Am Teich ist es still, jedenfalls fast. Ein paar Ruten liegen bereit, später brutzelt Grillgut über der Glut. Für Jürgen Strawe ist dieser Ort in Gemünden mehr als eine Angelstelle: Hier feierte der Sportfischereiverein „Petri Heil“ sein 50-jähriges Bestehen – mit gemeinsamem Angeln und anschließendem Grillen. Strawe, 68 Jahre alt, gründete den Verein 1976 mit. Bis heute ist er Mitglied und Kassenwart.

Mehr als 30 Angler waren es damals, heute zählt der Verein 29 Mitglieder. Neben Strawe ist nur noch Gerhard Stuhlmann aus der Gründungszeit dabei. Das Vereinsziel war von Anfang an klar: Gemeinsam sollten Fischereirechte in Gemünden erworben werden. Zunächst konnten die Mitglieder dort allerdings noch nicht angeln und wichen unter anderem an die Schwalm aus.

Vom Spanienurlaub ans Wasser

Strawe selbst angelt seit 1974. Den Anstoß gab ein Spanienurlaub, bei dem er Menschen beim Meeresangeln beobachtete. Erst ging es regelmäßig an Nord- und Ostsee, heute zieht es ihn meistens nach Gemünden, an die Wohra oder an den Edersee. Seit 1981 betreibt er Fliegenfischerei.

1979 erwarb „Petri Heil“ die Fischereirechte an der Wohra sowie in den Bereichen der Flurstücke Gibelinge und Ubach. Außerdem bewirtschaftet der Verein den Teich am Schwarzen Weg. Für Strawe ist Angeln vor allem Entspannung. Während seiner Arbeit als Finanzbuchhalter an der Philipps-Universität Marburg half ihm das Hobby, Stress abzubauen. Seit vier Jahren ist er im Ruhestand und steht gern allein am Wasser. Er lebt mit seiner Frau in Gemünden und engagiert sich außerdem im Vorstand des VdK-Ortsverbands Gemünden sowie im Bogensportclub Burgwald.

Beim begleiteten Angelausflug an die Wohra blieb der Biss allerdings aus. Kein Zupfen, kein nervöses Schnellen der Pose. Strawe nahm es gelassen und verwies auf den alten Spruch: „Jeder Tag ist Angeltag, aber nicht jeder Tag ist Fangtag.“

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Federn, Kugelkette und die richtige Jahreszeit

Etwa 1.500 bis 2.000 selbst gebundene und gekaufte Fliegen besitzt Strawe schätzungsweise. Die künstlichen Köder imitieren unter anderem Insekten und Beutefische. Meist bestehen sie aus Federn und anderen Materialien, bei Strawe dürfen es aber auch ungewöhnliche Bestandteile sein – etwa Glieder einer Kugelkette.

Trockenfliegen schwimmen auf der Wasseroberfläche, Nassfliegen sinken darunter. Dazu kommen sogenannte Reizfliegen. Welche zum Einsatz kommt, hängt von Fischart, Gewässerbeschaffenheit und Jahreszeit ab. Im Herbst greift Strawe zu kleineren Fliegen, weil dann auch die Insekten kleiner sind.

Für Raubfische wie Hecht und Zander verwendet er große, auffällige Muster. In der Wohra lassen sich diese Fische nicht fangen, wohl aber unter anderem im Edersee, in der Eder und in der Lahn. Der Koppenstreamer imitiert eine Mühlkoppe und eignet sich vor allem für Forellen und Barsche; mit ihm kann auch in der Wohra gefischt werden. Für Forellen gehört außerdem die rot-grüne Fliege „Alexandra“ zu seiner Auswahl.

Die Fliege wird an einem Vorfach befestigt, das wiederum mit der Angelschnur verbunden ist. Beim Auswerfen kann der Haken ordentlich wehtun. Ein Hut, sagt Strawe, dient deshalb auch als Schutz. Und wenn dann tatsächlich ein Fisch am Haken hängt, landet er bei ihm in Alufolie mit Butter, Dill, Petersilie, Salz und Pfeffer auf dem Grill. Früher räucherte Strawe seine Fänge ebenfalls.

Eine Chronik voller Arbeitseinsätze

Die online dokumentierte Chronik von „Petri Heil“ erzählt allerdings von einem anderen Verein gleichen Namens: einer Angelgruppe im Raum Ammendorf und Halle. Im Mai 1983 gegründet, gehörte sie bis 1990 dem Deutschen Anglerverband der DDR an. 1988 übernahm sie das Gewässer H 32/127 Bruckdorf I zur Nutzung; als Eigentümer war der VEB „Plastwerk Ammendorf“ angegeben. Damals bestand der Vorstand aus Rudolph als Vorsitzendem, Gottschling als stellvertretendem Vorsitzenden, Teuchtler als Schriftführer, Tag als Gewässerwart, Hohl als Kassierer und Osierenski als Jugendübungsleiter.

