Artemis vor dem Mond: Wie die NASA mit Wassereis, Raumstation und Konkurrenz ins All startet
Am 24. Oktober 2026 hält die NASA trotz gewaltiger Herausforderungen an ihren Mondplänen fest. An der Uni Saarland klingt das nach einem Thema, das weit weg beginnt und doch erstaunlich konkret wird: Raketen, Raumkapseln, Wassereis und die Frage, wer künftig auf dem Mond das Sagen hat. Jeremy Parsons, Leiter des Artemis-Programms, nennt das Vorhaben wahrscheinlich das schwierigste Raumfahrtprogramm der Geschichte.
NASA-Chef Jared Isaacman sieht die Behörde dafür gerüstet. Sie habe das Mandat, die Ressourcen und die Unterstützung, um Artemis umzusetzen. Der Plan ist inzwischen größer als eine einzelne Mondlandung: Für 2028 ist zunächst eine bemannte Landung vorgesehen, ab den frühen 2030er-Jahren soll eine dauerhaft bewohnbare Mondstation entstehen. Das Programm soll Menschen dauerhaft zum Mond zurückbringen, den Mond als Testfeld für Technologien und wissenschaftliche Untersuchungen nutzen und Erfahrungen für spätere Missionen liefern – unter anderem zum Mars, dessen Reise mehrere Monate dauern würde. Die genaue Flugzeit hängt von der jeweiligen Stellung von Erde und Mars ab.
Artemis 2 brachte Menschen wieder in Mondnähe
Mit Artemis 2 waren im April erstmals seit mehr als 50 Jahren wieder Menschen in die Nähe des Mondes gelangt. Die Mission dauerte vom 1. bis zum 11. April 2026. Victor Glover, Christina Koch, Reid Wiseman und der Kanadier Jeremy Hansen starteten in Cape Canaveral, umrundeten den Mond ohne zu landen und wasserten anschließend im Pazifik nahe San Diego. Bis auf 406.771 Kilometer entfernte sich die Besatzung von der Erde – weiter als jeder Mensch zuvor. Es war der erste bemannte Mondflug seit Apollo 17 im Dezember 1972.
Der Flug war ein neuntägiger Orion-Flug mit teilweiser Mondumrundung. Der Start war zunächst für November 2024 vorgesehen, wurde auf September 2025 und danach auf April 2026 verschoben. Grund waren unter anderem Untersuchungen am beschädigten Orion-Hitzeschild. Für Artemis 2 wählte die NASA einen weniger belastenden Wiedereintrittsverlauf; ein überarbeiteter Hitzeschild soll erst bei einem späteren Flug eingesetzt werden. Diese Entscheidung wurde kritisiert.
Die Missionen davor hatten ihre eigenen kleinen und großen Stolpersteine. Artemis 1 startete am 16. November 2022 als unbemannter Testflug des Orion-Raumschiffs, umrundete den Mond und kehrte zur Erde zurück. Der Flug verlief grundsätzlich planmäßig, nach der Landung wurden jedoch Schäden am Hitzeschild festgestellt. Mehrere mitgeführte Kleinsatelliten funktionierten nicht wie vorgesehen. Artemis 1 war im Dezember 2022 abgeschlossen.
- Ascent Abort-2 am 2. Juli 2019 testete erfolgreich das Orion-Rettungssystem.
- CAPSTONE erprobte am 28. Juni 2022 erfolgreich den für das Lunar Gateway vorgesehenen Mondorbit.
- Lunar Flashlight startete am 11. Dezember 2022, scheiterte aber wegen Antriebsproblemen vor dem Erreichen eines Mondorbits.
- Peregrine Mission One brach die geplante CLPS-Landung am 8. Januar 2024 wegen eines Treibstofflecks ab und kehrte zur Erde zurück.
- IM-1 landete am 15. Februar 2024 weitgehend erfolgreich am Krater Malapert A bei etwa 80 Grad südlicher Breite, kippte jedoch um.
- Blue Ghost Mission 1 landete am 15. Januar 2025 im Mare Crisium – als erste vollständig erfolgreiche Mondlandung eines Privatunternehmens.
- IM-2 erreichte am 27. Februar 2025 den Mons Mouton, kippte um und fiel nach einem Tag wegen Stromausfalls aus.
- Beim Lunar Trailblazer ging 2025 kurz nach dem Start der Funkkontakt verloren; geplant war der Nachweis von Wassereis aus dem Mondorbit.
Warum der Zeitplan ins Rutschen kam
Nach aktueller Planung soll vor 2028 niemand im Rahmen von Artemis auf dem Mond landen. Die Verzögerungen hängen vor allem mit den kommerziellen Mondlandefähren, Raumanzügen und weiteren Systemen zusammen. SpaceX entwickelt die Starship-Variante als Landefähre, Blue Origin die Blue Moon. Für eine Starship-Mondlandung wären nach derzeitiger Planung etwa 17 Flüge nötig: zunächst ein Treibstoffdepot in einem niedrigen Erdorbit, anschließend rund 15 Betankungsflüge und schließlich der Start der Mondlandefähre mit dem Weiterflug zum Mond. Das ist kein kleiner Fahrplan, eher ein ganzer Ordner voller Fahrpläne.
