Wer am Montagabend, 28. September 2026, noch mit der Linie 8 durch die Dresdner Neustadt fahren will, sollte auf die Uhr schauen: Um 21:58 Uhr rollt die letzte Straßenbahn über die Königsbrücker Straße. Danach wird der Abschnitt zwischen Albertplatz und Bischofsweg für den Bahnverkehr gesperrt. Die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) beginnen dort mit einem der größten Infrastrukturvorhaben der Stadt.

Für die TU Dresden und viele Studierende verändert sich damit eine vertraute Alltagsroute. Die Königsbrücker Straße nutzen werktags rund 115.000 Fahrgäste – knapp ein Viertel aller werktäglichen Bus- und Bahnfahrgäste der DVB. Zunächst baut die DVB die Fahrleitung ab. Anschließend fahren die Linien 7 und 8 langfristig in beiden Richtungen über Bahnhof Neustadt, Großenhainer Platz und S-Bahnhof Bischofsplatz. Das dauert voraussichtlich etwa acht Minuten länger.

Umleitung beginnt in der ersten Nacht

Die Haltestellen Louisenstraße und Großenhainer Straße/Fritz-Reuter-Straße entfallen für die Linien 7 und 8. Die Linie 13 bleibt zunächst auf ihrer bisherigen Strecke. Die Einschränkungen zwischen Albertplatz und Bischofsweg sollen bis August 2027 dauern; im Sommer 2029 sollen die Linien 7 und 8 auf ihre ursprüngliche Strecke zurückkehren. Der gesamte Ausbau bis zur Stauffenbergallee soll 2030 abgeschlossen sein. Aktuelle Fahrplanänderungen veröffentlicht die DVB auf dvb.de.

Für den Abbau der Fahrleitung wird die Königsbrücker Straße zwischen Albertplatz und Bischofsweg in den Nächten von Montag bis Mittwoch jeweils von 22 bis 5 Uhr vollständig gesperrt. Wer dann mit dem Auto unterwegs ist, wird über Albertplatz, Bautzner Straße, Radeberger Straße und Stauffenbergallee umgeleitet. Tagsüber bleibt die Straße grundsätzlich befahrbar. Mindestens ein Fahrstreifen je Richtung soll erhalten bleiben, sofern das möglich ist; je nach Bauabschnitt werden die Fahrstreifen verengt oder verschwenkt. Parkplätze innerhalb der Baufelder fallen vorübergehend weg.

Zeitweise führt die Verkehrsführung über Bischofsweg, Schönbrunnstraße und Eschenstraße. Fußgängerinnen, Fußgänger und Radfahrende sollen der ausgeschilderten Strecke folgen. Haus- und Geschäftszugänge sollen laut Stadt grundsätzlich erreichbar bleiben – ein kleiner, aber im Baustellenalltag durchaus entscheidender Satz.

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Neue Gleise, Gehwege und acht Bahnsteige

Der erste Bauabschnitt liegt zwischen Albertplatz und Bischofsweg. Er umfasst insgesamt etwa 1.570 Meter, darunter rund 300 Meter im Bereich des Bischofswegs. Bis 2030 werden rund 1.600 Meter der Königsbrücker Straße und 300 Meter des Bischofswegs grundlegend erneuert. Auf dem Programm stehen neue Straßenbahngleise, Fahrbahnen, Gehwege sowie unterirdische Ver- und Entsorgungsleitungen. Auch Beleuchtung, Entwässerung und Ampeln sollen verbessert werden.

Ein größerer Gleisabstand schafft Platz für die Stadtbahnwagen des Typs NGT DXDD. Baulich getrennte Gleise sollen die Straßenbahnen beschleunigen. Die Haltestellen Louisenstraße, Bischofsweg und Tannenstraße werden mit insgesamt acht Bahnsteigen barrierefrei ausgebaut. Vorgesehen sind außerdem neue Sitzgruppen, elektronische Anzeigen und Unterstände, die überwiegend mit Gründächern ausgestattet werden.

Zwischen Schwepnitzer Straße und Eschenstraße plant die DVB ein unterirdisches Gleichrichterunterwerk mit einer Trafostation der SachsenEnergie. Klingt unscheinbar, steckt aber mitten in dem Netz, das später zuverlässig Strom auf die Strecke bringen soll.

