Freiberg, 30. Oktober 2026. An der TU Freiberg passt der Ort zum Thema: Sachsen spricht wieder viel über Forschung, Erfindergeist und die Frage, was aus einer guten Idee am Ende tatsächlich wird. Die Unternehmen im Freistaat haben ihre Innovationsausgaben in den vergangenen Jahren deutlich erhöht – auch als Reaktion auf die deutsche Wirtschaftskrise, die bereits vor der Corona-Pandemie begonnen hatte.

Nach dem Innovationsreport des Sächsischen Wirtschaftsministeriums erreichten die Ausgaben der sächsischen Wirtschaft für Forschung und Entwicklung (FuE) im Jahr 2024 rund 1,9 Milliarden Euro. Gegenüber 2015 bedeutet das einen Anstieg um 87 Prozent – ein Höchstwert. Rechnet man außerdem die Vorbereitung, die Produktion sowie die Einführung beziehungsweise Umsetzung und den Vertrieb von Innovationen hinzu, summierten sich die gesamten Innovationsausgaben auf 4,7 Milliarden Euro.

Viel Forschung, aber noch nicht genug Markt

Gerade Sachsens kleine und mittlere Unternehmen geben im Bundesvergleich viel für FuE aus. Weil große Konzerne im Freistaat weitgehend fehlen, suchen die Firmen häufiger die Nähe zu Universitäten und Forschungseinrichtungen. Zu den wichtigen Partnern zählen die TU Dresden und außeruniversitäre Forschungsinstitute in Dresden.

Staatliche Fördermittel nutzten 45 Prozent der innovierenden Unternehmen. Bundesweit liegt der Anteil bei etwa der Hälfte. Das klingt zunächst nach Rückenwind, doch beim Übergang von Forschungsergebnissen in die kommerzielle Produktion wird die Entwicklung als rückläufig beziehungsweise abgeschwächt eingeschätzt. Besonders bei FuE-starken kleinen und mittleren Unternehmen sinken die Ausgaben für Vorbereitung, Produktion und Vertrieb von Innovationen – obwohl deren FuE-Ausgaben steigen und sie überdurchschnittlich häufig Fördermittel erhalten.

Als mögliche Gründe nennt der Bericht den Fachkräftemangel, unsichere Märkte und Regulierungen. Dazu kommt ein ganz praktisches Problem: Vielen kleineren Unternehmen fehlen die finanziellen Mittel, um Forschungsergebnisse breit umzusetzen. Wirtschaftsminister Dirk Panter sieht deshalb die Überführung von Ideen in marktreife Produkte als zentrale offene Herausforderung. Das Ministerium kündigt an, die Rahmenbedingungen für FuE zu verbessern und Unternehmen stärker dabei zu unterstützen, aus Innovationen Markterfolge zu machen. Leichter gesagt als getan – aber genau dort entscheidet sich, ob eine Entwicklung im Labor bleibt oder irgendwann in einer Fabrik läuft.

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Von Bergwerken bis zu Mikrochips

Die sächsische Innovationsgeschichte beginnt nicht erst mit Sensoren und Software. Während des „Bergeschreys“ brachten Neuerungen im Bergbau technischen Fortschritt in die Region. Später wurde die Bergakademie Freiberg aufgebaut, die mit 260 Jahren als älteste noch bestehende montanwissenschaftliche Hochschule der Welt gilt.

In der Kaiserzeit und der Weimarer Republik prägten Unternehmer und Ingenieure wie Richard Hartmann, Jörgen Skafte Rasmussen, August Horch, Heinrich Ernemann und Karl August Lingner die wirtschaftliche Entwicklung. Während der DDR war Sachsen ein staatlich stark gefördertes Zentrum unter anderem für Werkzeugmaschinenbau, Verpackungsmaschinenbau, die Computerindustrie und Mikroelektronik.

Ein Teil dieser industriellen Kompetenzen wirkte nach der deutschen Wiedervereinigung weiter und half beim Aufbau der Halbleiterindustrie im Großraum Dresden. Mit dem Ende der DDR verschwanden allerdings auch die Kombinate und ihre großen Forschungsabteilungen weitgehend. Was blieb, waren Know-how, Netzwerke und viel technisches Können – was fehlte, waren große privatwirtschaftliche Finanzierer von Forschung und Entwicklung.

Ein Bericht, 21 Seiten, ziemlich viel Stoff

Die Zahlen stammen aus der Broschüre „Ergebnisse der Befragungswelle 2025“ des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz. Grundlage ist eine Befragung aus dem Jahr 2025 zum Innovationsverhalten der sächsischen Wirtschaft im Jahr 2024. Verfasst wurde der Bericht vom Referat 38 – Innovationspolitik.

Die Publikation liegt in der 1. Auflage vor, Redaktionsschluss war der 22. September 2026. Sie umfasst 21 Seiten, ist als Broschüre im A4-Format erschienen und auf Deutsch verfasst. Der kleine Haken für Neugierige: Derzeit ist sie nicht auf Lager.

Silicon Saxony bekommt weiteren Schub

Wie weit die sächsische Mikroelektronik inzwischen reicht, zeigt das Cluster „Silicon Saxony“. Sachsen beteiligt sich mit bis zu 9,7 Millionen Euro am EU-Förderprogramm „Key Digital Technologies“. Gemeinsam mit der EU, dem Bund und Unternehmen werden innovative Mikroelektronikprojekte finanziert, um Forschung und Entwicklung in diesem Cluster zu stärken.

Laut Branchenverband stammt jeder dritte in Europa gefertigte Chip aus sächsischen Chipfabriken. Globalfoundries, Infineon und Bosch betreiben in Dresden hochautomatisierte Halbleiterfabriken. In der Branche arbeiten in Sachsen rund 70.000 Menschen, 45 Prozent davon im Softwarebereich. Rund 2.500 Unternehmen gehören zum sächsischen Mikroelektroniksektor; etwa 70 Prozent von ihnen sind im Softwarebereich tätig.

2023/24 wurde außerdem die Ansiedlung eines Halbleiterwerks von TSMC gemeinsam mit Bosch, Infineon und NXP in Dresden angekündigt. Die Investition beläuft sich auf mehr als 10 Milliarden Euro und ist damit die bislang größte Einzelinvestition in Sachsen. Der Bau begann 2024, der Produktionsstart ist für 2027 geplant. Für den sächsischen Arbeitsmarkt, die Innovationslandschaft und das Cluster „Silicon Saxony“ soll das langfristige Folgen haben – auf den Baustellen und in den Entwicklungsabteilungen wird sich das schon früher bemerkbar machen.