An der HTW Saarbrücken ging es um Ideen, die noch keine fertigen Produkte sind, aber schon ziemlich genau zeigen, wohin Forschung gehen kann: 17 Vorhaben aus mehreren Fakultäten wurden vorgestellt. Die Professoren hatten jeweils 15 Minuten, um Innovation, gesellschaftliche Bedeutung und Umsetzbarkeit zu erklären. Danach stimmen Publikum und HTW-Forschungsbeirat über die Förderung ab.

Üblicherweise erhält etwa ein Drittel der Anträge Geld. Diesmal könnten rund sieben Projekte ausgewählt werden. Die Initialförderung liegt meist zwischen 35.000 und 40.000 Euro und soll Ergebnisse innerhalb eines Jahres ermöglichen. Am Rand des Campus an der Uni Saarland wirkt das zunächst nach viel Geld für wenig Zeit – bei manchen Ideen dürfte es trotzdem reichen, um aus einer Skizze einen belastbaren Prototypen zu machen.

Eine Falle, die genauer hinschauen soll

Sebastian Markert und Lars Haab wollen die Bekämpfung der Asiatischen Hornisse unterstützen. Ihr Ansatz: eine Lebendfalle mit KI-basierter Bilderkennung. Anhand eines niederländischen Datensatzes soll die invasive Art mit rund 95 Prozent Treffsicherheit erkannt werden. Dazu kommen die unterschiedliche Flügelschlagfrequenz und eine Mikrofonüberwachung.

Die Tiere werden einzeln durch eine Engstelle geführt. Je nach Art öffnet sich eine Klappe – oder ein Luftstoß setzt das Tier wieder frei. Geschützte Europäische Hornissen sollen so, anders als bei herkömmlichen Fallen, nicht getötet werden. Auf Grundlage eines Prototyps ist später ein Drittmittelprojekt zur Entwicklung eines fertigen Produkts geplant.

Die Unterscheidung ist im Saarland längst keine akademische Kleinigkeit mehr. Die Asiatische Hornisse, Vespa velutina nigrithorax, wurde dort erstmals 2020 nachgewiesen. Wegen ihrer schnellen Ausbreitung stufte das Umweltministerium sie 2025 offiziell als etabliert ein; inzwischen ist sie weit verbreitet. Klimawandel, mildere Winter und fehlende natürliche Fressfeinde begünstigen ihre Ausbreitung.

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Zu erkennen ist sie an dem nahezu vollständig schwarzen Brustbereich, dem gelb-orangefarbenen Band am Hinterleib und den auffällig gelben Beinspitzen. Das wichtigste Merkmal sind eben diese gelben Füße – daher auch der Name Asiatische Gelbfuß-Hornisse. Sie ist insgesamt dunkler als die Europäische Hornisse, Arbeiterinnen werden etwa 2,5 Zentimeter, Königinnen bis zu drei Zentimeter groß. Ihr Gesicht ist gelb, die Stirn orange-gelb gezeichnet. Geflogen wird ausschließlich tagsüber.

Im Frühjahr jagen die Tiere vor allem Fliegen und Wildbienen. Im Spätsommer konzentrieren sie sich zunehmend auf Honigbienen, belagern Bienenstöcke und können täglich Tausende Bienen töten. Honigbienen machen bis zu 80 Prozent ihrer Beute aus. Vor dem Stock reduzieren Bienen bei Hornissenjagd teilweise ihre Sammelflüge, wodurch weniger Pollen eingetragen wird. Nach Einschätzung des Bundesamts für Naturschutz kann die Art außerdem die Artenvielfalt beeinflussen, weil sie neben Honigbienen weitere Insekten frisst.

Grundsätzlich verhält sich die Asiatische Hornisse defensiv und meidet Menschen. Wer sich einem Nest nähert oder es angreift, muss allerdings damit rechnen, dass die Tiere es verteidigen. Das „Velutina Netzwerk Saar“ empfiehlt mindestens zehn Meter Abstand und warnt vor eigenen Bekämpfungsversuchen. Das Netzwerk wurde 2025 gegründet: Das Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz arbeitet darin mit Imkerverbänden und ehrenamtlichen Helfern zusammen, erfasst die Ausbreitung und sucht Nester gezielt auf.

Im Frühjahr bauen die Tiere kleine Nester an geschützten Orten, etwa in Gartenhütten. Später entstehen häufig große Nester hoch oben in Baumkronen. Etwa 70 Prozent der Primärnester führen im Sommer zu einem Sekundär- oder Filialnest. Diese Nester können bis zu einen Meter Durchmesser erreichen und mehrere Tausend Hornissen beherbergen, durchschnittlich etwa 3.000 bis 5.000 Tiere. Ab ungefähr 15 Grad werden die begatteten Jungköniginnen aktiv; sie erwachen im Frühjahr aus der Winterstarre und sind damit meist früher zu sehen als Königinnen der Europäischen Hornisse.

