Nations-League-Rückspiel zwischen Irland und Israel endet mit 1:1 und Spuckvorwurf
Uni Saarland, 5. Oktober 2026 – Das Nations-League-Rückspiel zwischen Irland und Israel ist mit einem 1:1 zu Ende gegangen. Für Gesprächsstoff sorgte aber nicht nur der Fußball: Kurz nach dem Halbzeitpfiff bildete sich am Kabinengang ein Pulk aus Spielern und Betreuern. Laut irischen Medien soll ein israelischer Spieler den irischen Fitnesstrainer Damien Doyle (47) angespuckt haben.
Doyle erklärte demnach, er sei auf dem Weg in die Kabine von israelischer Seite angespuckt worden. Beweise oder Videoaufnahmen waren zunächst nicht bekannt. Auf Handyvideos ist lediglich zu sehen, wie Spieler und Betreuer unruhig werden; eine Stimme ruft: „Seid clever.“ Irlands Trainer Heimir Hallgrimsson äußerte sich nach dem Spiel nicht direkt zu den Vorwürfen. Er verwies darauf, dass sich möglicherweise die Disziplinarkommission mit dem Fall befassen werde. Dem Sender RTÉ sagte er lediglich, der Vorfall habe seine Spieler nicht beeinflusst.
Ein Spiel, das längst mehr war als Fußball
Aus Sicherheitsgründen wurde die Partie nicht in Dublin, sondern auf neutralem Boden in Bačka Topola in Serbien ausgetragen – ohne Zuschauer. Schon seit der Auslosung hatte es in Irland massive Proteste gegen die Begegnungen mit Israel gegeben. Der irische Fußballverband entschied sich dennoch gegen einen Boykott und trug das Auswärtsspiel aus. Irische Fans reisten nicht an.
Die politische Spannung war im Stadion trotzdem greifbar. Irland unterstützt im Gaza-Konflikt die Palästinenser, hat den Staat Palästina offiziell anerkannt und wirft Israel Völkermord vor. Israel weist diesen Vorwurf zurück. Trainer Hallgrimsson hatte vor dem Hinspiel gesagt: „Wir spielen nicht mit Völkermord, wir spielen gegen Völkermord.“ Der israelische Verband reagierte mit scharfer Kritik und warf ihm in sozialen Medien Ignoranz, Heuchelei und Dummheit vor.
Auch auf dem Rasen setzten die Iren Zeichen. Wie schon beim ersten Aufeinandertreffen verweigerten sie den Handschlag beziehungsweise das Abklatschen mit den israelischen Spielern. Irlands Kapitän Caoimhín Kelleher (27) schüttelte bei der Seitenwahl Israels Kapitän Dor Peretz (31) nicht die Hand. Während der israelischen Nationalhymne senkten mehrere irische Spieler den Kopf. Beide Mannschaften liefen mit Trauerflor auf: Die Iren gedachten offiziell aller Opfer des Konflikts, die Israelis der beim Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 Getöteten.
Bereits beim früheren Spiel in Debrecen hatte Irland vor nur 319 Zuschauern schwarze Armbinden getragen. Ob diese nach den Uefa-Regeln zulässig waren oder als verbotene politische Botschaft gelten, blieb unklar. Nach seinem Treffer zum 3:0 nahm Torschütze Jack Moylan die Armbinde ab und küsste sie. Irland hatte Israel in dieser Nations-League-Partie mit 3:0 besiegt.
Elfmeter, Pfosten – und ein schneller Ausgleich
In Bačka Topola ging Irland in der 39. Minute in Führung: Troy Parrott (24) verwandelte einen Elfmeter. Kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, glich Dor Peretz in der 47. Minute für Israel aus. Später fehlte beiden Teams nur ein Hauch zum Sieg. Gandelman traf in der 72. Minute den Pfosten, Gloukh scheiterte ebenfalls am Aluminium (79.). Am Ende blieb es beim 1:1.
Hallgrimsson forderte laut einem späteren Beitrag, die Uefa solle Irland und Israel künftig nicht mehr gegeneinander antreten lassen. Seine Spieler, sagte er nach der Partie, hätten sich von dem Zwischenfall nicht aus dem Konzept bringen lassen. Irlands Ersatztorwart Gavin Bazunu nahm diesmal nicht am Spiel teil. Schon zuvor hatte er sich aus persönlichen Gründen nicht für eine Partie nominieren lassen. Er erklärte, die Tötung unschuldiger Menschen sei falsch; seine Haltung richte sich nicht gegen das israelische Volk oder die jüdische Gemeinschaft, sondern gegen die Gewalt in der Region.
Verbandspräsident Paul Cooke und Hallgrimsson lobten das Verhalten der irischen Mannschaft. Cooke nannte es eine „Ehre für Irland“ und den irischen Fußball. Hallgrimsson sagte, die Spieler hätten ihre Unterstützung für den Protest gezeigt und Aufmerksamkeit für das Thema geschaffen. In Irland sei die Unterstützung für Palästina wahrscheinlich größer als in jedem anderen europäischen Land.
Diplomatische Schärfe bis an die Seitenlinie
Irland boykottiert den Eurovision Song Contest, weil Israel weiterhin teilnehmen darf. Israel schloss 2024 seine Botschaft in Dublin wegen der aus israelischer Sicht „extrem israelfeindlichen Politik“ Irlands. Israels Außenminister Gideon Sa’ar verwies auf Irlands Neutralität im Zweiten Weltkrieg und auf ein Länderspiel gegen das Deutsche Reich 1939, bei dem das damalige irische Team den Hitlergruß gezeigt hatte. Sa’ar warf Irland vor, nun auf der Seite des palästinensischen Terrorismus und Dschihadismus zu stehen.
Der israelische Fußballverband griff Hallgrimsson ebenfalls scharf an. Die irische Mannschaft war aus ihrer Heimat zum Boykott der Länderspiele aufgefordert worden; Ersatztorwart Gavin Bazunu blieb aus persönlichen Gründen außen vor. Dazu kamen die verweigerten Gesten vor dem Anpfiff, gesenkte Köpfe bei der Hymne und nun die Unruhe am Kabinengang. Ob der Spuck-Vorwurf sportrechtlich Folgen hat, dürfte eine Disziplinarkommission klären – falls sie den Fall tatsächlich aufgreift.
Das Rückspiel war für den 4. Oktober in Serbien angesetzt, da beide Partien auf neutralem Boden ausgetragen wurden. Im weiteren Nations-League-Programm gewann Portugal gegen Norwegen 2:1, Griechenland und Deutschland trennten sich 0:0, Malta besiegte Andorra 1:0. Kosovo spielte gegen Österreich 1:1, die Niederlande gewannen gegen Serbien 2:1, und Wales unterlag Dänemark 0:1.
