Vallendar ist für viele Studierende mehr als nur der Ort, an dem sie Vorlesungen besuchen. Sie schätzen die angenehme Atmosphäre, die Landschaft der Region und das überschaubare Umfeld. Umso gemischter fallen die Reaktionen auf den geplanten Wegzug der WHU nach Düsseldorf aus.

Masterstudent Lasse Knus aus Ostfriesland sagt, mit der Entscheidung habe „wirklich keiner gerechnet“. Viele Befragte bedauern den Abschied, sehen in einem Standortwechsel aber auch Vorteile und neue Chancen. Den „Spirit“ von Vallendar wollen sie nach Düsseldorf mitnehmen. In der Vallendarer Innenstadt schaut die Geschäftswelt derweil aus ihrer eigenen Perspektive auf die möglichen Folgen.

Vallendar bleibt zunächst Studienort

Die private Wirtschaftshochschule WHU – Otto Beisheim School of Management plant, ihren Hauptstandort langfristig von Vallendar bei Koblenz nach Düsseldorf zu verlegen. Beide bestehenden Campus sollen zunächst weitergeführt werden. Bis 2034 beziehungsweise 2034/35 sollen die Aktivitäten auf einem gemeinsamen neuen Campus im Düsseldorfer Medienhafen gebündelt werden; Düsseldorf soll dann der Hauptsitz sein.

Rektor Christian Andres erklärte, der Studienbetrieb in Vallendar werde bis dahin fortgeführt. Wer dort ein Studium beginnt, soll es auch dort abschließen können. Die Hochschule verwies zudem darauf, dass bereits in der Vergangenheit einzelne Studienprogramme nach Düsseldorf verlegt worden seien, ohne den Studienalltag zu beeinträchtigen.

Die Stadt Düsseldorf will das Grundstück für den Neubau bereitstellen und erschließen. Das Grundstücksgeschäft soll bis zum ersten Quartal 2027 abgeschlossen werden. Wie viel der geplante Campus kostet, ist bislang nicht bekannt; auch die Finanzierung ist noch nicht abschließend geklärt. Laut Christoph Glaser, Vorstandsvorsitzender der Stiftung WHU, wird erwogen, dass die Beisheim-Gruppe die Kosten übernimmt. Hinter ihr stehen zwei gemeinnützige Stiftungen. Zusätzlich sollen weitere Partner gewonnen werden.

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Enttäuschung im Mittelrheintal

Vallendars Bürgermeister Wolfgang Heitmann (SPD) zeigte sich enttäuscht. Er kritisierte, erst aus der Presse von den Plänen erfahren zu haben. Er erwartet erhebliche Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt, den Einzelhandel und die Gastronomie, die örtliche Wirtschaft sowie auf die Nutzung zahlreicher Gebäude.

Die Stadt wolle die kommenden Jahre nutzen, um gemeinsam mit der WHU neue Perspektiven für Vallendar zu entwickeln. Auch der Landrat des Kreises Mayen-Koblenz, Marko Boos (SPD), bezeichnete den geplanten Wegzug als großen Verlust für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz. Er hofft auf ein stärkeres Engagement des Landes, damit zumindest Teile der WHU in Vallendar bleiben, und will mit der Hochschule über eine langfristige Perspektive für den Standort sprechen.

Wissenschaftsminister Clemens Hoch (SPD) bedauerte die Verlegung und verwies auf die regionalen Wurzeln sowie das internationale Renommee der WHU. Das Land Rheinland-Pfalz wolle die Zusammenarbeit am weiter bestehenden Vallendarer Standort fortsetzen. Zugleich erklärte das Wissenschaftsministerium die Entscheidung zur internen unternehmerischen Entscheidung der privaten Hochschule, die zu respektieren sei. Die WHU habe im Vorfeld keine Wünsche an das Land gerichtet, die eine Änderung der Entscheidung ermöglicht hätten. Staatliche Zuwendungen vom Land Rheinland-Pfalz erhält sie nicht.

Warum Düsseldorf?

Die WHU begründet den Schritt mit Düsseldorfs Lage als Metropole in einer der wirtschaftsstärksten Regionen Europas. Der neue, offene Campus soll den Austausch zwischen Studierenden, Fakultät, Mitarbeitenden und Alumni stärken – ebenso die Verbindungen zu Wissenschaft, Unternehmen, Politik und Gesellschaft. Düsseldorf sei seit der Eröffnung des dortigen Campus im Jahr 2010 kontinuierlich gewachsen.

Vor etwa eineinhalb Jahren verlagerte die WHU bereits ein Masterprogramm nach Düsseldorf. Danach stieg die Zahl der Bewerbungen deutlich. Die Hochschule erwartet weiteres Wachstum. Düsseldorf soll dabei als Schnittstelle zwischen Studierenden, Unternehmen, Forschung und öffentlichen Institutionen dienen.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) begrüßte den geplanten Campus als Stärkung der internationalen Anziehungskraft Nordrhein-Westfalens für Spitzenforschung und unternehmerische Ideen. Nach seinen Worten soll die WHU Impulse für Innovation, Wirtschaftswachstum und das Start-up-Ökosystem geben. Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) erwartet, dass die Stadt für internationale Studierende, Talente und Unternehmen attraktiver wird. Er bezeichnete den Campus als „Leuchtturmprojekt“.

Die WHU betonte zugleich die prägende Bedeutung Vallendars, der Region, ihrer Menschen und Unternehmen sowie ihrer Gründungsmitglieder, insbesondere der IHK Koblenz. Gegründet wurde die Hochschule 1984 in Vallendar als Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung. Seit 1993 trägt sie zu Ehren ihres langjährigen Förderers und Mitgründers des Metro-Handelskonzerns, Otto Beisheim, den Zusatz „Otto Beisheim School of Management“. 2010 kam der zusätzliche Campus in Düsseldorf hinzu.

Eine Hochschule mit hohen Gebühren und bekannten Gründungen

Rund 2.100 Menschen studieren derzeit an beiden Standorten. Das Angebot umfasst Bachelor- und Masterprogramme in International Business Administration und Management. Die Studiengebühren betragen 9.300 Euro pro Semester; nach Angaben der WHU nutzt etwa die Hälfte der Studierenden Stipendien oder andere Finanzierungsmöglichkeiten.

Aus der Hochschule gingen unter anderem Zalando, Flixbus und Hellofresh hervor. Wüst verbindet mit dem Düsseldorfer Campus deshalb nicht nur neue Räume, sondern auch Erwartungen an künftige Unternehmensgründungen. In Vallendar klingt währenddessen die Frage nach, was von der gewachsenen Nähe bleibt: zwischen Hochschule, Innenstadt, Gastronomie und den Menschen, die den Ort über Jahre mit Leben gefüllt haben.

Die Studierenden schauen in zwei Richtungen. Einerseits tut der geplante Abschied weh; Vallendar ist ruhig, grün und vertraut. Andererseits verspricht Düsseldorf mehr Metropole, mehr Kontakte und vielleicht den nächsten Schritt. Den eigenen „Spirit“ einfach einpacken und mitnehmen – so leicht wird es vermutlich nicht.