Akademischer Festakt der Universität Magdeburg ehrt Mathematiker Peter Benner mit dem Forschungspreis 2026
Am Donnerstag, 26. November 2026, wird die Johanniskirche Magdeburg zum Schauplatz der höchsten akademischen Veranstaltung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Von 18 bis etwa 21 Uhr geht es beim Akademischen Festakt um die Leistungen und die Verantwortung von Wissenschaft – und um die Frage, welche Bedeutung die Universität für Sachsen-Anhalt und darüber hinaus hat.
Im Mittelpunkt steht die Festrede von Rektor Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan. Ihr Titel: „Was wir wissen. Was wir vorhaben. Wofür wir einstehen. Unsere Universität zwischen Erkenntnis, Verantwortung und Gestaltung“. Strackeljan will darin eine Standortbestimmung vornehmen und zugleich den Blick auf die Zukunft der Universität unter veränderten Rahmenbedingungen richten.
Forschungspreis für Peter Benner
Der mit 5.000 Euro dotierte Forschungspreis 2026 geht an Prof. Dr. Peter Benner. Der Mathematiker ist Honorarprofessor der Universität Magdeburg und Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für Dynamik komplexer technischer Systeme. Unter anderem entwickelt er mathematische Methoden, mit denen sich komplexe technische Systeme bei geringerem Rechenaufwand simulieren lassen.
Benners Forschungsbereich heißt „Computational Methods in Systems and Control Theory“. Zu seinen Interessen gehören Scientific Machine Learning, numerische lineare und multilineare Algebra, Modell- und Dimensionsreduktion, numerische Methoden in der System- und Regelungstheorie, Optimierung mit partiellen Differentialgleichungen sowie Hochleistungsrechnen und energiebewusstes Rechnen. Auch mathematische Software zählt dazu.
Sein beruflicher Weg ist eng mit Magdeburg verbunden. Seit April 2010 ist Benner Direktor und wissenschaftliches Mitglied am Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme; am 1. Mai 2010 nahm er dort mit der Fachgruppe „Computational Methods in Systems and Control Theory“ seine Forschungsarbeit auf. Seit Januar 2011 ist er Honorarprofessor für Mathematik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.
Im Januar 2025 wurde Benner zum gewählten Mitglied der acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften. Von Januar 2025 bis Dezember 2026 ist er zudem Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts in Magdeburg. Diese Funktion hatte er bereits von Januar 2021 bis Dezember 2022 sowie von Januar 2013 bis Dezember 2014 inne.
Seine akademische Laufbahn begann nicht in Magdeburg: Von Oktober 1987 bis März 1993 studierte Benner Mathematik im Hauptstudium und Wirtschaftswissenschaften im Nebenstudium an der RWTH Aachen. Im Mai 1990 legte er das Vordiplom ab, im März 1993 das Diplom. Im Dezember 1994 begann er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Mathematik der Technischen Universität Chemnitz-Zwickau. Dort promovierte er im Februar 1997 zum Dr. rer. nat.; im Mai 2001 habilitierte er sich in Mathematik an der Universität Bremen.
Es folgten Stationen als wissenschaftlicher Assistent am Zentrum für Technomathematik der Universität Bremen, als Oberassistent am Institut für Mathematik der Technischen Universität Berlin und von Oktober 2003 bis August 2010 als Universitätsprofessor (C4/W3) für Mathematik in Industrie und Technik an der Technischen Universität Chemnitz. Gastprofessor war Benner an der Technischen Universität Hamburg-Harburg sowie 2010 an der Université du Littoral Côte d’Opale in Calais, Frankreich.
Auf seinem Profil am Max-Planck-Institut sind außerdem Tätigkeiten als Direktor und wissenschaftliches Mitglied in Magdeburg, seine Wahl in die acatech und seine Professur an der Universität Magdeburg verzeichnet. Ein ausführlicher Lebenslauf steht dort als PDF zum Download bereit. Für den direkten Kontakt nennt das Institut die Telefonnummer +49 391 6110-450 und den Raum S2.15.
Vom Schüler in Betzdorf zum Forscher in Magdeburg
Peter Benner, geboren am 25. Mai 1967 in Kirchen (Sieg), legte 1986 am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Betzdorf das Abitur ab. An der RWTH Aachen studierte er ab 1987 Mathematik mit dem Nebenfach Wirtschaftswissenschaften/Operations Research. Für seine Diplomarbeit erhielt er 1993 die Springorum-Denkmünze der RWTH Aachen.
