Im historischen Empfangssaal des Landauer Rathauses hat Staatssekretär Daniel Stich (SPD) die Förderbescheide für das EU-Projekt „Liveable Cities“ übergeben. Das Land Rheinland-Pfalz unterstützt die Beteiligung der Stadt Landau und der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) mit insgesamt 119.000 Euro. Das Projekt läuft vom 1. Januar 2026 bis zum 30. Juni 2029.

Zwölf Partner aus fünf europäischen Ländern arbeiten daran, Städte widerstandsfähiger und lebenswerter zu machen. Im Mittelpunkt stehen die Folgen nicht nachhaltiger Stadtentwicklung: der Verlust biologischer Vielfalt, Luftverschmutzung und eine wachsende Anfälligkeit für die Folgen des Klimawandels. Begrünte Dächer, urbane Feuchtgebiete und ökologische Verbindungskorridore gehören zu den geplanten Ansätzen. Stadt Landau und RPTU wollen daraus konkrete Pilotprojekte entwickeln – mit baulichen und ökologischen Maßnahmen ebenso wie mit Qualifizierungsangeboten.

Versiegelte Flächen, aufgeheizte Städte

Hinter dem Projekt steht ein ziemlich greifbares Problem. Hohe Bodenversiegelung verdrängt Grünflächen, beeinträchtigt Bodenfunktionen und verkleinert Lebensräume. Sie verstärkt Hitzeinseln, schränkt die Versickerung ein und verschlechtert die Luftqualität. 2022/23 hatte keine nordwesteuropäische Stadt eine als „gut“ eingestufte Luftqualität.

LivableCities bringt sechs nordwesteuropäische Städte und sieben Partner aus unterschiedlichen Akteursgruppen zusammen. Die Beteiligten wollen blau-grüne Infrastruktur, kurz BGI, schaffen, ausweiten und miteinander vernetzen. Bestehende Maßnahmen berücksichtigen sogenannte „herausfordernde Räume“ bislang nur unzureichend: stark versiegelte Flächen, Orte mit Biodiversitätsverlust und Nutzungskonkurrenzen – etwa Verkehrsinfrastruktur, monotone Grünflächen oder enge Straßen.

Der Anteil blau-grüner Infrastruktur soll in den sechs Städten steigen; zugleich sollen solche schwierigen Räume in BGI-Netzwerke integriert werden. Davon versprechen sich die Partner mehr Biodiversität, bessere Luft und eine höhere Klimaresilienz. Politik, Planung, praktische Umsetzung und Kapazitätsaufbau laufen dabei nicht getrennt nebeneinander her, sondern werden gemeinsam gedacht.

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Vom Grünnetz bis zum Mikrohabitat

Die Städte entwickeln eine gemeinsame BGI-Strategie und einen BGI-Aktionsplanungsrahmen für die Umsetzung. Drei gemeinsame Pilotmaßnahmen sind vorgesehen: BGI-Netzwerke, blau-grüne Quartiere und Mikrohabitate. Ihre Auswirkungen werden auf Biodiversität, Luftqualität und Klimaresilienz bewertet.

Dazu kommen drei Praxislösungen: ein Planungsansatz für BGI-Netzwerke, der „Nexus“, ein Toolkit für BGI auf Quartiersebene, die „Patches“, und ein Manual für modulare BGI-Typologien, die „Plugins“. Schulungsprogramme richten sich an Wissenschaft, Verwaltung, Planung, Politik, Praxis sowie Bürgerschaft und Zivilgesellschaft. Mehr als 190 Personen aus Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft sollen zur nachhaltigen Stadtentwicklung geschult werden.

