Im Botanischen Garten der Universität Bielefeld ist die Lage der Feuersalamander weiterhin unübersichtlich. Seit Herbst 2025 breitet sich dort der aus Asien stammende Pilz Batrachochytrium salamandrivorans, kurz Bsal, aus. Vor dem Ausbruch lebten in dem Garten rund 21.000 Tiere – vermutlich die größte Feuersalamander-Population Deutschlands.

Bei den nächtlichen Zählungen werden inzwischen nur noch etwa zehn Prozent der früher üblichen Tierzahl entdeckt. Im Herbst 2023 waren in einer Nacht noch 388 Salamander gezählt worden, 2026 lag der Rekord bei fünf Tieren an einem Abend. Im vergangenen Jahr fanden Forschende etwa 50 tote Tiere. Die Pilzerkrankung wird deshalb häufig „Feuersalamanderpest“ genannt.

Die Universität weist allerdings darauf hin, dass der Rückgang der Sichtungen nicht automatisch bedeutet, dass neun von zehn Tieren gestorben sind. Die Stadt hatte zunächst genau das angegeben, korrigierte diese Darstellung später. Viele Salamander halten sich unterirdisch auf, und wie viele tatsächlich überlebt haben, ist offen.

Gesunde Tiere, Larven – und viele offene Fragen

Das Forschungsteam der Universität beobachtet die Tiere seit Jahren und zählt mindestens wöchentlich nachts, am liebsten bei Regen. Jedes gefundene Tier wird fotografiert und anhand seines individuellen gelb-schwarzen Fleckenmusters in einer Datenbank wiedererkannt. 2026 wurden bislang keine toten, aber 20 lebende und äußerlich nicht infizierte Tiere gefunden. Unter ihnen sind vermutlich viele trächtige Weibchen.

Die früheren Schwerpunktgebiete, etwa Trockensteinmauern mit tiefen Gängen ins Erdreich, wirken inzwischen weitgehend verwaist. Die meisten toten Salamander wurden dort gefunden. Lebende Tiere tauchen derzeit eher an den Randbereichen des Gartens auf, wo früher weniger Salamander lebten. Bei einer nächtlichen Suche wurde einmal kein ausgewachsenes Tier entdeckt – eine ernüchternde Bilanz nach Jahren voller gelb-schwarzer Tupfen.

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In einem kleinen Gewässer fanden die Forschenden Larven. Das spricht dafür, dass es noch gesunde Weibchen gibt, die sich fortpflanzen. Im Wasser sind die Larven vor Bsal geschützt; sobald sie sich zu erwachsenen Tieren entwickeln, können sie sich jedoch infizieren. Auch einzelne gesunde erwachsene Tiere und möglicherweise tragende Weibchen wurden im Botanischen Garten beobachtet.

Seit dem Frühjahr 2026 wurden dort keine weiteren symptomatischen oder verendeten Tiere festgestellt. Was diese Beobachtungen für die Gesamtpopulation bedeuten, ist noch nicht klar. Die Universität wertet die Sichtungen von 2026 aus und will auf Grundlage der seit 2022 erhobenen Daten mit mathematischen Modellen schätzen, wie viele Salamander noch im Botanischen Garten leben. Bürgerinnen und Bürger können eigene Fotos gesichteter Tiere an die Universität schicken.

Die Stadt lehnt eine separate Zucht vorerst ab

Eine Regionalgruppe der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde hatte angeboten, aus gesunden Larven eine geschützte Zuchtpopulation aufzubauen. Die Stadt Bielefeld nutzt dieses Angebot derzeit nicht. Larven werden momentan nicht entnommen, um sie separat aufzuziehen und später wieder auszuwildern.

Die Linke in Gadderbaum hatte sich nach dem Zustand der Population und dem nicht aufgegriffenen Hilfsangebot erkundigt. Carsten Strauch fragte, warum der alternative Rettungsansatz nicht unterstützt werde. Umweltamtsleiterin Tanja Möller verwies darauf, dass es nicht nur eine Population in Gadderbaum gibt. Der Ostwestfalendamm trennt unter anderem verschiedene Vorkommen.

Eine weitere Population lebt in den Bethelwäldern nahe dem Freibad Gadderbaum. Dort wurden offenbar schon länger keine Tiere mehr gesichtet. Im Botanischen Garten gibt es dagegen weiterhin einzelne Nachweise und Larvenfunde.

Das Umweltamt orientiert sich laut Möller an den Empfehlungen des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima NRW, kurz LANUK, sowie der Bezirksregierung Detmold. Beide Behörden haben wegen zahlreicher ungeklärter Fragen bislang keine Empfehlung für eine solche Maßnahme bei Feuersalamandern ausgesprochen. Befürworter einer Zucht sehen in der Larvenentnahme die Chance, Tiere aus dem vorhandenen Genpool über Jahrzehnte zu sichern und nach einem Abklingen der Infektion wieder auszuwildern.