Zunächst legt die Königin im Gründungs- oder Embryonalnest Eier. Nach dem Schlupf der ersten Arbeiterinnen wird es zum Primärnest erweitert. Danach bleibt die Königin im Nest, während Arbeiterinnen Nahrung für die Brut sammeln. Im Herbst schlüpfen Geschlechtstiere, Jungköniginnen und Drohnen paaren sich. Im November sterben Arbeiterinnen und Drohnen ab, die begatteten Jungköniginnen überwintern an geschützten Orten. Verlassene Nester werden im Folgejahr nicht wieder besiedelt.

Viele Beobachtungen werden inzwischen gemeldet, die Hornisse ist für die Bevölkerung häufiger zu sehen. Gemeldet werden sollen über das offizielle Portal www.velutina-saar.de ausschließlich Nester, nicht einzelne Tiere. Nötig ist ein Foto aus sicherer Entfernung. Nach einer Meldung übernehmen ehrenamtliche Experten des Velutina Netzwerks Saar die Beseitigung vor Ort, für Bürgerinnen und Bürger kostenlos. Bis heimische Vogelarten, die die Hornissen zunehmend als Nahrung nutzen, womöglich stärker zur natürlichen Regulierung beitragen, gilt die gezielte Nestbeseitigung als wichtigster Schutz für Natur und Imkerei.

Soziale Fragen, Schule und ein bisschen Misstrauen

Der Politikwissenschaftler Markus Ciesielski will untersuchen, welche Hürden Berechtigte beim Zugang zu SGB-II-Leistungen überwinden müssen. Hintergrund sind seit 2026 geltende verschärfte Sanktionen. Gemeinsam mit der Saarländischen Armutskonferenz sollen Beschäftigte des Ford-Werks in Saarlouis interviewt werden. Dabei geht es darum, wie sich die neuen Hürden auswirken und wie Betroffene sie überwinden können. Eine spätere Förderung durch die Hans-Böckler-Stiftung ist möglich.

Sebastian Rahn richtet den Blick auf die Neustarterklassen, die an zwei Saarbrücker Schulen für schulabsente Jugendliche eingeführt wurden. Zuletzt blieben im Saarland fast zehn Prozent der Jugendlichen ohne Schulabschluss. Laut Rahn fehlen bislang Studien zur Wirkung solcher niedrigschwelligen Angebote. Die Klassen umfassen höchstens zwölf Schüler, dazu kommen individuelle Förderpläne und drei begleitende Fachkräfte.

Nicht jeder Pitch überzeugte gleichermaßen. Einige Vorhaben erschienen nicht ausreichend durchdacht, um innerhalb eines Jahres und mit begrenzten Mitteln nennenswerte Ergebnisse zu liefern. „DIGI-BOND“ etwa soll anhand von 30 Mutter-Kind-Paaren untersuchen, wie Menschen auf smartphonebedingte digitale Interaktionsunterbrechungen reagieren – physiologisch, emotional und im Verhalten.

Ein ingenieurwissenschaftliches Team plante ein tischgroßes, unbemanntes Boot, das Binnengewässer automatisiert überwachen und Schadstoffe direkt analysieren soll. Offen blieben Fragen zur Einhaltung von Wasserentnahmevorschriften und zum Schutz vor Diebstahl. Beim wirtschaftswissenschaftlichen Projekt „Trust it“ blieb der konkrete Forschungsgegenstand unklar: Es soll den Transfer von Forschung in die Praxis beschleunigen und die Innovationskommunikation bestehender Netzwerke stärken.

Laserfäden, Pilzmyzel und Drohnen ohne Netz

John Heppe möchte mit einem Ultrakurzpulslaser einen unsichtbaren Sicherheitsfaden für Luxusprodukte entwickeln. In fünf Mikrometer große synthetische Fasern soll der Herstellername eingearbeitet werden. Hersteller und Kunden könnten damit einen überprüfbaren Echtheitsnachweis erhalten. Technisch knifflig ist die zylindrische Fadenoberfläche; der Laser soll verhindern, dass sich der Faden thermisch instabil verhält.

Der Architekturprofessor Dirk Krutke plant, Leitungsarmaturen mit Pilzmyzel zu ummanteln. Das Material soll wegen seiner guten Dämmeigenschaften eingesetzt werden. Langfristig schweben ihm Bio-Pilz-Dämmboxen vor, möglicherweise als Wärmeverbundsystem. Krutke erwägt dafür die Gründung eines Spin-offs.

Hans-Werner Groh will Lasten bis zu fünf Kilogramm per Drohne über Saarbrücken transportieren. GPS- und Funkverbindung wären nicht zwingend nötig: Eine kamerabasierte Navigation soll den autonomen Flug ermöglichen, Zielorte sollen mithilfe kartografischer Offline-Daten und spezieller Sensorik erreicht werden. KI gleicht Drohnenaufnahmen mit hochauflösenden 3D-Karten von Saarbrücken ab.

Weil die Zustellung nicht zwingend in Briefkästen erfolgen muss und die Flugkorridore ausreichend breit sein können, gilt die Sensorgenauigkeit nicht als Hauptproblem.