Hürtgenwald: Größter Waldbrand in NRW fordert bis zu 1.800 Einsatzkräfte
Die Flammen im Hürtgenwald waren noch nicht aus der öffentlichen Erinnerung verschwunden, da lag der Einsatzbericht bereits auf dem Tisch: Mitte August 2026 brannte es bei Gey im Hürtgenwald auf rund 400 Hektar. Es war der größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. Wegen des Ausmaßes musste die Gemeinde Gey im Kreis Düren evakuiert werden; rund 1.800 Menschen wurden in Sicherheit gebracht.
Am 13. August brach zunächst zwischen Großhau und der Wehebachtalsperre ein Waldbrand aus. Gegen 16 Uhr war dieser Abschnitt unter Kontrolle. Danach entstand nahe der Bundesstraße 399 bei Gey ein weiterer Brand unbekannter Ursache. Zu diesem Zeitpunkt standen rund 25 Hektar Wald in Flammen, die Gemeinde Hürtgenwald rief die Großschadenslage aus.
Ein Einsatz mit vielen Kräften
Landrat Ralf Nolten, Kreisbrandmeister Karlheinz Eismar und Bürgermeister Stephan Cranen waren seit der Nacht vor Ort, während der Kreis Düren einen Krisenstab einrichtete. Gegen 4 Uhr wurden etwa 1.800 Einwohner von Gey evakuiert. Zunächst kamen sie in Straß und einem Sportheim unter, später in einer Förderschule in Düren. Am frühen Abend des 15. August konnten sie zurückkehren, weil der Brand weitgehend unter Kontrolle war.
Hunderte Einsatzkräfte kämpften gegen die Flammen, unterstützt von Hubschraubern der Bundeswehr sowie Kräften der Landes- und Bundespolizei. Rund 130 Feuerwehrleute mit 30 Fahrzeugen aus dem Rhein-Erft-Kreis und Köln halfen bei Gey und Kleinhau, weitere Bereitschaften aus den Regierungsbezirken Köln, Düsseldorf und Münster folgten. Am Abend kamen 200 weitere Einsatzkräfte mit 46 Fahrzeugen hinzu. Bis zu 1.800 Einsatzkräfte waren zeitweise beteiligt.
Der Kreis Düren bat um Unterstützung durch das EU-Waldbrandmodul GFFFV-DE1. Seit seiner Einrichtung 2019 war es erstmals in Deutschland im Einsatz. Das Modul rückte mit zwölf Fahrzeugen und 32 Einsatzkräften aus Bonn, Königswinter, Düsseldorf und Leverkusen an. Die Spezialkräfte suchten bis in die Nacht nach Glutnestern und löschten sie. Ein Polizeihubschrauber aus Nordrhein-Westfalen unterstützte die Brandbekämpfung mit einem Löschwasser-Außenlastbehälter.
Die Löscharbeiten wurden durch im Wald verbliebene Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg erschwert. In der Nacht zum 14. August explodierte Munition auf der Brandfläche; Teile des Gebietes konnten deshalb nicht zu Fuß betreten werden. Die Bundeswehr setzte zunächst zwei Bergepanzer 2 der Technischen Schule des Heeres aus Aachen ein. Sie schlugen Schneisen in den Wald und nahmen dem Feuer Brennmaterial.
Später stellte die Bundeswehr am Boden insgesamt vier Bergepanzer bereit: zwei Bergepanzer 2 aus Aachen und zwei Bergepanzer 3 Büffel aus Unna. Aus der Luft ergänzten zwei CH-53-Hubschrauber aus Holzdorf die NH-90. Jede CH-53 konnte bis zu 5.000 Liter Löschwasser transportieren. In der Spitze waren etwa 50 Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten beteiligt.
Am ersten Einsatztag warfen zwei NH-90-Hubschrauber aus Faßberg in rund 32 Umläufen etwa 57.000 Liter Löschwasser ab. Ein Wasserförderzug aus Bergisch Gladbach verlegte mit dem Hytrans Fire System kilometerlange Schlauchleitungen. Die Bereitschaftspolizei NRW entsandte vier Wasserwerfer, die Hilfsorganisation @fire unterstützte mit Löschmannschaften und Fachberatern.
Rund um Gey wurden Vorfeuer gelegt und Brandschutzstreifen von Hand angelegt. Landwirte transportierten Wasser mit Traktoren und pflügten trockene Ackerflächen um. Trotzdem blieb die Lage zäh: Unterirdische Glutnester waren deutlich größer, als es die Oberfläche vermuten ließ. Insgesamt wurden fünf Menschen verletzt, darunter vier Einsatzkräfte.
Glut unter der Oberfläche
Seit dem 17. August gab es keine offenen Flammen mehr, die Arbeiten konzentrierten sich auf die Glutnester. Drohnen mit Wärmebildkameras überwachten die Brandfläche, nachdem keine Hubschrauber mehr eingesetzt wurden. Einsatzkräfte suchten vor allem zu Fuß nach weiteren heißen Stellen. Ab dem 18. August 2026 lag die Verantwortung wieder bei der Gemeinde Hürtgenwald. Feuerwehr, Landesbetrieb Wald und Holz NRW sowie der Kampfmittelräumdienst arbeiteten weiter.