Andere Fachleute warnen dagegen, die Entnahme könne die aktuelle Population zusätzlich schwächen. Sie hoffen, dass die verbliebenen Tiere eine natürliche Widerstandsfähigkeit gegen den Pilz entwickeln. Außerdem sei der Genpool möglicherweise nicht so einheitlich, wie teilweise angenommen wird. Sollte das LANUK seine Einschätzung ändern, will das Umweltamt seine Position erneut prüfen. Das wurde auch dem Naturschutzbeirat im Juli zugesichert.

Ein Pilz, der im Boden bleibt

Bsal befällt die Haut der Tiere. Dadurch können Feuersalamander nicht mehr richtig atmen und ersticken. Der Pilz ist ansteckend und bleibt im Boden; vermutlich können sich Sporen außerdem in Wasser und Vegetation halten. Bei Feuersalamandern verläuft die Erkrankung meist tödlich und schreitet typischerweise innerhalb von zwei bis drei Wochen voran.

Sichtbare Hautläsionen gelten als typische Anzeichen, treten aber oft erst spät auf. Auch äußerlich gesund wirkende Tiere können infiziert sein. Teilnahmslosigkeit und Fressunlust sind weitere mögliche Symptome. Bergmolche und Teichmolche können ebenfalls erkranken; bei schwachem Befall konnten sich Tiere im Labor nach mehrfacher Häutung teilweise vom Pilz befreien. Frösche, Kröten und Unken können Bsal tragen, ohne selbst krank zu werden. Für andere mitteleuropäische Molcharten wurden laut einer Veröffentlichung von 2016 keine Erkrankungsfälle nachgewiesen – ausschließen lässt sich eine Weiterverbreitung durch sie trotzdem nicht.

In Asien sind verschiedene Schwanzlurcharten an den Pilz angepasst und sterben normalerweise nicht an einer Infektion. Vermutlich gelangte Bsal durch den internationalen Handel mit Terrarientieren nach Europa. Infiziertes Erdreich, Wasser oder ausgesetzte Tiere könnten den Erreger in die freie Natur gebracht haben. Wann wild lebende Schwanzlurche in Europa erstmals befallen wurden, ist unbekannt.

Entdeckt wurde Bsal 2008 in den Niederlanden, nachdem dort Feuersalamander stark zurückgegangen waren. Massive Rückgänge in Belgien wurden 2013 erstmals wissenschaftlich beschrieben. Danach breitete sich der Pilz in den Niederlanden und Belgien aus und erreichte Deutschland: 2015 wurden Fälle aus der nördlichen Eifel bekannt, 2017 der erste Fund im Ruhrgebiet. Dort verbreitete sich der Erreger schnell; im Essener Stadtwald war die Population vermutlich um 2018/2019 vollständig verschwunden.

Untersuchungen konservierter Totfunde aus der Nordeifel, die seit 2004 aufbewahrt worden waren, ergaben 2017, dass die Tiere bereits an Bsal gestorben waren. Der Pilz war damit vermutlich schon lange vor 2008 in Europa in freier Natur vorhanden, wurde aber erst später erkannt. Auch in mehreren Zuchten in Gefangenschaft wurde Bsal nachgewiesen.

Zucht, Hygiene und die nächsten Monate

Nach Angaben des LANUK sind internationale Richtlinien derzeit noch nicht erfüllt oder offene Fragen ungeklärt. Zu klären ist insbesondere, ob eine Wiederansiedlung fachlich und ethisch vertretbar ist, ob sich eine neue Population dauerhaft selbst erhalten kann und ob die Ursachen des Aussterbens ermittelt und beseitigt werden können.

Die Kommunen in Nordrhein-Westfalen bewerten diese Fragen unterschiedlich. In Lippe und Wuppertal gibt es bereits separate ex-situ-Zuchten. Eine Erhaltungszucht in Gefangenschaft gilt derzeit als sinnvoll, um Feuersalamanderbestände langfristig zu sichern. Nachgezüchtete Tiere könnten später ausgewildert werden – aber erst, wenn geklärt ist, wie sie vor einer erneuten Infektion geschützt werden können. Eine Wärmebehandlung von zehn Tagen bei 25 Grad kann Tiere in Gefangenschaft vom Pilz befreien. Für frei lebende Amphibien ist das nicht umsetzbar.

Eine erneute Infektion könnte Schutz- und Zuchtmaßnahmen zunichtemachen. Menschen und Hunde können Sporen über Schlamm an Schuhen, Füßen oder Fahrradreifen verschleppen. Wildtiere wie Füchse und Wildschweine lassen sich in solche Hygienemaßnahmen nicht einbeziehen und gelten ebenfalls als mögliche Überträger. Im Botanischen Garten sollen Besucher deshalb auf den Wegen bleiben und ihre Schuhe beim Verlassen des Geländes desinfizieren.

Nach Aufenthalten in Amphibien- oder Feuersalamander-Lebensräumen empfiehlt sich eine Desinfektion mit mindestens 70-prozentigem Alkohol oder einer mindestens einprozentigen Virkon-S-Lösung. Vielerorts stehen