In 29 Blühflächen im Landkreis Northeim haben sich die eingesäten Wildpflanzen zuverlässig etabliert. Das zeigt eine Studie der Universität Göttingen, die mehrjährige Blühflächen unter unterschiedlichen Bedingungen untersucht hat. Für die Untersuchung legten 41 landwirtschaftliche Betriebe im Rahmen des Kooperativ-Projekts insgesamt 250 Hektar an.

Zum Einsatz kam eine regionale Saatmischung aus 33 Wildpflanzenarten. Die Flächen lagen an unterschiedlichen Orten, hatten verschiedene Lebensräume in ihrer Umgebung und waren zuvor entweder Ackerflächen oder bereits Agrarumweltmaßnahmen. Auch der Aussaatzeitpunkt variierte: Ein Teil wurde im Herbst, ein anderer im Frühjahr eingesät.

Gesäte Arten setzen sich durch

Das Ergebnis fällt für die Initiatoren erfreulich aus: Die eingesäten Arten setzten sich zunehmend durch, während problematische Unkräuter insgesamt nur in geringem Umfang auftraten. Auf zuvor landwirtschaftlich genutzten Ackerflächen fanden die Forschenden weniger spontan aufkommende Pflanzen und problematische Unkräuter als auf Flächen, die schon vorher als Agrarumweltmaßnahme gedient hatten.

Eine Herbstaussaat gab den eingesäten Pflanzen im ersten Jahr einen Vorsprung. Ab dem zweiten Jahr waren zwischen Herbst- und Frühjahresaussaat keine Unterschiede mehr feststellbar. Auch die Landschaftsstruktur spielte eine Rolle. In strukturärmeren Landschaften etablierten sich die eingesäten Arten besonders gut. In strukturreicheren Gegenden wanderten dagegen mehr Pflanzenarten spontan ein. Sie ergänzten die eingesäte Pflanzengemeinschaft und erhöhten damit die regionale Pflanzenvielfalt – die Natur mischt also ein wenig selbst mit.

Das Projekt soll die Artenvielfalt in Agrarlandschaften steigern und dadurch Bestäubung sowie biologische Schädlingskontrolle fördern. Gefördert wird es im Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ durch das Bundesamt für Naturschutz. Beteiligt sind unter anderem das Landvolk Northeim-Osterode, die Universitäten Göttingen und Rostock, Kommunen und zahlreiche Landwirte.

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Mehr als ein Farbtupfer im Acker

Blühflächen sind größere, flächig angelegte Ackerbereiche, die mit speziellen Saatgutmischungen eingesät werden. Für Bestäuber und andere Insekten entsteht dort ein vielfältiges Blütenangebot, darunter auch Nützlinge der biologischen Schädlingsbekämpfung. Weitere Tiere finden Nahrung, Fortpflanzungsplätze und Rückzugsräume. Für Jungtiere vieler bodenbrütender Feldvogelarten sind die dort lebenden Insekten in den ersten Lebenswochen wichtig.

Solche Flächen können das Landschaftsbild bereichern und als Inseln der Artenvielfalt mit anderen Lebensräumen vernetzt werden. Größere Blühflächen verringern zudem Randeffekte, etwa durch Fressfeinde. Ihre ökologischen Wirkungen nehmen meist mit längerer Standzeit zu. Und der Blühaspekt kann die Wahrnehmung der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit verbessern – ein bisschen Farbe zwischen Feldern tut offenbar auch dem menschlichen Blick gut.

Für Insekten und Bestäuber genügen bereits kleine Flächen. Sollen auch Feldvögel, Feldhasen und andere Tierarten profitieren, sollte die Fläche möglichst breiter als 15 Meter sein; auch spitz zulaufende Flächen sind möglich. Angelegt werden sollten sie möglichst weit entfernt von Wegen und Straßen, damit Störungen geringer ausfallen.

Saatgut und Pflege entscheiden mit

Saatgutmischungen unterscheiden sich in ihrer Pflanzenzusammensetzung. Zunächst gelten die Vorgaben des jeweiligen Förderprogramms. Ein hoher Gräseranteil kann dazu führen, dass sich eine Fläche im Lauf der Jahre zu einer deutlich weniger blühenden Schonfläche entwickelt. Die meisten ökologischen Funktionen bleiben dann zwar erhalten, die Attraktivität für bestäubende Insekten nimmt jedoch ab.

Artenreiche Mischungen mit Wildpflanzen bieten in der Regel den längsten Blühaspekt und den größten Nutzen für heimische Bestäuber. Bei Wildpflanzenmischungen sollte auf das Ursprungsgebiet und eine Regiosaatgut-Zertifizierung, etwa nach VWW, geachtet werden, damit es nicht zu Florenverfälschungen kommt.

Mehrjährige Blühflächen bleiben außerdem nicht Jahr für Jahr gleich. Die vorherrschenden Pflanzenarten können wechseln; speziell ausgewiesene mehrjährige Mischungen berücksichtigen diesen Entwicklungsprozess. Mit zunehmender Standzeit und Bodenruhe steigt tendenziell die ökologische Wertigkeit.

Bei der Pflege gilt: möglichst wenig eingreifen – immer im Rahmen der Vorgaben des jeweiligen Förderprogramms. Über den Winter stehen gelassene Flächen bieten ganzjährig Deckung und Rückzugsräume, vor allem in der kalten Jahreszeit. Insektenlarven und -eier sitzen häufig an oberirdischen Pflanzenteilen und können im Frühjahr eine neue Generation bilden.

Je nach Programm darf die Fläche über den Winter stehen bleiben. Alternativ kann jährlich nur die Hälfte gemulcht oder gemäht werden, während die andere Hälfte im Folgejahr gepflegt wird. Der jeweils stehen gelassene Teil sollte möglichst mindestens 15 Meter breit sein. Möglich ist auch, verschiedene Teilbereiche zeitlich um mehrere Wochen oder Monate versetzt zu pflegen.

Förderung und Beratung

In Nordrhein-Westfalen gibt es mehrere Fördermöglichkeiten: die Agrarumweltmaßnahme „Mehrjährige Buntbrachen“, die Öko-Regelung 1b „Blühstreifen oder -flächen auf Ackerland“, die Öko-Regelung 1c „Blühstreifen oder -flächen in Dauerkulturen“ sowie den Vertragsnaturschutz „Blüh- und Schutzstreifen bzw. -flächen“. Die förderrechtlichen Einzelheiten sind im Maßnahmenfinder Biodiversität aufgeführt. Außerdem können Blühflächen als produktionsintegrierte Kompensation (PIK) angelegt werden.

Fragen beantwortet die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Standortentwicklung, Ländlicher Raum, Team Biodiversität, Gartenstraße 11, 50765 Köln. Telefonisch ist das Team unter 0221 5340-335 erreichbar, per E-Mail unter biodiversitaet@lwk.nrw.de.

In Göttingen zeigt die Untersuchung nun, dass eine regionale Mischung auch unter sehr verschiedenen Ausgangsbedingungen Fuß fassen kann. Zwischen Acker, Feldweg und den ersten blühenden Inseln summt es dann nicht automatisch überall gleich – aber manchmal reicht schon eine gut geplante Fläche, damit sich das Bild merklich verändert.