Der Landesbetrieb setzte den „Fire Fighter“ ein, ein fernsteuerbares Forstfahrzeug mit Wasserwerfer und 10.000-Liter-Tank. Am 21. August 2026 wurde der Abschluss der Löscharbeiten bekannt gegeben. Die Sache war damit nicht einfach aus der Welt: Bei einem Vegetationsbrand bei Meuselwitz in Thüringen entwickelte sich ein unterirdischer Kohlebrand. Seine vollständige Beseitigung wird voraussichtlich mehrere Jahre dauern.
Bundeskanzler Friedrich Merz besuchte Hürtgenwald am 22. August 2026. Zuvor war er wegen seines späten Besuchs kritisiert worden. Beim Dank an die Einsatzkräfte reagierten einige Menschen mit Pfiffen und Buhrufen. Merz stellte den Brand in Zusammenhang mit dem Klimawandel und erklärte, Deutschland müsse zugleich Maßnahmen dagegen ergreifen und sich auf dessen Folgen einstellen.
Wasser, Schläuche und lange Wege
Bei solchen Einsätzen ist die Wasserversorgung ein entscheidender Faktor. Eine Messreihe der Freiwilligen Feuerwehr Hooksiel und der TU Bergakademie Freiberg ermittelte deshalb Druckverlustwerte für moderne Schläuche. Relevant sind diese Werte vor allem für lange Förderstrecken, wie sie bei Vegetationsbränden häufig benötigt werden. Der Beitrag steht ab Seite 18.
Auch die Ausgabe 10/2026 des Feuerwehr-Magazins, die ab dem 25. September 2026 erhältlich ist, greift den Einsatz und seine Lehren auf. Die Titelgeschichte ab Seite 38 stellt die Werkfeuerwehr im Chemiepark Knapsack vor. Sie schützt den Industriestandort mit speziell entwickelten Fahrzeugen und Einsatzkonzepten, kooperiert mit anderen Werkfeuerwehren südlich von Köln und arbeitet bei Ausbildung und Übungen eng mit den Freiwilligen Feuerwehren der Region zusammen.
Ein weiterer Beitrag ab Seite 70 berichtet über das Internationale Jugendfeuerwehr-Zeltlager in Behringen. Dort geht es um Verständigung, Kameradschaft und Freundschaften zwischen Jugendlichen aus verschiedenen Feuerwehren. Von dieser Zusammenarbeit sollen die beteiligten Wehren gegenwärtig und künftig profitieren. Der Einsatzbericht zum Vegetationsbrand bei Meuselwitz beginnt ab Seite 76.
Ein deutsches Modul für europäische Einsätze
Hitzerekorde und extreme Trockenheit erhöhen die Waldbrandgefahr in Europa. Geschädigte, von Schädlingen befallene Wälder verschärfen die Situation, auch Deutschland ist zunehmend von Waldbränden betroffen. Deutschland stellte deshalb im Frühjahr 2018 in Nordrhein-Westfalen ein EU-Waldbrandmodul auf – um die europäische Solidarität zu stärken und Erfahrungen für die Waldbrandbekämpfung in Deutschland zu sammeln.
Die Einheit trägt den Namen GFFFV-DE1: „Ground Forest Fire Fighting using Vehicles, Deutschland 1“. Die deutsche Bezeichnung lautet „Bodengebundene Vegetationsbrandbekämpfung unter Einbeziehung von Löschfahrzeugen, Deutsches Modul 1“. GFFFV-DE1 ist bislang die einzige deutsche Einheit, die im europäischen Katastrophenschutzverfahren gemeldet ist. Ihre Aufgabe besteht darin, örtliche Einsatzkräfte bei großen Waldbränden zu unterstützen.
Beteiligt sind die Feuerwehren aus Bonn, Leverkusen, Ratingen, Königswinter und Düsseldorf. Zum Modul gehören rund 20 Fahrzeuge und etwa 60 Einsatzkräfte, gegliedert in Führungseinheit, Versorgungseinheit und Brandbekämpfungseinheit. Für einen autarken Einsatz von einer Woche im anfordernden Land ist es ausgelegt. 2021 und 2022 war die Einheit bei Waldbränden auf dem Peloponnes in Griechenland sowie in der französischen Region Gironde im Einsatz.
Am 25. September 2026 erscheint das Feuerwehr-Magazin in Freiberg mit dem aktuellen Heft. Zwischen Druckverlustwerten, Löschwasserbehältern und den langen Stunden im Rauch bleibt dabei auch Platz für die leisen Seiten des Feuerwehralltags: Jugendliche, die beim Zeltlager trotz verschiedener Sprachen irgendwie miteinander klarkommen, und Wehren, die sich heute helfen, damit es beim nächsten Mal schneller geht.
