WHU verlagert Hauptsitz bis 2034 von Vallendar in den Düsseldorfer Medienhafen
WHU am 21. Oktober 2026: Die private Wirtschaftshochschule WHU – Otto Beisheim School of Management plant, ihren Hauptsitz bis 2034 von Vallendar nach Düsseldorf zu verlegen. Der Betrieb am Standort Vallendar soll bis dahin vollständig eingestellt werden. Nach mehr als 40 Jahren sorgt der geplante Weggang in der Region für Unruhe.
Vallendar war lange das Gesicht der Hochschule. 1984 wurde sie dort als Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung gegründet, 1988 zog sie nach Vallendar. Vier Jahre lang war die WHU zuvor im Koblenzer Stadtteil Karthause ansässig. Namensgeber ist Otto Beisheim; 1993 erhielt die Hochschule den Zusatz „Otto Beisheim“, benannt nach ihrem langjährigen Förderer und Mitgründer des Metro-Handelskonzerns.
Neuer Campus im Düsseldorfer Medienhafen
Derzeit gibt es jeweils einen Campus in Düsseldorf und Vallendar. Beide sollen zunächst bestehen bleiben. Geplant ist ein neuer gemeinsamer Campus im Düsseldorfer Medienhafen, zu den Kosten machte die Hochschule keine Angaben. Düsseldorf soll künftig der zentrale Standort werden; der dortige Campus wird dafür ausgebaut.
Die WHU begründet den Schritt mit Düsseldorfs Lage als Metropole in einer wirtschaftsstarken europäischen Region. Ein offener Campus solle Studierende, Fakultät, Beschäftigte und Alumni stärker miteinander vernetzen. Zugleich soll der Austausch mit Wissenschaft, Unternehmen, Politik und Gesellschaft wachsen. Die Hochschule nennt den Umzug einen konsequenten Schritt, weil der Düsseldorfer Standort seit seiner Eröffnung im Jahr 2010 kontinuierlich gewachsen sei.
Bereits einzelne Studienprogramme wurden nach Düsseldorf verlegt, nach Angaben der WHU ohne Beeinträchtigungen im Studienalltag. Wer das Studium in Vallendar begonnen hat, soll es dort auch abschließen können. Angeboten werden Bachelor- und Masterprogramme in International Business Administration und Management. Derzeit studieren an der WHU rund 2.100 Menschen. Zu den aus ihr hervorgegangenen Start-ups zählen Zalando, Flixbus und Hellofresh.
Enttäuschung in Vallendar
Vallendars Bürgermeister Wolfgang Heitmann (SPD) zeigte sich enttäuscht. Er kritisierte, erst durch die Presse von den Plänen erfahren zu haben. Für die Stadt steht einiges auf dem Spiel: Heitmann erwartet erhebliche Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt, den Einzelhandel und die Gastronomie, die örtliche Wirtschaft sowie auf die Nutzung zahlreicher Gebäude.
Die kommenden Jahre müsse Vallendar nutzen, um gemeinsam mit der WHU neue Perspektiven für den Standort zu entwickeln. Leicht wird das nicht. Wo heute Studierende unterwegs sind, Wohnungen suchen, einkaufen oder abends in der Gastronomie sitzen, könnten künftig Lücken entstehen. Und bei Gebäuden stellt sich die Frage, was aus ihnen wird.
Gleichzeitig betont die WHU die Bedeutung Vallendars, der Region, ihrer Menschen und Unternehmen sowie der Gründungsmitglieder, insbesondere der IHK Koblenz. Der geplante Weggang löscht diese Geschichte nicht aus, macht ihre Zukunft aber ziemlich konkret zur offenen Baustelle.
Land bedauert die Entscheidung
Der Landrat des Kreises Mayen-Koblenz, Marko Boos (SPD), bezeichnete die Entscheidung als großen Verlust für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz. Er hofft auf ein stärkeres Engagement des Landes, damit Teile der WHU langfristig in Vallendar bleiben könnten, und will mit der Hochschule über eine Perspektive für den Standort sprechen.
Auch der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Clemens Hoch (SPD) bedauerte die Verlegung. Er verwies auf die regionalen Wurzeln und das internationale Renommee der WHU. Das Land wolle die Zusammenarbeit am weiter bestehenden Vallendarer Standort fortsetzen.
Das Wissenschaftsministerium bezeichnete den Umzug zugleich als interne unternehmerische Entscheidung der privaten Hochschule. Gespräche mit dem Land habe es gegeben; konkrete Wünsche, die eine andere Entscheidung ermöglicht hätten, seien von der WHU jedoch nicht geäußert worden. Staatliche Zuwendungen vom Land Rheinland-Pfalz erhält die WHU nicht.
Hoffnungen in Düsseldorf
In Nordrhein-Westfalen wird der geplante Campus naturgemäß mit anderen Augen betrachtet. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sieht darin eine Stärkung der internationalen Anziehungskraft Nordrhein-Westfalens für Spitzenforschung und unternehmerische Ideen. Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) erwartet, dass die Stadt für internationale Studierende, Fachkräfte und Unternehmen attraktiver wird.
So prallen in der Sache zwei Perspektiven aufeinander: Düsseldorf setzt auf Wachstum, Vernetzung und internationale Sichtbarkeit, Vallendar muss sich auf einen tiefen Einschnitt einstellen. Bis 2034 bleiben noch Jahre für Übergänge, Gespräche und neue Pläne – und für die Frage, wie viel WHU am Ort ihrer Gründung am Ende tatsächlich bleiben kann.
