WHU plant neuen Campus in Düsseldorf zwischen Wachstumsplänen und offener Standortfrage
Die private WHU – Otto Beisheim School of Management aus Rheinland-Pfalz plant einen großen neuen Campus in Düsseldorf. Das teilte die nordrhein-westfälische Staatskanzlei am 7. Oktober 2026 mit. Geplant ist ein Neubau in zentraler Lage, der genaue Standort steht allerdings noch nicht fest. Eine endgültige Vereinbarung zwischen dem Land, der Stadt und der Hochschule ist offenbar ebenfalls noch nicht geschlossen.
Für Düsseldorf wäre das ein kräftiger Schub im Hochschulbereich. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) erklärte, die Entscheidung unterstreiche die internationale Bedeutung Nordrhein-Westfalens für Spitzenforschung und unternehmerische Ideen. Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) sieht sogar eine mögliche Wirkung auf die Stadtentwicklung: Langfristig könne der Campus eine ähnliche Bedeutung bekommen wie frühere Großprojekte, darunter der Rheinufertunnel und die Wehrhahnlinie.
Ein Campus für Studium, Forschung und Weiterbildung
Die WHU wurde 1984 in Rheinland-Pfalz gegründet und zählt derzeit rund 2.100 Studierende. In Düsseldorf gibt es bereits eine kleinere Zweigstelle. Dort kommen Master-in-Finance-Studierende, Full-Time- und Part-Time-MBA-Studierende sowie Teilnehmende der Executive-Education-Programme zusammen. Auch Forschende und Mitarbeitende nutzen den Campus als Lern- und Arbeitsumfeld.
Der Standort passt zur Stadt: Düsseldorf ist ein bedeutender Wirtschaftsstandort Deutschlands und Sitz zahlreicher internationaler Unternehmen. Dazu kommen Spaziergänge am Rhein, die historische Altstadt, der moderne MedienHafen, Museen, Parks, Cafés und die Königsallee. Die internationale Verkehrsanbindung macht die Stadt für Studierende, Lehrende und Geschäftsleute zusätzlich leicht erreichbar. Zwischen Vorlesung, Zug und Altstadtbummel dürfte also eher selten Langeweile aufkommen.
Wissenschaftsministerin Ina Brandes (CDU) zufolge hat sich die WHU bewusst für Nordrhein-Westfalen als neue Heimat entschieden. In der Vorwoche waren weitere Hochschulstandorte in NRW als exzellent ausgezeichnet worden. Der geplante Neubau fällt damit in eine Phase, in der das Land seine Hochschullandschaft sichtbar internationaler aufstellen will.
Hohe Gebühren, klare Ansprüche
Das Studium an der WHU hat allerdings seinen Preis. Laut der Website der Hochschule betragen die Studiengebühren 9.300 Euro pro Semester. Die WHU bezeichnete ihre Werte 2024 als „Excellence, Community, Cosmopoliteness und Entrepreneurship“. Begriffe, die nach Hochglanzbroschüre klingen, aber ziemlich genau das Selbstbild der privaten Wirtschaftshochschule beschreiben.
Ganz ohne Schatten blieb die Geschichte der Hochschule nicht. Vor einigen Jahren geriet die WHU wegen Berichten über erzwungenen und exzessiven Alkoholkonsum bei einer Einführungswoche für Erstsemester in die Kritik. Daraufhin schloss die Hochschule mehrere Studierende aus.
Auch der Name des Hauses verweist auf eine widersprüchliche Vergangenheit. Namensgeber Otto Beisheim (1924–2013) war Unternehmer, Gründer und Mithauptaktionär der Metro-Marke. Laut Angaben der Beisheim-Stiftung von 2006 gehörte Beisheim im Zweiten Weltkrieg als Fernmelde-Gefreiter einer Division der Waffen-SS an.
Wann genau in Düsseldorf gebaut wird und wo der neue Campus stehen soll, ist offen. Fest steht bislang nur die Absicht – und ein bereits bestehender kleiner Standort, der künftig deutlich wachsen könnte.