Am 5. November 1990 gründeten 41 Mitglieder nach der Wiedervereinigung den eigenständigen Verein „Petri Heil“ e.V., Ammendorfer Plastwerk GmbH. Eine eigene Satzung wurde beschlossen, die Trennung vom Deutschen Anglerverband vollzogen. Ab Oktober flossen rund 500 Arbeitsstunden in Uferpflege und die Herrichtung des Gewässers. Besetzt wurde mit 1.000 Karpfen K3 à 35 cm, 800 Forellen à 40 cm und 80 Zandern von 60–80 cm.

1991 kamen mehr als 2.000 Arbeitsstunden für Uferpflege, den Ausbau des Stützpunktes und die Reinhaltung des Gewässers zusammen. Ein Jahr später war die Mitgliederzahl auf 80 gestiegen, rund 2.500 Stunden wurden für die Gewässerpflege geleistet. Im November schloss der Verein mit der Ammendorfer Plastwerk GmbH einen Pachtvertrag über Gewässer- und Geländenutzung. Seit dem 6. Juli bestand außerdem die ordentliche Mitgliedschaft im Landessportbund Sachsen-Anhalt.

Der Vorstand von 1992: Rudolph als Vorsitzender, Hohl als Schatzmeister und stellvertretender Vorsitzender, Heimberger als Protokollführer, Tag als Arbeitsorganisator, Rödel als Gewässerwart, Krämer als Pressesprecher und Tiegel als Jugendübungsleiter. Im selben Jahr kamen 1.000 Wildkarpfen à 40 cm, 1.000 Forellen à 30 cm, 1.200 Zander von 10–25 cm und 1.000 Schleien von 10–24 cm ins Wasser. Der Gesamtwert des Fischbesatzes von 1990 bis Ende 1992 lag bei rund 11.000 DM.

1993 übereignete die Ammendorfer Plastwerk GmbH dem Verein das Gelände. Ein notarieller Kaufvertrag legte die Kaufsumme auf 61.000 DM fest; Vereinsmitglieder leisteten mehr als 1.000 Arbeitsstunden. 1994 waren nur noch 31 Mitglieder dabei. Die Außenfassade des Anglerheims wurde vollständig neu gestaltet, der Fischbestand im Gewässer „Krienitzanger“ mit Forellen, Karpfen, Gründlingen, Karauschen und Rotfedern erhalten. Am 20. März beschloss der Verein eine eigene Satzung nach dem Fischereigesetz Sachsen-Anhalt, am 8. November folgte die Eintragung ins Grundbuch der Stadt Halle, VR-Nr. 478. Das Vereinsgrundstück lag in Flur 5/44-3 in Halle-Stadt und umfasste 121.734 m² einschließlich Krienitzanger und Umland.

1995 leistete jedes Mitglied acht Arbeitsstunden. Die Zufahrt wurde verbessert, das Vereinsheim weiter ausgebaut und ein Stromerzeuger in Form eines Windrads installiert. Am 26. August wurde eine neue Haus- und Gewässerordnung gefasst, die am 3. September beschlossen wurde.

Ein Jahr später standen 357 Arbeitsstunden für Zufahrt, Wege und Gewässerumfeld zu Buche. Teilbereiche des Gewässers erhielten Schilfgürtel. Durch die Zusammenarbeit mit der Gruppe „Zscherben“ konnten zwei weitere Gewässer genutzt werden. Ab September setzte sich der Vorstand aus Rudolph als Vorsitzendem, Teuchtler als Schatzmeister, Sehnert als Arbeitsminister, Rosenbaum als erstem Gewässerwart, Stiller als zweitem Gewässerwart und Osierenski als Pressesprecher zusammen; Jugendübungsleiter und Schriftführer sollten 1997 besetzt werden.

Der Besatz von 1996 umfasste 100 kg Schuppenkarpfen K3, 100 kg Spiegelkarpfen K3, 50 kg Graskarpfen, 50 kg Zander, 50 kg Schleien und 50 kg Karauschen. Wert: 4.483,30 DM. Am 30. April kaufte der Verein für 3.400 DM einen Aufsitzmäher. 1998 wurde Fischbesatz im Wert von 4.224,36 DM dokumentiert.

1999 kamen ein Stromerzeuger für 7.821,88 DM, eine Motorsense für 1.186,16 DM, ein Bootsmotor für 1.950 DM, eine Benzinkettensäge und eine Solarzelle hinzu. Der Besatz vom 4. Oktober kostete 3.226