mithilfe eines speziellen Karten-Sets ihre Wünsche und Vorstellungen zur Teilhabe an Gottesdiensten, Gebeten oder Gemeinden besser formulieren.

Vielfalt der religiösen Angebote

In christlichen Einrichtungen der Behindertenhilfe sind religiöse Routinen weit verbreitet. Diese ermöglichen es gerade jenen, die häufig mit komplexen Behinderungen leben, eine Verbindung zur Spiritualität zu finden. Oftmals sind die Angebote zur Seelsorge und zum Austausch über religiöse Themen jedoch begrenzt. Diese Erkenntnis unterstreicht die Wichtigkeit, den Zugang zur Vielfalt religiösen Lebens für Menschen mit Behinderung nicht nur zu erhalten, sondern aktiv zu fördern. Dabei spielen sinnlich-emotionale Zugänge und der Einsatz von religiösen Symbolen – seien es Kerzen, Wasser oder Kreuze – eine große Rolle. Diese fördern nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch die ideelle Auseinandersetzung mit Glauben und Spiritualität.

Das Projekt der Universität Witten/Herdecke zielt darauf ab, solche Erfahrungen zugänglicher zu machen. Darüber hinaus bietet es den Assistenzpersonen wertvolle Anleitungen, wie sie Menschen mit Behinderungen in ihrer spirituellen Suche unterstützen können. Die Bedeutung der Materialien, die seit etwa einem Jahr entwickelt werden, hebt Prof. Dr. Arndt Büssing hervor: Sie sollen den Betroffenen helfen, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und darüber ins Gespräch zu kommen. Mareike Gerundt ergänzt, dass die Teilhabe an Religion und Spiritualität ein Grundrecht für alle Menschen sei.

Seelsorge und Unterstützung

Im Rahmen der Seelsorge im Erzbistum Paderborn engagieren sich Seelsorgerinnen und Seelsorger, um Menschen mit Behinderungen sowie deren Angehörige und Betreuer seelsorgerlich zu unterstützen. Die Seelsorge wird als ein wesentlicher Auftrag der Kirche verstanden, der Nähe zu den Menschen und die Verkündigung des Evangeliums umfasst.

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Die Teilhabe an religiösen Angeboten wird hierbei als Menschenrecht betrachtet. Es gilt, den Betroffenen durch persönliche Gespräche und vielfältige seelsorgerische Angebote zur Seite zu stehen. Rituale und Gemeinschaftserlebnisse, etwa während religiöser Feste wie Weihnachten oder Ostern, finden besondere Beachtung. Solche Ereignisse fördern nicht nur die Identität der Menschen, sie helfen auch dabei, eine Gemeinschaft zu schaffen, die über die Sorgen und Nöte der anderen hinwegsehen kann.

Die Materialien des Projekts sind nicht nur kostenlos online verfügbar, sondern können auch als Printversion bestellt werden. So wird ein weiterer Schritt unternommen, um die Barrieren abzubauen, die oft zwischen Menschen mit kognitiven Einschränkungen und der spirituellen Welt stehen.