Die Partner bringen Fachwissen zu BGI, Politik, Planung, Bildung, Biodiversität, Luftqualität, Klimaanpassung und Kommunikation ein. Beteiligt sind IZES gGmbH, BUILDERS Engineering School, die Stadt Landau in der Pfalz, die Stadt Straßburg, Cork City Council, das Bildungsministerium des Großherzogtums Luxemburg, Plant & City, die Stadt Antwerpen, die Stadt Saarlouis, die Stadt Utrecht, die Universität Gent, die französische nationale Agentur für berufliche Erwachsenenbildung sowie die Universität Kaiserslautern-Landau.

Das Gesamtbudget beträgt 8.247.804,76 Euro, davon kommen 4.948.682,79 Euro aus der EU-Förderung. Die europäische Unterstützung aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung deckt 60 Prozent der förderfähigen Projektkosten. Den verbleibenden Kostenanteil übernimmt beziehungsweise unterstützt das Land Rheinland-Pfalz, damit sich insbesondere finanzschwächere Kommunen an transnationalen Projekten beteiligen können.

Landau wird zum Reallabor

Landau hat 48.341 Einwohner und ist kommunale Partnerin. Die Stadt bringt Erfahrung in Klimaschutz, Klimaanpassung und blau-grüner Infrastruktur ein. Ein Klimaschutzkonzept wurde 2018 verabschiedet, ein Klimaanpassungskonzept 2020. 2023 richtete Landau eine eigene Klimastabsstelle ein; außerdem ist die Stadt Mitglied im Kommunalen Klimapakt Rheinland-Pfalz.

Erfahrungen gibt es auch bei der Umwandlung ehemaliger Militärflächen in klimaangepasste Quartiere. Landau beteiligt sich an der gemeinsamen BGI-Strategie und am BGI-Aktionsplanungsrahmen. In allen Arbeitspaketen arbeitet die Stadt mit, besonders bei Planungslaboren, Skalierungs- und Transferaktivitäten, der Entwicklung von BGI-Kompassen, Kommunikation und Kapazitätsaufbau.

Für ein stadtweites BGI-Netzwerk arbeitet Landau mit Cork und Straßburg zusammen. Der Schwerpunkt liegt auf dem „Klimaviertel Horst“. Dort soll ein Grünnetzkonzept entstehen, beispielhafte blau-grüne Infrastruktur umgesetzt und ausgewählte Straßenräume in grüne Infrastruktur umgewandelt werden. Die Bewohnerschaft wird einbezogen; die Maßnahme soll auch soziale und psychologische Vorteile schaffen.

In der Südstadt untersucht Landau gemeinsam mit Antwerpen, Cork und Utrecht BGI-Maßnahmen auf Quartiersebene. Der Stadtteil ist eine ehemalige Militärfläche, städtische Hitzeinsel und stark versiegelt; hinzu kommen bauliche Einschränkungen. Gesucht werden umsetzbare Lösungen für Entsiegelung und Begrünung in dichten Altstadtstrukturen. Anschließend werden ihre Auswirkungen bewertet.

Auch an Pilotaktion III und an der Pilot-Expertengruppe beteiligt sich Landau. Die Stadt bringt Erfahrungen mit semi-mobiler und mobiler BGI sowie mit sozialen Zusatznutzen ein und stellt der Partnerschaft praktisches Umsetzungswissen zur Verfügung. Im Gegenzug geht es um gemeinsames Lernen – etwa zur langfristigen Pflege und Erhaltung urbaner Räume, zur Einbindung relevanter Akteure und zum weiteren Kapazitätsaufbau.

Das Projekt verbindet damit die Arbeit vor Ort mit einem europäischen Lernprozess. Für Landau heißt das: Ideen aus anderen Städten kommen auf den Tisch, während eigene Erfahrungen aus Horst, der Südstadt und der Entwicklung klimaangepasster Quartiere weitergegeben werden. Manchmal beginnt Stadtentwicklung eben nicht mit dem großen Wurf, sondern mit einem Stück Straße, das künftig Schatten spendet, Wasser aufnimmt und zwischen Häusern wieder ein wenig Luft schafft.