Die Stadt beschreibt das Projekt als Ausbau für einen modernen, leistungsfähigen und barrierefreien öffentlichen Nahverkehr. Die Baumaßnahme erfolgt in mehreren Bauabschnitten. Und ja, bis dahin wird es an manchen Tagen eng, laut und vermutlich auch ein bisschen nervig.

Infopunkt und MOBIbikes

Informationen zur Baustelle gibt es am Infopunkt im ehemaligen DVB-Häuschen am Albertplatz. Geöffnet ist dort dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr sowie mittwochs von 12 bis 14 Uhr. Im Pavillon an der Haltestelle Albertplatz informiert die Bauoberleitung der Landeshauptstadt Dresden über den Baufortschritt, geplante Umleitungen sowie Anliegen, Anregungen und Wünsche. Fragen können außerdem an DVB-Mitarbeitende gerichtet oder telefonisch beziehungsweise schriftlich gestellt werden.

Während der Bauzeit stehen MOBIbikes zur Verfügung. Informationen zu MOBIbike sowie zu Rückgabestraßen und -stationen gibt es auf der MOBI-Website und in der nextbike-App. Wichtige MOBI-Stationen im Umfeld der Baustelle sind der MOBIpunkt Bahnhof Neustadt, der MOBIpunkt Louisenstraße, der MOBIpunkt Kamenzer Straße, der MOBIpunkt Bischofsplatz und der MOBIpunkt Liststraße.

Weitere Informationen zur Baustelle stehen unter dresden.de/koebrue. Der Infopunkt soll dabei nicht nur Fahrpläne erklären, sondern auch Raum für Rückmeldungen bieten – gerade dort, wo sich die tägliche Umleitung irgendwann nicht mehr wie eine Ausnahme anfühlt.

Teil eines größeren Dresdner Stadtbahnplans

Die Königsbrücker Straße steht nicht allein. Dresden plant mehrere Stadtbahnprojekte, um den öffentlichen Nahverkehr leistungsfähiger, schneller und nutzerfreundlicher zu machen und mehr Menschen für klimafreundliche Mobilität zu gewinnen. Dazu gehört die Campuslinie: eine neue Straßenbahnstrecke zwischen Löbtau und Strehlen, die die stark nachgefragte Buslinie 61 entlasten soll. Diese bindet unter anderem die TU Dresden an und wird besonders von Studierenden genutzt.

Geplant ist außerdem die Linie 5 von Johannstadt über das Stadtzentrum nach Plauen. Sie soll die überlastete Buslinie 62 ersetzen. Am Ullersdorfer Platz wollen die Landeshauptstadt und die DVB einen wichtigen Verkehrsknoten im Dresdner Nordosten umbauen, um die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu verbessern. Die Linie 8 wiederum soll bis Wilschdorf verlängert werden, damit die Gewerbegebiete im Dresdner Norden besser erreichbar sind.

Hinter den neuen Straßenbahnstrecken stehen mehrere Überlegungen: Stark genutzte Buslinien sollen entlastet werden, Straßenbahnen können mehr Fahrgäste aufnehmen als Busse, und veränderte Verkehrsströme sollen Umwelt und Wohnqualität in der Innenstadt verbessern. Auch zentrale Ziele wie die TU Dresden, die SLUB und das Universitätsklinikum sollen besser erreichbar werden.

Politisch reichen die Grundlagen dafür zurück: Der Stadtratsbeschluss V0405/10 aus dem Jahr 2010 legte eine Prioritätenliste für Straßenbahn-Neubaustrecken als Basis der weiteren Planung fest. 2012 sicherte der Stadtratsbeschluss V1480/12 die Vorplanung für „Stadtbahn 2020“. Der Stadtratsbeschluss V0948/16 aus dem Jahr 2016 brachte Anpassungen im Straßenbahn- und Busliniennetz.

Zum Netzausbau gehört auch der zunehmend barrierefreie Umbau von Haltestellen, damit Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und Eltern mit Kinderwagen leichter ein- und aussteigen können. Die Gleisabstände sollen auf drei Meter verbreitert werden, damit breitere Stadtbahnmodelle eingesetzt werden können. Diese neuen Stadtbahnmodelle sollen mehr Fahrgäste aufnehmen.

Zuständig ist das Straßen- und Tiefbauamt der Landeshauptstadt Dresden, Waisenhausstraße 14, 01069 Dresden. Telefonisch ist es unter 0351 4884300 erreichbar, per E-Mail unter strassen-tiefbauamt@dresden.de.