Artemis 3 war ursprünglich für eine Mondlandung, vermutlich am Südpol, vorgesehen und ist für 2027 geplant. Anfang 2026 wurde die Mission grundlegend neu geordnet: Statt auf dem Mond zu landen, soll sie zu einem Testflug im niedrigen Erdorbit werden. Orion soll dort mit einer Starship- und/oder Blue-Moon-Landefähre koppeln. Beide Landefähren sollen zuvor unbemannte Testlandungen durchführen. Artemis 3 soll Rendezvous- und Kopplungsmanöver testen; eine Mondlandung ist nicht vorgesehen.
Artemis 4 ist für Anfang 2028 beziehungsweise das erste Quartal 2028 geplant und soll die erste Mondlandung des Artemis-Programms durchführen. Zwei der vier Besatzungsmitglieder sollen am Südpol etwa eine Woche bleiben, zwei weitere im Orion-Raumschiff. Es wäre die erste bemannte Mondlandung seit Apollo 17 im Dezember 1972. Geplant ist außerdem, dass erstmals eine Frau den Mond betritt. Artemis 5, die zweite bemannte Artemis-Landung, ist für das vierte Quartal 2028 vorgesehen. Danach sollen jährlich bemannte Mondlandungen folgen; möglicherweise könnte für spätere Missionen statt der SLS auch eine kommerzielle Trägerrakete eingesetzt werden.
Die Vorbereitungen für eine Mondbasis sollen frühestens Ende 2028 mit Artemis 5 beginnen. Das Konzept Artemis Base Camp sieht Wohnmodule für mehrmonatige Aufenthalte vor. Mitte der 2030er-Jahre könnten Wohnmodule vierwöchige Aufenthalte von bis zu vier Astronauten ermöglichen. Aus Mondregolith sollen Sauerstoff und Wasserstoff gewonnen werden – für die Lebenserhaltung und möglicherweise als Treibstoff.
Der Südpol, das Eis und die Konkurrenz
Der Mondsüdpol ist wegen nachgewiesenem Wassereis besonders wichtig. Manche Gebiete erhalten nahezu ganzjährig Sonnenlicht und wären für Solarenergie geeignet. Tiefe Kraterböden liegen dauerhaft im Schatten und könnten Eis enthalten. Wasser lässt sich für die Lebenserhaltung und die Herstellung von Treibstoff nutzen. Auch China und Russland planen zunächst unbemannte Erkundungen der Region; China will dort in den 2030er-Jahren eine Forschungsstation errichten.
Der internationale Wettbewerb läuft längst. China plant, bis 2030 Menschen auf den Mond zu bringen, Russland verfolgt ebenfalls entsprechende Pläne, ist aber wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten mit Verzögerungen konfrontiert. Die USA wollen vor China wieder Menschen auf dem Mond landen. Russland kündigte für die 2030er-Jahre eine eigene Mondbasis an und blieb zugleich an der Internationalen Mondforschungsstation beteiligt.
Artemis wurde 2019 unter US-Präsident Donald Trump initiiert und nach Artemis, der griechischen Mondgöttin und Zwillingsschwester Apollons, benannt. Die Apollo-Missionen führten die ersten Menschen zum Mond. Der letzte Mensch dort war Eugene Cernan, der die Oberfläche am 14. Dezember 1972 verließ. Ursprünglich sollte Artemis bereits 2024 landen, doch Verzögerungen bei Mondlandefähre, Raumanzügen und weiteren Systemen verschoben das Vorhaben auf frühestens 2028.
Die Vorgeschichte reicht noch weiter zurück. Präsident George W. Bush kündigte 2004 das Constellation-Programm an: bemannte Mondlandungen spätestens ab 2020, anschließend bemannte Marsflüge. Barack Obama stellte Constellation 2009 wegen stark steigender Kosten ein. 2011 wurde als Ersatz und Nachfolge des Space-Shuttle-Programms das SLS-Programm gestartet. Vorgesehen waren bemannte Mondumrundungen und Flüge zu anderen Himmelskörpern, Mondlandungen zunächst aber nicht. Probleme beim Hersteller Boeing verzögerten die Entwicklung; der für 2017 geplante Erstflug wurde auf frühestens 2020 verschoben.
Nach Trumps Amtsantritt wurde die US-Raumfahrtpolitik erneut auf den Mond ausgerichtet. Weil ein bemannter Marsflug bis 2024 als nicht realisierbar galt, setzte die Space Policy Directive 1 kurzfristig auf eine Mondlandung und danach auf Missionen zum Mars und zu weiteren Welten. Anfang 2019 verschob die NASA eine Mondlandung wegen anhaltender SLS-Probleme auf
