In Thüringen sind Kinder-Unis stark gefragt. Viele Angebote an Hochschulen und Einrichtungen sind schon nach kurzer Zeit ausgebucht. Zwischen Hörsaal, Labor und Workshop bekommen Kinder Einblicke in Wissenschaft, die sonst oft hinter schweren Türen und komplizierten Begriffen bleibt.

Beteiligt sind die Universität und die Fachhochschule Erfurt gemeinsam mit dem Helios Klinikum, die Duale Hochschule Gera-Eisenach, die Ernst-Abbe-Hochschule Jena, die Hochschule Schmalkalden und die Bauhaus-Universität Weimar. Die Formate reichen von Vorlesungen über Labor-Experimente bis zu Workshops. In Schmalkalden stehen physikalische Experimente auf dem Programm, in Weimar die Vorlesung „Fakt oder Fake“ zum Umgang mit Falschinformationen. In Erfurt geht es im Rahmen der Erfurter Büchertage mit „Rund um das Buch“ um Literatur und Lesen.

Vom Hörsaal bis zum Campus-Tag

Die Angebote werden von den Hochschulen und ihren Partnern finanziert. An der Universität Erfurt bleibt der finanzielle Aufwand nach eigenen Angaben gering: Dozenten und Räume sind bereits vorhanden, und wegen des hohen Bekanntheitsgrads braucht es nur wenig Werbung. Der größte Aufwand liegt bei Zeit und Personal.

In Weimar ist die Kinder-Uni seit ihrer Gründung 2003 fest im Bildungsangebot verankert. Getragen wird sie von fünf Partnern: der Bauhaus-Universität, der Hochschule für Musik Franz Liszt, dem Deutschen Nationaltheater, der Volkshochschule und dem Kinderbüro der Stadt. Seit 2018 ist Astrophysiker Harald Lesch Schirmherr. Pro Semester gibt es vier Vorlesungen, außerdem eine Familienvorlesung vor den Sommerferien. Im September folgt ein jährlicher Campustag für Schulen, zu dem meist mehr als 700 Kinder kommen.

Erfurt richtet seine Angebote stark an Schulklassen. In Schmalkalden sind 2026 zwei Vorlesungen für rund 400 Grundschüler geplant. An der Dualen Hochschule Gera-Eisenach laufen Kinder-Uni-Angebote von Oktober bis Juli. Weitere Informationen veröffentlichen die Hochschulen auf ihren Internetseiten.

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Premiere in Jena, Pause in Ilmenau

An der Ernst-Abbe-Hochschule Jena findet 2026 erstmals eine Kinder-Uni statt. Am Freitag startete die Reihe mit der ersten von insgesamt sieben Veranstaltungen. Thematisch sollen alle Fachbereiche der Hochschule berücksichtigt werden. Eine Veranstaltung dauert etwa 45 Minuten und richtet sich vorwiegend an Kinder der Klassenstufen 3 bis 5; interessierte Schulkinder jeden Alters sind willkommen.

Die Teilnahme ist kostenlos, eine vorherige Online-Anmeldung für jede Veranstaltung ist erforderlich. Beim ersten Besuch erhält jedes Kind einen KinderUni-Ausweis, der zu jeder Veranstaltung mitgebracht und abgestempelt wird. Nach fünf besuchten Veranstaltungen gibt es eine Teilnahmeurkunde und eine kleine Überraschung.

Spätestens 15 Minuten vor Beginn sollen die Kinder zum Hörsaal gebracht werden. Erwachsene nehmen nicht an den Veranstaltungen teil. Für wartende Eltern organisiert die Hochschule währenddessen kurze Einblicke in Labore oder andere Orte der Hochschule. Das ist praktisch – und verhindert vermutlich auch ein wenig nervöses Herumstehen im Gang.

An der Friedrich-Schiller-Universität Jena gibt es derzeit keine Kinder-Uni. Dort bestehen andere Angebote für Jugendliche. Eine Kinder-Uni sei aus personellen Gründen seit einigen Jahren nicht möglich, ein Wiederaufbau des Angebots ist jedoch geplant.

Die Kinder-Uni der TU Ilmenau wurde 2026 einmalig ausgesetzt, unter anderem zur Überarbeitung der Konzepte. 2027 soll sie wieder stattfinden. Der Ort der aktuellen Pause ist also zugleich der Blick nach vorn: TU Ilmenau.

Wissenschaft zum Anfassen

Das Ziel der Kinder-Unis ist klar: Kinder sollen früh für Wissenschaft und Forschung begeistert werden. Sie erhalten altersgerechte Einblicke in verschiedene Wissensgebiete und gesellschaftliche Fragen, erleben Forschende und Experten unmittelbar und sollen auch komplexe Zusammenhänge verständlich vermittelt bekommen. Das kann ein Experiment sein, das knallt, eine Frage zu Falschinformationen oder ein Gespräch über Bücher.

Die Angebote sollen außerdem Kindern den Zugang zu wissenschaftlicher Bildung ermöglichen, die sonst wenig Kontakt zu Hochschulen haben. Das Thüringer Wissenschaftsministerium sieht frühe Hochschulkontakte möglicherweise als hilfreich für die spätere Berufsorientierung. Wer einmal selbst in einem Labor gestanden oder einer Forscherin eine Frage gestellt hat, hat vielleicht später weniger Respekt vor dem unbekannten Hochschulgebäude.

Für Dozenten ist die Arbeit mit Kindern allerdings anspruchsvoll. Sie müssen die Aufmerksamkeit eines großen jungen Publikums gewinnen und halten, und nicht jeder Dozent sei dafür geeignet. Der Umgang mit 300 Kindern unterscheidet sich deutlich von einer Vorlesung mit 300 Studierenden. Trotzdem berichten die Hochschulen von positiven Erfahrungen mit den Kinder-Uni-Veranstaltungen.

Auch digital geht’s in die Kinderuni

Die AKAD Kinderuni richtet sich an wissbegierige Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren. In kindgerechten Vorlesungen erhalten sie Einblicke in Wissenschaft und Forschung. Das passt zum Thüringer Modell, auch wenn der Weg dorthin ein anderer sein kann.

Eine Fernhochschule ist ebenfalls ein Ort, an dem Menschen lernen. Anders als an einer herkömmlichen Hochschule müssen Studierende dort nicht in ein Hochschulgebäude gehen. Sie können von zu Hause oder anderen Orten aus an Vorlesungen teilnehmen – mit einem Computer und dem Internet. Für manche Kinder beginnt die Neugier also im Hörsaal, für andere vielleicht am Küchentisch, zwischen Schulheften und einem Glas Saft.