1997 promovierte Benner bei Volker Mehrmann an der TU Chemnitz-Zwickau mit der Arbeit „Contributions to the Numerical Solution of Algebraic Riccati Equations and Related Eigenvalue Problems“. Von 1997 bis 2001 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent am Zentrum für Technomathematik der Universität Bremen, 2001 habilitierte er sich dort. Zwischen 2001 und 2003 war er Oberassistent an der TU Berlin, zwischenzeitlich lehrte er als Gastprofessor an der TU Hamburg-Harburg. 2003 wurde er auf die Professur für Mathematik in Industrie und Technik an der TU Chemnitz berufen.
Auch international war Benner unterwegs, als Gastwissenschaftler oder Gastprofessor unter anderem an der University of Kansas, der Università di Modena e Reggio Emilia, den Lawrence Berkeley National Labs, am Courant Institute of Mathematical Sciences der New York University, an der Virginia Tech, der Université du Littoral Côte d’Opale in Calais und an der Shanghai-Universität. 2018 war er J. Tinsley Oden Faculty Fellow an der University of Texas in Austin, 2015 Distinguished Professor an der Shanghai University.
Seit 2017 ist Benner Fellow der Society for Industrial and Applied Mathematics (SIAM). Er hat etwa 400 Publikationen in Fachzeitschriften, Büchern und Tagungsbänden veröffentlicht und ist Autor oder Mitherausgeber von neun Büchern. Außerdem gibt er mehrere Publikationen und mathematische Fachzeitschriften mit heraus, darunter das „SIAM Journal on Matrix Analysis and Applications“, und ist Co-Autor verschiedener Softwarepakete.
Seit 2006 steht er dem Verein Niconet e. V. vor, der die Softwarebibliothek „Subroutine Library in Systems and Control“ (SLICOT) entwickelt und wartet. Benner engagiert sich zudem bei SIAM und der Gesellschaft für Angewandte Mathematik und Mechanik (GAMM). Zu seinen herausgegebenen beziehungsweise verfassten Arbeiten zählen „Dimension Reduction of Large-Scale Systems“ mit Volker Mehrmann und Danny C. Sorensen aus dem Jahr 2005, „Large-Scale Networks in Engineering and Life Sciences“ von 2014, „Model Reduction and Approximation: Theory and Algorithms“ von 2017 sowie „Solving Large-Scale Control Problems“ aus dem Jahr 2004.
Hinzu kommen „A Numerically Stable, Structure Preserving Method for Computing the Eigenvalues of Real Hamiltonian or Symplectic Pencils“ mit Volker Mehrmann und Hongguo Xu aus dem Jahr 1998, „SLICOT – A Subroutine Library in Systems and Control Theory“ mit V. Mehrmann, V. Sima, S. Van Huffel und A. Varga aus dem Jahr 1999, „A Survey of Projection-Based Model Reduction Methods for Parametric Dynamical Systems“ mit Serkan Gugercin und Karen Willcox aus dem Jahr 2015 sowie „Numerical Solution of Large Lyapunov Equations, Riccati Equations, and Linear-Quadratic Control Problems“ mit Jing-Rebecca Li und Thilo Penzl aus dem Jahr 2008.
Auszeichnungen, Musik und ein Gedenken
Beim Festakt werden neben dem Forschungspreis auch der Lehrpreis der Universität und Auszeichnungen für herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler vergeben. Dr. Jürgen Ude erhält für sein jahrzehntelanges Engagement für die Universität die Otto-von-Guericke-Plakette.
Die Veranstaltung richtet die Universität gemeinsam mit der Otto-von-Guericke-Gesellschaft aus. Ihre Ehrenplakette geht an Dr. Rüdiger Koch, den ehemaligen Bürgermeister und langjährigen Kulturbeigeordneten Magdeburgs. Gewürdigt wird sein Engagement für die Stadt, die Universität und die Wissenschaft.
Zu den erwarteten Gästen gehören Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann und Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris. Eingeladen sind außerdem Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft sowie Angehörige und Partner der Universität. Das Akademische Orchester der Universität Magdeburg übernimmt die musikalische Gestaltung – in einer Kirche klingt das vermutlich ohnehin ein wenig anders als im Hörsaal.
Veranstaltungsort ist die Johanniskirche Magdeburg, Johannisbergstraße 1, 39104 Magdeburg. Wegen Straßensperrungen ist die Zufahrt zur Johanniskirche eingeschränkt.</p
